29. Teamarbeit: Tipps, Erkenntnisse, Stand der Forschung

Die wichtigsten Tipps zur Teamarbeit und zentralen Erkenntnisse zeigt dieses Kapitel. Es verdichtet die wichtigsten Einblicke und Praxistipps aus dem gesamten Fachtext zu Teams und zieht Bilanz zum Stand der Forschung. Teams werden immer häufiger eingesetzt und sind daher ein Thema mit zunehmender Bedeutung. Daher haben Teams und Teamarbeit viel Aufmerksamkeit in der wirtschaftspsychologischen Forschung bekommen. Entsprechend umfangreich sind die Tipps und Erkenntnisse, die dieses Kapitel zusammenfasst.

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Zentrale Erkenntnisse und Tipps für Teamarbeit sind:

Teams werden immer wichtiger.
Der Text stellt dar, dass Gruppen und Teams in der Praxis aus zahlreichen Gründen immer breiter eingesetzt werden.

Teams sind nicht immer die Lösung.
Oftmals wird dabei etwas vorschnell im Trend des Zeitgeistes an eine generelle Überlegenheit von Teams gegenüber einzelnen Personen geglaubt. Der wissenschaftliche Forschungsstand sieht differenzierter aus. Es gibt Aufgaben und Entscheidungen, bei denen Teams gut geeignet sind und andere bei denen Teams eine schlechte Alternative sind. Generell ist die Qualität der Lösung von Teams besser bei additiven Aufgaben. Sobald viel Koordination und Abstimmung erforderlich wird, ist die einzelne Person auch in der Qualität der Lösung überlegen. Muss eine Aufgabe schnell erledigt werden und stehen keine hohen Budgets zur Verfügung, ist die Einzelperson vorzuziehen.

Die Realität zählt.
Was formell in irgendwelchen Organigrammen vorgesehen ist, ist nicht entscheidend – entscheidend ist, was informell gelebt wird. Daher ist meist der Unterschied der informell gelebten Struktur einer Organisation zur eigentlich formell vorgesehenen Organisation von Interesse.

Teamleistung ist nicht selbstverständlich.
Teams sind nicht von Haus aus leistungsfähig, sondern zeigen meist eine negative Synergie. Gute Führung von Teams zeichnet sich im Kern aus durch: Erhöhung von Aspekten, die positive Synergie bewirken und Verringerung von Aspekten, die negative Synergie erzeugen. Teams können aber durch verschiedenste Maßnahmen leistungsstark gemacht werden. Hierzu zählen Maßnahmen im Bereich der Umwelt des Teams, im Bereich der Arbeitsaufgabe, auf die das Team angesetzt wird, und vor allem Maßnahmen die das Team selbst betreffen.

Teams können theoretisch gut entscheiden – sie tun es aber in der Praxis nicht.
Teams leiden bei Entscheidungen unter Konformitätsdruck, Verantwortungsdruck und der Neigung extreme Lösungen zu entwickeln. Mit geeigneten Maßnahmen kann hier entgegengewirkt werden. Der größte Irrsinn und die irrationalsten Entscheidungen und Verhaltensweisen entspringen in der Praxis fast immer Gruppen, nicht einzelnen Individuen. Verhalten, das man als Individuum nie gezeigt hätte, wird in Gruppe durchaus ermöglicht, ja häufig stimuliert und freigesetzt. Man braucht nicht bis in das dritte Reich zurückgehen, um eindringliche Beispiele dafür zu finden. Sekten, deren Anhänger massenhaft Selbstmord begehen, Massenpaniken, Gewaltausbrüche von Hooligans und anderen Gruppen sowie auch regelmäßig politische Fehlentscheidungen, die man als Außenstehender kaum fassen kann, verdeutlichen sehr anschaulich das hier im Text mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen dargestellte Aussetzen des rationalen Entscheidens in Gruppen.

Weniger ist mehr.
Generell gilt bei der Größe von Teams: Je größer, desto weniger leistet der einzelne. Teams sollten also nicht nur aus Kostengründen so klein wie möglich gehalten werden.

Vielfalt ist bei Teams zweischneidig.
Homogene und heterogene Teams haben unterschiedliche Stärken. Je ähnlicher Teams in Bezug auf Alter, Geschlecht und kulturelle Herkunft sind, desto effektiver und effizienter können sie implementieren und Aufgaben umsetzen. Konfliktniveau, Krankenstände und Fluktuation sind dann geringer, Zufriedenheit ist dann höher. Je diverser Teams in Bezug auf die genannten Merkmale sind, desto intensiver diskutieren sie bei Entscheidungen und desto mehr verschiedene Perspektive bringen sie ein.

Es gibt Teamkompetenzen.
Neben den fachlichen Fähigkeiten sind in Teams bei den Mitgliedern besonders die Intelligenz sowie soziale und crossfunktionale Fähigkeiten wichtig.

Teammitglieder sollten auch nach Persönlichkeit ausgewählt werden.
Persönlichkeitseigenschaften wie Offenheit für Neues, soziale Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit sind bei Teammitgliedern besonders vorteilhaft. Schlecht sind Dominanzstreben und emotionale Instabilität. All diese Persönlichkeitsmerkmale kann man gut messen – das sollte auch gemacht werden, im Interesse der anderen Mitarbeiter im Team. Ebenso sind negative Emotionen schädigend, denn Emotionen strahlen auf die anderen im Team aus. Wer Depression, Aggression oder Müdigkeit ausstrahlt, schadet dem ganzen Team.

Normen regulieren das Verhalten im Team – sie sollten nicht sich selbst überlassen werden.
Die Normen in Teams können sehr viele Bereiche betreffen. Einige der Bereiche (insbesondere die Leistung) sollten aktiv gesteuert werden. Eine hohe Leistungsnorm gepaart mit einer hohen Gruppenkohäsion ist wichtig für die Arbeitsleistung des Team.

Teams gehören in die Leistungsphase.
Teams durchlaufen mehrere Phasen. Ziel in der Praxis wird meist sein, das Team möglichst schnell in die Leistungsphase zu bringen und möglichst lange dort zu halten. Um ein Abdriften von Teams aus der Leistungsphase in die Alterungsphase zu vermeiden, haben sich Maßnahmen zur Auffrischung gealterter Teams bewährt.

Konflikt ist nicht immer schädlich.
In Teams kommt es früher oder später zum Konflikt. Dieser kann in seiner funktionalen Form wichtig und wertvoll für Veränderungen sein. Dysfunktionale Konflikte, die häufig auf der Beziehungsebene verwurzelt sind, haben dagegen meist sehr negative Auswirkungen auf das Wohlergehen der beteiligten Personen, Teams und Organisationen.

Mit unerwünschtem Konflikt kann man erfolgreich umgehen.
Schädlicher Konflikt kann erfolgreich angegangen werden. Erstens kann man durch geeignete Maßnahmen im strukturellen Bereich Konflikte vermeiden und abschwächen. Zweitens kann man Abwehrkräfte der beteiligten gegen Konflikte stärken. Drittens hat die Wirtschaftspsychologie entsprechende Ansätze entwickelt, um Konflikte erfolgreich und nachhaltig zu lösen.

Als Abschluss lässt sich festhalten, dass Teamarbeit weiter zunehmen wird. Die einzelne Arbeit meist gering-qualifizierter Mitarbeiter ist zunehmend durch Automatisierung und Globalisierung aus den westlichen Industrienationen verschwunden. Wer hier noch Arbeit hat, wird meist im Team arbeiten. In Teams ist positive Synergie möglich, so dass eins und eins wirklich drei ergibt – meist gibt es aber sogar negative Synergie und eins plus eins ist dann leider oft nur anderthalb in Teams. Unternehmen sollten sich daher genau überlegen, wie sie ihre Teams wirklich leistungsfähig bekommen, damit der einzelne entfesselt wird. Auf diesem Weg ist die wissenschaftliche Basis entscheidend, damit Ideologie durch Fakten ersetzt wird und Maßnahmen wirklich wie gewünscht wirken.