Was motiviert Menschen? Welche systematischen Ansatzpunkte für die Motivation von Menschen geben Erwartungswert-Theorien? Dazu ein Überblick in diesem Kapitel.
Die Erwartungs-Wert-Theorien der Motivation sind eines der mächtigsten Instrumente, um Motivation in der Praxis zu beeinflussen. Für die Motivation eines konkreten Zielverhaltens lassen sich aus diesen Theorien eine Vielzahl an Empfehlungen ableiten. Im Folgenden eine Ideensammlung und Orientierung zum Vorgehen in der Praxis, bei der im Einzelfall natürlich meist einige Schritte ausgelassen werden.
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Die zentralen Schritte und Ansatzpunkte sind:
Hier könnten Dinge wie Akquise von Neukunden und neuen Projekten, Unterstützen von Kollegen, Beteiligung an Innovationsprogrammen, pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz oder Produktivität eine Rolle spielen. Diese Verhaltensweisen gilt es mit nachfolgend angeführten Methoden auf zu werten und zu motivieren.
Ausgangspunkt ist daher die Frage nach konkurrierenden Verhaltensalternativen: Welche Verhaltensweisen sind der Zielgruppe als Alternativen bewusst und stehen den Arbeitszielen entgegen bzw. konkurrieren damit, sind also zu verringern?
Das könnten im Beispiel mit der Unternehmensberatung kontraproduktive Verhaltensweisen am Arbeitsplatz wie etwa Mobbing oder die Beschäftigung mit arbeitsfremden Inhalten sein, wie etwa persönliches Networking oder sexuelle Aktivität. Auch Verhaltensweisen außerhalb des Arbeitsplatzes, die zu viel Aufmerksamkeit binden, wie ein übermäßiges Nachgehen von Hobbys, das Gründen von Unternehmen oder Engagement in Vereinen können dazu zählen.
Auch in ganz anderen Bereichen der Wirtschaft gilt es die erwünschten Ziele im Wettbewerb mit anderen Zielen zu unterstützen. Etwa bei Kunden den Kauf der Produkte bei der eigenen Firma anstatt bei Wettbewerbern, Bezug von Raubkopien oder Plagiaten und so weiter.
Identifiziert man bei den Beratern beispielsweise eine Gruppe mit starkem Motiven nach Prestige, Mitbestimmung und Wissenszuwachs, so stellt sich die Frage wie das am besten mit den erwünschten Verhaltensweisen zu verknüpfen ist. Ggf. sind manche Motive noch unzureichend oder gar nicht mit dem Zielverhalten verknüpft, obwohl das kostengünstig möglich wäre. Nicht selten werden Gruppen identifiziert, deren Motive man schwer mit den gewünschten Verhaltensweisen verknüpfen kann oder das einfach nicht möchte (z.B. aus Kostengründen). So tritt bei den chinesischen High-Potentials beispielsweise ein Motivationstyp auf, der sich vor allem an den extrinsischen Anreizen Gehalt, Sozialleistungen und Aufstiegsmöglichkeiten orientiert (Ma, 2007).
Soziale Anschlussmotive (Organisationsklima), die Tätigkeit selbst und die Beteiligung an Mitbestimmung sind für diesen Motivationstypen belanglos, ebenso für welches Unternehmen er überhaupt tätig ist (Prestige). Möchte man diese Mitarbeiter vermeiden, so sind schon bei der Personalgewinnung entsprechende Maßnahmen zur Identifikation anzuraten.
Welche negativen Verknüpfungen mit Motiven bestehen beim Zielverhalten? Können diese Verknüpfungen abgebaut werden? Häufig liegen negative Verknüpfungen nicht im Ergebnis eines Verhaltens selbst, sondern im Weg dorthin. Viele Menschen hätten gerne eine leitende Position im Management eines Konzerns. Allerdings ist der Weg dorthin für die meisten Personen zu sehr negativ mit Motiven wie Entspannung oder sozialem Anschluss verbunden.
So könnte bei den Beratern eine negative Verknüpfung von Leistungsverhalten mit den Motiven Nachwuchs und Familie sowie sozialer Anschluss wahrgenommen werden. Entsprechend stellt sich die Herausforderungen mit Lösungen im Bereich Work-Life-Balance und sozialem Klima diese Ablehnungsmotive zu senken oder gar positiv mit den Zielverhaltensweisen zu verbinden.
Zumindest gilt es, keine falschen Motive zu aktivieren, die zu unerwünschtem Verhalten führen können – etwa Sexualität am Arbeitsplatz, Entspannung und vieles mehr. Das berührt aber noch nicht die Frage, ob wirklich zu Grunde liegende Motive beeinflusst werden können. Viele Motive haben einen angeborenen Kern, können aber durch Lernen weiterentwickelt und in den konkreten Ausprägungen verändert werden. Über eine Unternehmenskultur, die bestimmte Werte betont und andere Werte ablehnt, können beispielsweise in gewissem Umfang auch Motive sozialisiert werden.
Es stellt sich folgende Frage: Wie kann ich konkurrierende Verhaltensweisen abwerten? Das kann z.B. durch das Abbauen von Verknüpfungen mit positiven Motiven bzw. durch das Aufbauen von negativen Verbindungen zu Motiven geschehen. Besonders eindrucksvoll sieht man die Macht von neuen Verknüpfungen mit Motiven bei Konsumverhaltensweisen. Wird beispielsweise auf einmal eine neue negative Verknüpfung zum Motiv “Gesundheit” geschaffen, können sich Verhaltensweisen dramatisch ändern – etwa der Verzehr von Rindfleisch in der BSE-Krise.
Es folgt eine Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse der Wirtschaftspsychologie zu Motivation in der Praxis.