1. Teamarbeit: Vorteile und Nachteile

Teams sind im Trend und haben eine zentrale Bedeutung in modernen Organisationen. Die moderne Arbeitswelt ist ohne sie nicht mehr vorstellbar – und Unternehmen, die Teamarbeit nicht beherrschen, scheitern. Kommunikation und effektive Zusammenarbeit leiden dann, Konflikte binden die Aufmerksamkeit, Mitarbeiter befassen sich mehr mit sich selbst als mit der Arbeit. Das liegt auch daran, dass viele Teams nicht gut funktionieren. Teamarbeit zu verstehen, die Möglichkeiten und Grenzen zu kennen und sie wirksam einzusetzen, ist daher überlebensnotwendig.
Hier setzt dieses Kapitel an. Es schildert, warum Teamarbeit im Trend liegt und zunimmt. Danach geht der Text auf Vorteile und Nachteile beim Einsatz von Teams in der Praxis ein. …

Teamarbeit: Auch in der Wirtschaft setzt man auf Teams
Teamarbeit: Nicht nur in der Wirtschaft setzt man auf Teams für mehr Leistung

Teamarbeit im Trend

Schon länger haben die allermeisten der Unternehmen im Fortune 500 die Mehrheit ihrer Mitarbeiter in Teams beschäftigt (Strozniak, 2000). Es gibt quasi keinen Mitarbeiter mehr, der nicht besser mit anderen kommunizieren und sich intensiver abstimmen muss als früher. Und der Trend geht weiter. Unternehmen haben Teams entdeckt, um flacher und handlungsfähiger zu werden, wie folgende Abbildung zeigt.

Teamarbeit im Trend: Veränderung zu flachen Team-Organisationen
Teamarbeit im Trend: Veränderung zu flachen Team-Organisationen

Das Management hofft durch flache Strukturen auf größere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an Veränderungen der Umwelt. Angeregt durch internationalen Wettbewerb, schnellen Wandel und die Herausforderung interdisziplinär zu arbeiten, ersetzen flexible Teams starre hierarchische Strukturen, die an Funktionen orientiert waren. Das Ergebnis dieser Veränderung sind neue Organisationsformen mit flachen Strukturen und ein zunehmender Abbau von Grenzen zwischen Abteilungen.

Die zunehmende Verwendung von Teams hat gute Gründe. Diese zeigt der nächste Abschnitt.

Teamarbeit: Vorteile

Nicht umsonst nimmt Teamarbeit zu, sie bietet eine Reihe von Vorteilen.

Basis für komplexe Projektarbeit
Projektbasierte Arbeit ist in vielen Organisationen die Norm. Die Projekte haben oftmals enge Zeitfenster und sind so komplex, dass sie von einzelnen Personen nicht mehr alleine lösbar sind. Teams sind dafür die Lösung.

Ermöglichung von flachen Hierarchien
Unternehmen nutzen zunehmend flache Hierarchien, die zu Eigenverantwortung, Selbstorganisation und Koordination bei den Mitarbeitern führen. Dabei ermöglichen Teams eine verbesserte Kommunikation und Entscheidungsfindung aller Personen im Unternehmen und sorgen dafür, dass man schnell auf Veränderungen in der Umwelt der Unternehmen reagieren kann.

Abbau von Führungspositionen
Mitarbeiter können sich in Teams selbst organisieren. Der Bedarf an Führungskräften nimmt dadurch ab. Unternehmen ist es durch Teamarbeit auch möglich, die Anzahl von Mitarbeitern je Führungskraft deutlich zu erhöhen (Leitungsspanne) und damit Führungskräfte abzubauen und Personalkosten zu senken. Aus dieser Perspektive sieht man Führungskräfte als eine Art notwendiges Übel. Sie kosten, aber man braucht sie, damit Entscheidungen und Verhalten am Arbeitsplatz in die richtige Richtung gehen. Je besser Mitarbeiter das alleine schaffen, desto weniger Führungskräfte sind erforderlich. Teams können idealerweise viele Funktionen übernehmen, die sonst Führungskräfte erfüllen: Jemand weiß nicht, was er wie tun soll? Das Team sagt es ihm. Ein Mitarbeiter fühlt sich nicht gut? Das Team kümmert sich darum. Ein Mitarbeiter zeigt unerwünschtes Verhalten? Das Team diszipliniert ihn.

Motivation und Involvement der Mitarbeiter
Organisationen hegen die Hoffnung, mit Teams die Motivation und das Involvement der Mitarbeiter zu steigern. Durch die in Teams vorherrschende Teilhabe an Entscheidungsverantwortung und weitreichendere und bedeutsamere Tätigkeiten als bei Einzelarbeit, hofft man die Arbeitsaufgabe aufzuwerten und damit motivierender zu gestalten (May, Gilson und Harter, 2004).

Innovation
Teams bieten aus Sicht von Unternehmen eine Möglichkeit, um Kreativität und Innovation abzugreifen. Oft sind dabei kleine, innovative Startups das Leitbild – diese sind meist als Team aufgebaut. Mit Teamarbeit versucht man die Innovationskraft und Dynamik solcher kleinen kreativen Startups auf große Konzerne zu übertragen.

Verbesserung von Lernen und Mitarbeiterentwicklung
Teams steigern den Kontakt und Austausch zwischen Mitarbeitern. Das fördert das Lernen voneinander. Mitarbeiter in Teams lernen schneller von den anderen im Team. Gute Ideen und Arbeitsansätze breiten sich im Team besser aus, da mehr Kontakt herrscht.

Berücksichtigung der Mitarbeiterwünsche
Ein starker Wunsch nach Teamarbeit besteht auch bei vielen Mitarbeitern. Das Verlangen nach einem sozialem Umfeld am Arbeitsplatz und mehr Partizipation an Entscheidungen nimmt zu. Fragt man heutige Absolventen, gibt kaum einer an, lieber alleine als im Team arbeiten zu wollen.

Einige wissenschaftliche Forschungsergebnisse untermauern den Glauben an Teams und zahlreiche Fallstudien aus der Praxis berichten von Erfolgen bei der Umstellung auf Teamarbeit. Tatsächlich hat sich in einigen Studien gezeigt, dass Teams in der Regel zu niedrigeren Fehlzeiten und einer geringeren Fluktuation führen (z.B. Heywood und Jirjahn, 2004). Auch Fallbeispiele aus der Praxis ermuntern zu mehr Teamarbeit.

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Hier ist allerdings Vorsicht angebracht: In den wissenschaftlichen Befunden zeigt sich eher eine Dominanz von Koordinations- und Motivationsverlusten als von positiven Effekten bei der Teamarbeit (vgl. Wegge, 2004, S. 72 ff). Unternehmen und verantwortliche Manager berichten natürlich lieber ihre Erfolge als ihre Misserfolge – und nur weil mit Teamarbeit weniger Führungskräfte mehr Mitarbeiter führen, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Mitarbeiter auch genauso produktiv oder sogar produktiver sind.

Mehr zu Nachteilen und Herausforderungen bei der Teamarbeit in den nächsten Abschnitten.

Teamarbeit: Nachteile

Der Glaube an die Überlegenheit von Teams gegenüber Einzelpersonen ist Zeitgeist und scheint unerschütterlich. Es besteht ein fest verwurzelter Glaube, dass Teams einzelnen Personen überlegen sind. Man baut in vielen Unternehmen auf Teamentscheidungen in Kommissionen und Meetings und setzt häufig aus Gewohnheit auf Teamarbeit, ohne Alternativen überhaupt in Erwägung zu ziehen. Dabei übersieht man gerne die Nachteile.

anspruchsvolle Führung
Die Führung der Mitarbeiter in Teams ist komplexer und indirekter, Teams lassen sich von außen schwerer führen als einzelne Mitarbeiter und haben viel Selbstständigkeit und Autonomie. Schön, wenn es gut läuft. Wenn es aber schlecht läuft, können Führungskräfte viel schwer gegensteuern. Die Bilder verzweifelter Fußballtrainer neben dem Spielfeld, wenn ihre Mannschaft zusammenbricht, zeigen diese Machtlosigkeit gut.

geringere Transparenz der Leistung und Beiträge
Die Messung von Leistungen und Beiträgen einzelner Mitarbeiter ist in Teams schwerer als bei einzeln arbeitenden Mitarbeitern. Wem ist es zu verdanken, wenn ein Teamergebnis gut ist? wer ist verantwortlich, wenn es nicht gut läuft?

Koordinationsverluste
Mit jedem weiteren Gruppenmitglied steigt die Komplexität des sozialen Systems und der Koordinierungsaufwand (Tschan, 2000). Schon bei einfachen motorischen Tätigkeiten entstehen (etwa dem Ziehen an einem Tau) entstehen Koordinationsverluste. Bei anspruchsvolleren Aufgaben (etwa dem Lösen von Problemen) explodieren diese förmlich (vgl. Zysno, 1998).

Negative Eigendynamik
Innerhalb von Teams können leichter unerwünschte und schwer kontrollierbare Dynamiken entstehen. Dazu zählen etwa Mobbing, dysfunktionale Konflikte, Verantwortungsdiffusion und Trittbrettfahrer.

Die Führung von Teams ist also auf jeden Fall komplexer und anspruchsvoller als die Führung einzelner Mitarbeiter. Das zeigt auch das nächste Kapitel zu Erfolgsfaktoren und Herausforderungen der Teamarbeit.