18. Teambuilding: Maßnahmen für leistungsfähige Teams

Teams sind mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile. Teambuilding kann vorhandene Teams zusammenschweißen, die Zufriedenheit der Mitglieder erhöhen, die Zusammenarbeit verbessern und die Leistung steigern. Der vorangehende Themenbereich hat gezeigt: Die Zusammensetzung von Teams aus einzelnen Personen mit bestimmten Merkmalen ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit. Aber die richtige Zusammenstellung ist nicht alles, was in Teams zählt. Entscheidend ist daher die Teamentwicklung, neudeutsch meist Teambuilding genannt.
Damit befasst sich dieses Kapitel. Es gibt einen Überblick über teambildende Maßnahmen und viele Vorschläge und Ideen zur Teambildung. …

Teambuilding: Viele Maßnahmen können helfen, die Zusammenarbeit bei bestehenden Teams zu verbessern
Teambuilding: Diese Maßnahmen verbessern die Zusammenarbeit in Teams

Teambuilding: Definition

Im weitesten Sinne kann man unter dem Begriff Teambuilding natürlich alles verstehen, was im gesamten bisherigen Text behandelt wurde. So trägt natürlich auch die Gestaltung des Kontextes, die Veränderung der Arbeitsaufgabe oder die Veränderung der Zusammensetzung eines Teams durch den Austausch von Mitgliedern zu dessen Entwicklung bei und verbessert Kommunikation und Zusammenarbeit bei den Aufgaben. So ist aber aus dieser Perspektive am Ende tatsächlich alles irgendwie Teamentwicklung. Sinnvoller ist daher eine fokussiertere Perspektive, konzentriert auf Ansatzpunkte am bereits vorhandenen Team.

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Wir verwenden daher folgende Definition:

Teambuilding beschreibt alle Maßnahmen, die an einem bestehenden Team ansetzen, um dessen Eigenschaften und Prozesse zu ändern.

Typische Ziele von Teambuilding sind:

  • bessere Kommunikation und Zusammenarbeit,
  • finden von gemeinsamen Regeln und Zielen,
  • klarere Rollenabstimmung und Hierarchie,
  • höhere Leistung bei der Aufgabe,
  • Zufriedenheit der Mitglieder,
  • gute zwischenmenschliche Beziehungen und reduziertes Konfliktniveau,
  • Zusammenhalt (Teamgeist) und
  • Bindung der Mitarbeiter.

Um diese Ziele zu erreichen, braucht es Maßnahmen. Die beschreibt der nächste Abschnitt.

Teambuilding: Maßnahmen

Mit welchen Maßnahmen kann man Teams entwickeln? Teambuilding im engeren Sinne kann auf zwei unterschiedlichen Ebenen ansetzen, um erfolgreich zu sein: Auf Ebene der einzelnen Teammitglieder und auf Ebene von Zuständen und Prozessen des gesamten Teams.

Teamentwicklung als Basis für Teamleistung
Teambuilding: Teamentwicklung als Basis für Leistung

Manche denken „Wenn das Ganze mehr als die Summe der Teile ist, wieso sollte ich dann am einzelnen Teil ansetzen?“ – das ist ein folgenschwerer Denkfehler. In Teams wirken sich die Merkmale der einzelnen Mitglieder eben besonders stark aus, da sie nicht nur den einzelnen betreffen, sondern die ganze Gruppe davon profitiert oder darunter zu leiden hat. Nicht umsonst spricht man von Teamfähigkeit. Ein eigenes Kapitel beschreibt alles zum Thema Teamfähigkeit.

So sollten Teams unbedingt auch auf der Ebene der einzelnen Personen entwickelt werden. Das kann insbesondere im Bereich der Kompetenzen gelingen. Besonders relevante Kompetenzen, die sich relativ gut trainieren lassen, sind:

Fachkompetenzen
Teammitglieder haben fachliche Rollen zu erfüllen. Alles, was die fachlichen Kompetenzen der Teammitglieder erhöht, steigert daher auch die Leistungsfähigkeit des gesamten Teams. Auffrischungskurse, Weiterbildungen etc. sind wichtig aber nicht die zentralen Maßnahmen. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Mitarbeiter ca. 80 Prozent von dem, was sie für ihre Arbeit benötigen, informell lernen (Staudt und Kriegesmann, 1999). Die Entwicklung findet in erster Linie während der Arbeit statt und weniger durch formelle Angebote wie Weiterbildungen und Coachings. Maßnahmen zur Entwicklung der Fachkompetenz sind daher vor allem entwicklungsfördernde Arbeitsaufgaben an denen Mitarbeiter lernen, wachsen und sich entwickeln. Diese gilt es zu verbinden mit konstruktiver Rückmeldung durch Führungskräfte (z.B. in Form von beschreibendem Lob) und die Kollegen.

soziale und kommunikative Kompetenzen
Wegen der Kooperation und intensiven sozialen Interaktion in Teams sind soziale und kommunikative Fähigkeiten noch unerlässlicher als ohnehin bei Mitarbeitern. Typische Ansatzpunkte sind hier Zuhören können, Präsentation, Rückmeldung geben, Konfliktprävention und Konfliktmanagement.

Selbständigkeit und Organisation
Teamarbeit bedeutet, dass jeder unabhängig seine Rolle und Funktion erfüllen muss – und zwar extrem zuverlässig und präzise. Das Bild eines Uhrwerks beschreibt das gut. In Teams spielen daher Selbständigkeit und Eigenverantwortung eine große Rolle. Alles, was die Handlungsfähigkeit der Mitglieder erhöht, fördert das ganze Team. Typische Maßnahmen sind hier Trainings für Zeitmanagement, Selbstmotivation oder Work Life Balance.

Auch zum Thema Teamkompetenzen gibt es ein eigenes Kapitel, das hier vertieft.

Neben den Kompetenzen sollte man auch an Eigenschaften wie Motivation oder emotionale Verfassung denken. Umgang mit Misserfolg und Stress sind hier wesentliche Punkte.

Teamentwicklung hört natürlich nicht bei den einzelnen Mitgliedern auf. Sie fängt erst richtig an auf der Ebene des gesamten Teams. Dazu der nächste Abschnitt.

Teamentwicklung auf Ebene des gesamten Teams

Allerdings genügt es für Teambuilding nicht, lediglich einzelne Teammitglieder zu trainieren und zu entwickeln und darauf zu bauen, dass sie schon irgendwie als Team funktionieren werden (McIntyre und Salas, 1995). Neben dieser Individualebene der einzelnen Teammitglieder sollte daher vor allem auf Ebene des gesamten Teams angesetzt und entwickelt werden. Genau darauf konzentriert sich dieser Themenbereich.

Dazu können Führungskräfte Zustände und Prozesse des gesamten Teams (etwa den Zusammenhalt) beeinflussen und in ihrem Interesse pflegen. Für die Leistungsfähigkeit zentrale Zustände und Prozesse auf Ebene des gesamten Teams, die über die reine Zusammensetzung aus Einzelpersonen und deren Merkmale hinaus gehen, sind:

  • Zusammenhalt (Kohäsion) im Team,
  • Werte und Normen,
  • Hierarchie und Rollen im Team,
  • Phasen der Teamentwicklung sowie
  • Konfliktmanagement.

Im Folgenden ist jedem dieser Aspekte ein Kapitel gewidmet. Von der gelungen Gestaltung dieser Aspekte hängen viele wichtige Prozesse in den Teams ab, wie etwa die Partizipation bei Entscheidungen, guter Informationsfluss, positive Emotionen (das Teamklima), Lernen im Team, Veränderungsbereitschaft des Teams, ein gemeinsames Verständnis von und Akzeptanz der Teamziele sowie die Motivation der Teammitglieder. Man kann sagen, das Funktionieren des gesamten Teams hängt davon ab. Das betrifft dann letztendlich ganz konkret Produktivität, Absentismus oder die Fluktuation von Teammitgliedern.

Der Themenbereich beginnt mit einem Kapitel zu Kohäsion und Zusammenhalt von Teams.