Die Arten von Teams in der Praxis: Übersicht

Welche Arten von Teams gibt es? Was sind typische Formen der Teamarbeit, die Mitarbeiter im Berufsleben erwarten? Dazu das Wesentliche in diesem Kapitel. Es zeigt typische Teamarten in der Praxis in einer kompakten Übersicht. Dabei geht es ein auf klassische Projektteams und Bereichsteams, wie es sie in jeder Organisation gibt. Doch der Blick geht auch auf neue Typen von Teams wie agile Teams und virtuelle Teams. Dabei ordnet der Text auch Begriffe wie Optimierungsteams, teilautonome Arbeitsgruppen und cross-funktionale Teams ein. Zum Abschluss zeigt der Beitrag wichtige Teamdimensionen zur Abgrenzung der einzelnen Teamarten.

Autor: Diplompsychologe Professor Dr. Florian Becker

Übersicht der Teamarten in der Praxis

In Unternehmen gibt es unterschiedliche Teamarten, wie diese oberflächlich in Erscheinung treten. Mitarbeiter hören von Managementteams, Produktionsteams, Projektteams, agilen Teams und virtuellen Teams. Die vier wichtigsten Arten von Teams sind:

Alle diese Beispiele für Teams, die folgende Abbildung zeigt, sind durch verschiedene Formen der Teamarbeit gekennzeichnet.

wichtige Teamarten in der Praxis
Wichtige Arten von Teams in Unternehmen

Im Folgenden daher eine detaillierte Beschreibung dieser Typen von Teams.

Bereichsteams

Klassischerweise sind Unternehmen in Bereiche (nach Unternehmensfunktion) strukturiert. Hier finden sich diesen zugeordnete Teams, beispielsweise in Bereichen wie Einkauf, Produktion, Personal, Marketing, Finanzen, IT oder Vertrieb (vgl. Yukl und Gardner, 2019). Bereichsteams haben typischerweise diese Eigenschaften:

  • entlang der Wertschöpfungskette angeordnet (z.B. Vertrieb)
  • zeitlich sehr stabil und überdauernd
  • Arbeit an standardisierten Routineaufgaben
  • Mitglieder arbeiten als Spezialisten alle an einer Unternehmensfunktion
  • es gibt eine klare Führungskraft (z.B. einen Abteilungsleiter)

Von Teamarbeit nach wissenschaftlicher Definition kann bei diesen Teams nur manchmal gesprochen werden. Oft haben die Mitglieder in solchen Bereichen kaum Interaktion. Sie arbeiten dann nebeneinander selbständig her, die Abstimmung und Koordination übernimmt eine Führungskraft. Dann handelt es sich nicht um ein Team im strengen Sinne, da die Selbstorganisation fehlt.

Als Kontrast finden sich in immer mehr Organisationen Cross-Functional-Teams. Deren Teammitglieder stammen aus verschiedenen Bereichen und arbeiten an einem Projekt oder betreuen ein Produkt ganzheitlich. Dazu der nächste Abschnitt.

Projektteams

Entlang der Unternehmensprozesse sind oft zusätzlich Projektteams anzutreffen (Scott-Young und Samson, 2008). Meist ist diese Art von Teams abteilungsübergreifend angelegt. Besonders Matrixorganisationen sind von der Konzeption bereits so ausgelegt, dass die Mitglieder der einzelnen Abteilungen gleichzeitig in abteilungsübergreifenden Teams sind. So finden sich unterhalb der Vorstandsebene beispielsweise immer häufiger Teams, die sich mit dem Erleben und Verhalten der Kunden befassen. In diesen Customer-Experience-Teams sind beispielsweise die Leiter von verschiedenen Bereichen der Unternehmen, um gemeinsam auf die Herausforderungen bei den Kunden reagieren zu können. Projektteams haben typischerweise diese Eigenschaften:

  • zeitlich befristet
  • arbeiten an einer wenig standardisierten Herausforderung
  • cross-funktional, das bedeutet die Mitglieder kommen aus ganz verschiedenen Bereichen der Organisation

Auch temporäre Teams, die sich mit Innovation und Qualität befassen (Optimierungsteams), sind den Projektgruppen zuzuordnen. Ein anderes Beispiel für ein Projektteam ist ein Team, das sich unternehmensübergreifend um die Senkung von Co2-Emissionen kümmert. Das wäre dann im Sinne einer task-force, die als cross-funktionales-Team ein Thema im Unternehmen voranbringen soll.

Virtuelle Teams

Eine Erscheinung des IT-Zeitalters sind virtuelle Teams. Verbunden durch moderne Kommunikationsmittel kann diese Art von Teams schnell entstehen, über große räumliche Entfernungen, Zeit und organisationale Grenzen hinweg zusammenarbeiten und sich kurzfristig wandeln oder auflösen. Gerade die zunehmende Internationalisierung fördert computerbasierte Interaktion. Mittlerweile sind der Großteil der qualifizierten Mitarbeiter zumindest teilweise auch in virtuelle Teamarbeit eingebunden (Kanawattanachai und Yoo, 2002). Dabei entstehen bizarre Situationen. Ein Teamleiter in München hat beispielsweise Mitarbeiter in Mexiko und China und versucht mit allen gleichzeitig eine Videokonferenz zu halten – zu (bisher) für viele undenkbaren Arbeitszeiten. Typische Eigenschaften von virtuellen Teams sind:

  • Kommunikation rein über digitale Medien
  • Teammitglieder sind geografisch (weit) voneinander entfernt
  • die Arbeitszeiten der Teammitglieder überlappen weniger als in anderen Teams

Häufig stammen die Mitglieder in virtuellen Teams aus verschiedenen Kulturen.

Agile Teams

Eine moderne Form der Teamarbeit sind agile Teams. Dahinter verbergen sich Teams, die so aufgebaut sind, dass sie möglichst schnell und unabhängig selbständig arbeiten können (Masood, Hoda und Blincoe, 2020). Typischerweise sind sie

  • klein,
  • interdisziplinär, haben
  • sehr viel Entscheidungsspielraum und Zugriff auf Ressourcen,
  • hochqualifizierte und erfahrene Mitarbeiter und
  • wenig Interaktionszwang mit anderen Personen (z.B. Führungskräften) und anderen Teams.

Man setzt sie ein, wenn man schnell vorankommen möchte mit einem Thema. Der Gedanke kleine, schlagkräftige Teams mit maximaler Autonomie zu nutzen, ist nicht neu. Schon in den 60er Jahren gab es Ansätze, die damals teilautonome Arbeitsgruppen genannt wurden. Auch der Begriff „self-managed teams“ ist bereits länger in Umlauf. Früher war der Leitgedanke aber weniger als heute bei den agilen Teams die Schnelligkeit. Es ging damals vor allem um mehr Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung.

Teamarten oder Teamdimensionen?

Das Kapitel hat die wichtigsten Arten von Teams vorgestellt, wie man sie aktuell in Organisationen auffindet. Natürlich vereinfacht eine Abgrenzung nach Typen von Teams die Realität. Prinzipiell können Kategorien wie „virtuell“ als Kontinuum verstanden werden, das auf alle Teams mehr oder minder stark zu trifft.

So kann etwa ein Team in unterschiedlichem Ausmaß abteilungsübergreifend sein oder virtuell interagieren und an unterschiedlichsten Orten arbeiten (Apgar, 1997). Auch sonst können Teams in der Praxis sehr unterschiedlich gestaltet sein. Sie arbeiten beispielsweise in relativ stabilen Umgebungen oder in sehr dynamischen, ihre Aufgaben sind komplex oder eher einfach, die Zeit, die ein Team existiert, ist lang oder kurz und Mitgliedschaften sind stabil oder einem hohen Austausch unterworfen. Zudem sind die Mitglieder in Teams sich sehr ähnlich oder unterschiedlich – sogenannte „diverse Teams“ sind Teams mit einer hohen Diversität der Teammitglieder bei Merkmalen wie Fachkompetenz, Alter, Kultur oder auch Persönlichkeit (Harrison et al., 2002). Und natürlich ist die Teamgröße und der Anteil an Entscheidungen bei der Tätigkeit wichtig. Manche Teams treffen vor allem Entscheidungen, andere setzen eher um.

Der Schaukasten gibt einen Überblick über Dimensionen zur Abgrenzung von Teams.

Beispiele: Merkmale zur Abgrenzung von Teams
Das sind wichtige Team-Dimensionen:

  • Teamgröße
  • zeitliche Existenz des Teams
  • Anteil digitaler Kommunikation und Zusammenarbeit
  • Verhältnis von Entscheidung und Implementierung bei der Arbeit
  • Autonomie (z.B. bei Mitgliederauswahl, Zielen, Rollenverteilung, Art Aufgaben zu erledigen)
  • Hierarchieebene in der Organisation (z.B. Management-Teams vs. Produktionsteams)
  • Stabilität der Teammitgliedschaften
  • Diversität der Mitglieder

Fazit: Eine Abgrenzung in Teamarten ist eine erste wichtige Orientierung. Tatsächlich ist allerdings jedes Team einzigartig, hat eine bestimmte Ausprägung auf den verschiedenen Teamdimensionen. All diese Merkmale spielen eine bedeutende Rolle bei Aufbau, Führung und Pflege von Teams.

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Nach den Teamarten geht es in den nächsten Kapiteln weiter mit zwei besonders modernen Arten von Teams: Virtuelle Teams und agile Teams.