Motivation: Definition und Eigenschaften

Alle reden von Motivation – aber jeder meint etwas anderes und kaum einer kann den Begriff wirklich definieren. Hier setzt dieser Beitrag an. Er zeigt die Forschung dazu und die Psychologie dahinter. Was ist Motivation? Welche Definition trifft zu? Welche Eigenschaften hat sie? Gibt es ein Synonym? Wie grenzen sich BedürfnisseWerte und Motive ab? Und was bedeutet das alles für die Mitarbeitermotivation? …

Autor: Diplompsychologe Professor Dr. Florian Becker

Definition von Motivation: Psychologie definiert Motivation als Verhaltensbereitschaft hin oder weg von Zielen
Definition von Motivation: Psychologie definiert Motivation als Verhaltensbereitschaft hin oder weg von Zielen

Bedeutung von Motivation: Perspektiven

Motivation ist ein gerne genutztes Schlagwort. Jeder glaubt zu wissen, was Motivation ist, doch lässt sich schnell feststellen, dass Menschen die unterschiedlichsten Dinge mit Motivation verbinden. Besonders verbreitet sind drei alltagspsychologische Perspektiven:

  1. Motivation ist gleich einem Verhaltensergebnis. So wird bei schlechten Arbeitsergebnissen der Mitarbeiter beispielsweise gerne von mangelnder Motivation gesprochen.
  2. Motivation ist gleich der Beeinflussung von Verhalten. Der US-Präsident Eisenhower sagte sinngemäß: „Motivation ist die Fähigkeit, Menschen dazu zu bringen, zu tun, was man will – weil sie es selbst wollen.“ Diese Perspektive betrachtet Motivation als Einflussnahme auf Verhalten. Beispielsweise spricht jemand mit dieser Perspektive von Motivation, wenn mit einem Bonusprogramm die Leistung der Mitarbeiter oder die Loyalität von Kunden gesteigert werden soll.
  3. Motivation ist ein inneres Potenzial, das zielgerichtetes Verhalten antreibt. Unter dieser Perspektive wird Motivation als innere Energiequelle betrachtet, die zu Verhaltensweisen antreibt.

Es ist vor dem Hintergrund der verschiedenen Bedeutungen im Sprachgebrauch also sinnvoll, den Begriff Motivation wissenschaftlich klar zu definieren. Das geschieht im nächsten Abschnitt. Die wissenschaftliche Sicht der Psychologie auf Motivation entspricht am ehesten der dritten oben angeführten populären Sichtweise auf Motivation.

Definition – Was ist Motivation?

Wie kann man Motivation definieren? Ein babylonisches Gewirr an umgangssprachlichen Begriffen und verschiedenste Perspektiven auf Motivation machen eine saubere Messung und die gezielte Beeinflussung unmöglich. Deshalb soll hier folgende Frage beantwortet werden: Was ist MotivationDie wissenschaftliche Definition von Motivation in der Psychologie ist:

Motivation ist die Richtung, Intensität und Ausdauer einer Verhaltensbereitschaft hin zu oder weg von Zielen.

Psychologie definiert Motivation also zentral mit diesen Merkmalen und Eigenschaften:

  1. Richtung. Motivation ist immer gerichtet, möchte konkret etwas erreichen. Das unterscheidet sie auch von den eher abstrakten und noch ungerichteten Bedürfnissen oder Motiven.
  2. Intensität. Motivation unterscheidet sich anhand der Intensität. Beispielsweise kann die Leistungsmotivation bei einem Mitarbeiter viel höher als bei einem anderen sein.
  3. Ausdauer. Starke Motivation geht auch mit hoher Ausdauer einher, bis ein Ziel erreicht ist. Sie überwindet Zeitstrecken, Hindernisse und Misserfolge.
  4. Ziele. Motivation ist auf konkrete Ziele gerichtet. Das können Ziele im positiven Sinne sein, die jemand anstrebt, etwa eine bestimmte Führungsposition. Es können aber auch negative Ziele sein, zukünftige Zustände, die jemand vermeiden möchte. Ein Beispiel dafür ist jemand der viel Aufwand betreibt, um eine bestimmte Rolle, Position oder Situation zu vermeiden. Manchmal möchte der eine genau das vermeiden, was der andere sucht und anstrebt. Etwa ein Mitarbeiter mit großer Angst vor Verantwortung für andere Menschen, der daher Führungspositionen vermeidet.

Auch bei Mitarbeitern sind diese Eigenschaften von Motivation für das Verhalten wichtig: Richtung, Intensität und Ausdauer sind entscheidend für den Erfolg jeder Arbeit (vgl. Kanfer, Chen und Pritchard, 2008).

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Entscheidend ist bei der Definition, dass Motivation nicht das tatsächliche Verhalten ist, sondern nur die Bereitschaft dazu. Auf Verhalten selbst bestehen mehrere Einflüsse – neben der Motivation beispielsweise auch die Fähigkeiten einer Person.

Extrinsische und Intrinsische Motivation

Die Begriffe extrinsische Motivation und intrinsische Motivation grenzen grob zwei Arten von Motivation ab. Sie konzentrieren sich darauf, woher die Motivation kommt: Aus einer Tätigkeit selbst oder aus zusätzlichen externen Anreizen (vgl. Deci und Ryan, 1985).

Hier die Definition für intrinsische Motivation:

Intrinsische Motivation für ein Verhalten stammt aus dem Erleben des Verhaltens selbst oder der Erwartung dieses Erlebens.

Der entscheidende Punkt dafür, damit ein Verhalten bei einer Person intrinsisch motiviert ist, ist also, dass es bei dieser Person aus sich selbst motivierend wirkt. Es braucht keine weiteren Anreize von außen.

Motivation aufgrund von zusätzlichen Anreizen, die ausserhalb einer Tätigkeit liegen bezeichnet man als extrinsische Motivation. Die Definition für extrinsische Motivation lautet:

Extrinsische Motivation für ein Verhalten stammt aus der Wirkung von Ergebnissen außerhalb des Verhaltens selbst oder der Erwartung dieser Wirkung. Diese Ergebnisse wirken dann als positive (Verstärkung) oder negative (Bestrafung) Anreize.

Nach diesem ersten Einblick zur Definition von Motivation geht es um die Frage: Sind Bedürfnisse, Werte, Motive das selbe wie Motivation, nur Synonyme? Oder gibt es bedeutsame Unterschiede?

Synonym für Motivation?

Es gibt umgangssprachliche Synonyme für Motivation. Weitgehend mit Motivation synonym sind die umgangssprachlichen Begriffe Streben, Leidenschaft, Engagement, Hingabe, Enthusiasmus, Anstrengung, Willenskraft und Fleiß. Doch da es unterschiedliche Nuancen im Sprachgebrauch gibt, ist es sinnvoll die wissenschaftliche Bezeichnung Motivation zu verwenden. Auch viele wissenschaftliche Begriffe werden im Umfeld für Motivation verwendet: Motive, Bedürfnisse, Werte. Was ist deren Beziehung zu Motivation?

Eine Basis von Motivation sind Motive. Hier die Definition:

Motive sind einzelne, isolierte Beweggründe menschlicher Verhaltensbereitschaft.

Motivation ist also abhängig von gerade aktiven Motiven bei einem Menschen. So kann etwa die Motivation, eine Arbeitstätigkeit auszuführen, aus den unterschiedlichsten Motiven entspringen – wie etwa Leistung, Macht, sozialer Kontakt, Selbstverwirklichung… und so weiter.

Eng mit dem Begriff Motiv verwandt ist der Begriff Bedürfnis. Teilweise benutzen auch Wissenschaftler ihn mehr oder weniger als synonym für Motive (z.B. Maslow, 1954 oder McClelland, 1961 in ihren Motivationstheorien). Bedürfnisse sind als Mangelempfinden an etwas (beispielsweise Durst als Mangel an Flüssigkeit) definiert und daher weniger breit als Motive. So ist das Vermeiden von Schmerz ein wichtiges Motiv aber kein Bedürfnis. Bedürfnisse sind also eine Art von Motiven – und zwar die mit Mangelempfinden als Basis. Dieser Text fokussiert sich daher wie fast alle aktuellen Veröffentlichungen auf den Begriff Motiv, da er besser definiert und breiter verwendbar ist.

Bedürfnisse sind Motive, die aus einem Mangelempfinden entstehen.

Verwandt mit Motiven sind auch Werte. Werte im psychologischen Sinne sind definiert als erstrebenswerte Zielzustände. Damit sind sie anders als Bedürfnisse nicht an Defizit oder Mangel orientiert, sondern an Entwicklung und Normierung. Werte, die ein Mensch teilt, sind ebenfalls eine Art von gelernten Motiven. Sie können über den einzelnen Mitarbeiter hinaus sozial von mehreren Personen geteilt sein. Werte entfalten einerseits direkt Wirkung, indem sie Menschen motivieren, die diese Werte teilen. Andererseits wirken Werte auch indirekt motivierend, wenn sie als soziale Normen wirken. Teams bestrafen dann, wenn einzelne Personen im Verhalten von diesen Werten abweichen und sie belohnen Konformität. Das stellt ein eigenes Kapitel dar, zu Teams, die Mitarbeiter motivieren.

Werte sind bewusste Motive, die erstrebenswerte Zielzustände beschreiben und einen starken sozialen Kontext haben.

Der nächste Abschnitt extrahiert zum Abschluss die wichtigsten Gedanken und Tipps für die Praxis.

Motivation: Tipps für die Praxis

Die vorangehenden Abschnitte liefern wichtige Erkenntnisse für die Praxis. Der Schaukasten zeigt die wichtigsten Tipps.

Tipps: Motivation für Mitarbeiter
Für die Praxis der Mitarbeitermotivation sollte man folgende Gedanken mitnehmen und festhalten:

  • Motivation ist nicht gleich einem Verhalten oder Ergebnis (Ergebnisse und Verhalten sind multikausal, haben viele Einflüsse), Motivation ist eine Verhaltensbereitschaft.
  • Motivation gibt dem Verhalten Richtung. Das macht sie zu einem wichtigen Instrument in der Mitarbeiterführung, da Führung als zielgerichtete Beeinflussung definiert ist.
    Ohne Motivation ist zielgerichtetes Verhalten am Arbeitsplatz nicht möglich.
  • Neben der Richtung hängt Motivation auch mit der Intensität und Ausdauer bei Verhalten zusammen. Deshalb steht sie in direktem Zusammenhang mit der Leistung und dem Durchhaltevermögen von Mitarbeitern, wenn Ergebnisse nicht von Anfang an gut sind. Beide Punkte sind wichtige und gefragte Zustände bei Mitarbeitern.
  • Es gibt eine Vielzahl von sehr ähnlichen Begriffen rund um das Thema Motivation. Man sollte sich nicht davon verwirren lassen. Als Daumenregel kann man Bedürfnisse und Werte als besondere Art von Motiven sehen.

Der letzte Abschnitt gibt Literaturhinweise zur weiteren Vertiefung.

Motivation: Literatur

Aktuelle Literatur-Tipps zu Motivation.

Tipp
Tipp

Im nächsten Kapitel erfolgt ein vertiefter Blick auf Motive und ihre Eigenschaften.