22. Mitarbeitermotivation messen

Wie lässt sich Mitarbeitermotivation messen und Motive analysieren – und wie kann man die Einflüsse auf Motivation bei den einzelnen Mitarbeitern berücksichtigen? Die Antworten in diesem Kapitel.

In der Praxis ist natürlich interessant, wie motiviert die einzelnen Mitarbeiter sind. Aber dieses Wissen alleine genügt nicht – die entscheidende Frage ist dann natürlich: Was konkret tun, wenn die Motivation der Mitarbeiter niedrig ist? Dafür ist es wichtig, mehr über die Eigenschaften der einzelnen Mitarbeiter und ihr konkretes Umfeld zu erfahren.

Ein Rückblick auf das Kapitel zur Frage „Was motiviert Mitarbeiter?“ ist sinnvoll, um zu verstehen, wie man Motivation messen kann und welche relevanten Eigenschaften Mitarbeiter haben.
Die Einflüsse auf Motivation lassen sich in zwei wichtige Kategorien abgrenzen: äußere Einflüsse und innere Einflüsse. Motivation entsteht dann aus dem Wechselspiel von Einflüssen im Umfeld und Eigenschaften der einzelnen Mitarbeiter.

Umfeld und Person als Einflüsse auf Motivation

Motivierende äußere Einflüsse im Umfeld von Mitarbeitern sind beispielsweise die Gestaltung der Arbeitsaufgabe (z.B. Christian, Garza und Slaughter, 2011; Bakker und Demerouti, 2007). Wichtige innere Einflüsse auf die Arbeitsmotivation von Mitarbeitern sind beispielsweise Emotionen (z.B. Sonnentag et al., 2008; Bledlow et al., 2011).

Es gibt viele weitere äußere und innere Einflüsse auf die Motivation von Mitarbeitern. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Einflüsse auf die Motivation von Mitarbeitern nochmal im Überblick.

äußere Einflüsse auf Motivation (Umfeld)innere Einflüsse auf Motivation (Person)
Die wesentlichsten Einflüsse auf Motivation im Umfeld von Mitarbeitern sind:

  • das Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeiter arbeiten
  • die Führung, die Mitarbeiter erleben
  • Teams, denen ein Mitarbeiter angehört
  • die Gestaltung der Arbeitsaufgaben
  • Ziele, die Mitarbeiter haben (oder nicht haben)
  • Anreize (in Form von Belohnungen und Bestrafungen)
  • das Unternehmen (die Organisation), das mit seiner Kultur die obigen Aspekte prägt
Wesentliche innere Einflüsse auf Motivation beim einzelnen Mitarbeiter sind:

  • Emotionen, die der Mitarbeiter empfindet
  • Selbstwirksamkeit (die Überzeugung, selbst etwas zu können und kompetent zu sein)
  • Gewohnheiten des Mitarbeiter
  • die Persönlichkeit des Mitarbeiters
  • Regenerationsfähigkeit (die Fähigkeit, sich von Arbeit und Belastungen zu erholen)
  • Optimismus (die Überzeugung, positive äußere Rahmenbedingungen zu haben)
  • Selbstregulation (die Fähigkeit, aktuelle Motive zu unterdrücken, um langfristige Ziele zu erreichen)
  • einzelne Motive des Mitarbeiters und deren Stärke

Zunächst ein Abschnitt dazu, wie einzelne Führungskräfte mehr über die Motivation ihrer einzelnen Mitarbeiter erfahren.

Als Führungskraft die Motivation der einzelnen Mitarbeiter verstehen

Schon bei einem Mitarbeiter sind verschiedene Einflüsse an der Motivation zu einem Verhalten beteiligt. Bei verschiedenen Menschen wirken erst recht sehr unterschiedliche Einflüsse auf die Motivation. Unterschiede in den Motiven hängen oft auch mit Eigenschaften von Mitarbeitern zusammen. Typischerweise interessieren sich beispielsweise jüngere Mitarbeiter mehr für Weiterbildungsangebote, Aufgaben, bei denen sie sich entwickeln und Rückmeldung zu ihren Leistungen. Auch mit der Nationalkultur, dem Geschlecht und den Werten von Menschen ändern sich Motive und Motivation.

Kurz gesagt: Mitarbeiter gehen also mit den unterschiedlichsten Eigenschaften zur Arbeit, haben dort unterschiedliche Umfelder und Anreize wirken entsprechend anders.

Was bedeutet das für die Führungspraxis? Nur wenn es gelingt, die Motivation der Mitarbeiter und Einflüsse darauf zu verstehen, kann das Verhalten in die erwünschte Richtung gelenkt werden. Findet diese Analyse der einzelnen Mitarbeiters nicht statt, bleiben Anreize oft wirkungslos oder läuft das Verhalten der Mitarbeiter in die falsche Richtung.

Führungskräfte sollten herausfinden, was ihre Mitarbeiter motiviert und demotiviert

Wie können Führungskräfte mehr über die Motivation einzelner Mitarbeiter und Einflüsse darauf erfahren? Dazu gibt es für Führungskräfte folgende Ansätze:

Befragung

Workshops mit Teams

Beobachtung

Viele der genannten Ansätze können einfach im Arbeitsalltag nebenbei erfolgen oder auch in formelle Instrumente wie einem Mitarbeiter-Jahresgespräch integriert werden. Die folgende Übung greift die Ansätze der Befragung und Beobachtung auf.

Übung

In der Regel reicht das hier beschriebene Vorgehen vollkommen aus: Die Führungskraft kennt die wichtigen Einflüsse auf die Arbeitsmotivation aus der Tabelle oben im Detail und berücksichtigt diese Prinzipien im Führungsverhalten. Sie analysiert zudem wichtige Unterschiede in der Motivation und den Motiven der einzelnen Mitarbeiter über Befragung und Beobachtung. In bestimmten Situationen setzt sie zusätzlich einen Workshop an, bei dem das ganze Team ein wichtiges Thema (etwa Ziele oder das Arbeitsumfeld) diskutiert und Ansätze zur Optimierung entwickelt.

Im nächsten Abschnitt zur Frage, wie man Arbeitsmotivation über viele Mitarbeiter hinweg standardisiert misst.

Arbeitsmotivation bei Mitarbeitern übergreifend messen

Was gemessen wird, bekommt mehr Aufmerksamkeit und lässt sich dann auch systematisch managen. Daher ist es verständlich, dass bei vielen Unternehmen die Mitarbeitermotivation fester Teil in den Informationssystemen ist (z.B. Dashboards, Cockpits oder Scorecrads). Zum Messen der Arbeitsmotivation liegen viele Ansätze vor. Man kann sie in drei übergreifende Gruppen gliedern:

Zugang über innere Einflüsse

Zugang über äußere Einflüsse

direkte Frage

Was ist von diesen Ansätzen zu halten? Dazu die Tipps für die Praxis.

Praxistipps

Mit einer entsprechenden Messung ist also die Motivation der Mitarbeiter bekannt. Was aber tun, um konkrete Ansatzpunkte zu gewinnen, um die Motivation zu steigern? Hier ist es wichtig, die konkreten Einflüsse auf die Motivation der Zielgruppe zu kennen. Dazu die folgenden Praxistipps.

Praxistipps

Die nächsten Kapitel behandeln Motivationstheorien, die besonders einflussreich sind. Los geht es mit einem Kapitel zur Motivationstheorie von McClelland (McClelland, 1961) als Beispiel für eine gut fundierte, empirisch gewonnene Inhaltstheorie der Motivation.