Forschungsergebnisse zu Mitarbeitern und Kunden interpretieren

Es gibt keine sauberen Daten. Ergebnisse und Berichte zu Mitarbeitern und Kunden sind in der Praxis durch vielfältige Einflüsse verzerrt. Als Konsequenz ist es für Führungskräfte erforderlich, hinter die Oberfläche von Forschungsergebnissen zu blicken, diese zu interpretieren und zu deuten. Davon handelt dieser Text.

Für Wirtschaftspsychologen gehört es zum Alltag Forschungsergebnisse zu interpretieren. Sei es, dass sie um Einschätzung zu vorhandenen Daten zu Mitarbeitern oder Kunden gebeten werden, mit vorhandenen Ergebnissen aus Studien als scheinbare Wahrheit konfrontiert sind oder eigene Daten erhoben und ausgewertet haben.

Auch für viele Führungskräfte gehört es zum Alltag, Forschungsergebnisse zu Mitarbeitern und Kunden zu interpretieren. Sie haben aber oftmals nicht den entsprechenden Ausbildungshintergrund. Daher richtet sich dieser Text nicht nur an Psychologen, sondern auch an diese Zielgruppe. Er liefert eine “psychologische Brille” mit der Praktiker auf Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen und Marktforschungsstudien blicken und gibt wertvolle Checklisten und Tipps, um die richtigen Fragen zu Forschungsergebnissen zu stellen.

Diese Ergebnisse gilt es richtig zu bewerten, zu deuten und zu interpretieren. Denn auf Basis dieser Ergebnisse werden Entscheidungen getroffen. Und werden Ergebnisse falsch interpretiert, dann sind die daraus abgeleiteten Entscheidungen schlecht.

WPGS – Wir verstehen Daten

Die Interpretation von Ergebnissen hat das Ziel, verlässliche und gültige Aussagen aus Ergebnissen abzuleiten. In wie weit ist davon auszugehen, dass Ergebnisse die Realität abbilden, welche Verzerrungen in welche Richtung bestehen und was bedeuten die Ergebnisse? Die Bewertung von Ergebnissen ist ein zentraler Aspekt bei der Interpretation. Bei der Bewertung geht es darum, festzustellen, ob Ergebnisse nachvollziehbar und transparent nach wissenschaftlichen Standards und ohne substantielle Verzerrungen zu Stande gekommen sind – beispielsweise ob davon auszugehen ist, dass Teilnehmer einer Befragung tatsächlich ehrlich geantwortet haben. Diese Bewertung wird mehr oder minder positiv ausfallen. Ergebnisse deren Bewertung negativ ausfällt, können meist nicht sinnvoll interpretiert werden.

Typische Ergebnisse in der Praxis, die es zu bewerten und zu interpretieren gilt, sind beispielsweise:

  • Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen
  • Testergebnisse von Bewerbern und Mitarbeitern
  • Ergebnisse aus der Analyse von Verhaltensdaten und andere Beobachtungsdaten von Mitarbeitern (etwa Zeitdauer von Arbeitsprozessen, Daten aus IT-Nutzung, Fehlzeiten oder Fehlerraten)
  • Ergebnisse von Kundenbefragungen
  • Marktforschungsstudien
  • Auswertungen aus Marketing und Vertrieb

Bei all diesen Ergebnissen geht es darum, nachdem diese erhoben wurden, die Qualität und Interpretierbarkeit zu beurteilen – oder schon bevor diese erhoben werden, die Qualität und Interpretierbarkeit sicher zu stellen. Davon handelt dieser Text. Er schildert im Detail, welche Gütekriterien Messungen, Instrumente und Daten erfüllen sollten, wie diese Gütekriterien erfasst und sicher gestellt werden können, welche Probleme für die Qualität von Ergebnissen bestehen und wie man mit diesen Problemen erfolgreich umgeht.

Die folgenden Kapitel stellen die wissenschaftlichen Gütekriterien vor, mit denen Forschungsergebnisse bewertet werden können. Weiter geht es mit Kapiteln zu Fehlerquellen auf Seiten der Forscher, Fehlerquellen auf Seiten der Teilnehmer und Fehlerquellen, die aus der Situation entstehen.

Los geht es im nächsten Kapitel mit einem Überblick, wo im Forschungsprozess die Interpretation von Ergebnissen eine Rolle spielt und welche Gütekriterien es dafür gibt.