Motivation

Motivation ist eines der am stärksten gefragten Themengebiete der Wirtschaftspsychologie. Dem liegt die Annahme zu Grunde, dass Motivation eine zentrale treibende Kraft hinter dem Verhalten von Mitarbeitern, Konsumenten und anderen wichtigen Gruppen ist. Somit wird häufig die Motivation als Ansatzpunkt zur Optimierung von Verhalten gewählt. Aber sind diese Annahmen berechtigt und wie kann in der Praxis wirksam und nachhaltig motiviert werden? Davon handelt dieser Text.

Das Interesse der Praxis am Themenbereich Motivation wächst stetig. Diese zunehmende Bedeutung der Motivation von Mitarbeitern hat klare Ursachen:

  • Arbeitsstrukturen, die Mitarbeiter steuern, entfallen. Wer am Fließband arbeitet, bekommt vom Fließband und dessen Tempo die Arbeit vorgegeben. Durch den Wandel zur Wissensgesellschaft und die zunehmende Automation sind derartige gering qualifizierte Tätigkeiten entfallen. Arbeit ist komplexer geworden, Mitarbeiter sind wesentlich freier geworden – Arbeitgeber müssen daher auf innere Steuerung und Motivation bauen. Mit dieser vergrößerten Freiheit von Mitarbeitern nimmt auch eine Alltagsbeobachtung von vielen Führungskräften zu: Mache Mitarbeiter gehen leidenschaftlich in ihrer Tätigkeit auf und leisten viel – andere Mitarbeiter handeln träge und stumpf nach Vorschrift und fallen zurück. Das hat das Interesse an den motivationalen Ursachen weiter gefördert.
  • Die persönliche Kontrolle über die Mitarbeiter wurde abgebaut. Die Anzahl der Mitarbeiter pro Führungskraft ist in den Industrienationen stetig gewachsen, man baut auf Teamarbeit und selbständige, handlungsfähige Mitarbeiter. Auch weil die Arbeit komplexer wurde und Mitarbeiter häufig mehr wissen als ihre Führungskräfte ist Kontrolle schwierig geworden. Auch das führt zu einer Aufwertung von Motivation als Basis für Leistung.
  • Unternehmen machen Erfahrungen mit neuen Herausforderungen am Arbeitsplatz wie kontinuierlicher Wandel und (damit verbunden) lebenslanges Lernen. Diese Erfahrungen machen mitunter schmerzhaft bewusst, wie erfolgsentscheidend es ist, Mitarbeiter zu motivieren.
  • Im Wettbewerb um hochqualifizierte Talente hoffen Unternehmen über das Instrument der Motivation die Bindung an das Unternehmen, Gesundheit der Mitarbeiter und Arbeitszufriedenheit zu steigern. Man bemüht sich Zielkonflikte zwischen Unternehmen und Mitarbeitern zu reduzieren und eine größtmögliche Deckung aus den Interessen der Mitarbeiter und den Interessen des Unternehmens zu erreichen.
  • Neue Philosophien der Führung breiten sich aus. Moderne Führungsansätze, wie Transformationale Führung, bauen klar auf psychologische Wirkungen. Man versucht Einstellungen, Werte und Motive der Mitarbeiter umzugestalten. Die Ziele des Unternehmens sollen zu den Zielen der Mitarbeiter werden. Ansatz ist dabei oft, die Mitarbeiter von egoistischen und individuellen Motiven zu einem Zustand innerer Bindung und hoher Identifikation mit dem Unternehmen zu bringen. Dabei spielt vor allem die intrinsische Motivation der Mitarbeiter eine entscheidende Rolle.
  • Forschungsdaten verdeutlichen zunehmend die Bedeutung von Motivation in der Praxis. Bei Mitarbeitern wurden Zusammenhänge gezeigt zu Arbeitsleistung (Shantz et al., 2013), Innovationen (Hakanen et al., 2008), reduziertem Fehlverhalten am Arbeitsplatz (Shantz et al., 2013), geringeren Fehlzeiten (Schaufeli et al., 2009), weniger Fehlern (Prins et al., 2009) und verringerten Arbeitsunfällen (Hansez und Chmiel, 2010). Auch auf der Ebene von ganzen Geschäftseinheiten zeigen sich Zusammenhänge mit der Arbeitsmotivation der Mitarbeiter. So zeigen Harter et al. (2002) positive Beziehungen von Arbeitsmotivation mit Profitabilität, Produktivität, Fluktuation sowie Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. Dazu kommen noch schnelleres Unternehmenswachstum und eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Überleben in Wettbewerb (Stairs und Galpin, 2010).

Wer bei Motivation von Mitarbeitern zuerst an Arbeitsleistung und bei der Motivation von Kunden zuerst an Kaufverhalten denkt, liegt nicht ganz falsch. Der Nutzen und das Einsatzspektrum von Ansätzen zur Motivation ist allerdings wesentlich breiter. Darum geht es im nächsten Kapitel.