19. Teamgeist: Kohäsion und Zusammenhalt in Teams fördern

Fehlt der Zusammenhalt, dann ist das schlecht – sowohl in der Familie als auch am Arbeitsplatz. Das glauben die allermeisten. Nur: Was genau ist eigentlich Teamgeist und welche Auswirkungen hat dieser? Mit welchen Maßnahmen kann ich den Zusammenhalt in Teams fördern? Kann Teamzusammenhalt auch zum Fluch werden?
Das ist Thema in diesem Kapitel. Es liefert eine wissenschaftliche Definition, stellt den Begriff Kohäsion vor, grenzt den Begriff von der Dependenz ab, zeigt Vorteile aber auch Nachteile (ja, es gibt auch Nachteile, an die vor lauter Hurra oft kaum einer denkt) von Gruppenkohäsion und gibt Tipps, die wirksam den Teamgeist fördern. …

Teamgeist hält die einzelnen Mitglieder im Team – er führt zu Kohäsion, wie ein unsichtbares Netz
Teamgeist hält die einzelnen Mitglieder im Team – er führt zu Kohäsion, wie ein unsichtbares Netz

Teamgeist, Kohäsion und Dependenz: Definition

Die wissenschaftliche Bezeichnung für Teamgeist ist Gruppenkohäsion. Was genau ist Gruppenkohäsion? Hier die Definition (vgl. Festinger, 1950; Festinger, Schachter und Back, 1950):

Gruppenkohäsion ist durchschnittliche Attraktivität der Gruppe für die Mitglieder

Das gilt auch für Teams als Sonderfall von sozialen Gruppen und entsprechend kann die Kohäsion in Teams hoch oder gering ausgeprägt sein.

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Die Attraktivität der Mitgliedschaft kann von unterschiedlichsten Faktoren positiv (z.B. gegenseitige Sympathie der Mitglieder) oder negativ (z.B. geringer Status der Gruppe) beeinflusst werden. Kohäsion kann also als die Summe der Anreize verstanden werden, die Mitglieder zu einem Team hinziehen.

Teamgeist: Hohe und geringe Kohäsion einer Gruppe
Teamgeist: Hohe und geringe Kohäsion einer Gruppe

Diese Anreize, die zu einem Team hinziehen, können sehr unterschiedlich sein. Es kann von der sozialen Identität und Zugehörigkeitsgefühl über die Leidenschaft bei der Arbeitsaufgabe, reiner Gewohnheit bis hin zur finanziellen Berechnung (hohes Gehalt) gehen.

Von der Kohäsion, der Attraktivität der Mitgliedschaft in einem Team, zu unterscheiden ist die Dependenz.

Dependenz bezeichnet die Abhängigkeit eines Einzelnen vom Verbleib in einer Arbeitsgruppe.

Etwa weil er vertraglich gebunden ist oder es an alternativen Tätigkeitsangeboten mangelt. So kann Dependenz auch bei niedriger Kohäsion einen Anstieg der Fluktuation ausbremsen. Es sind aber meist höhere Fehlzeiten und geringe Produktivität zu beobachten, weil die Mitglieder das Team nicht verlassen können aber auch nicht mitarbeiten wollen. Dependenz sollte daher von Führungskräften nicht als Ersatz für Kohäsion gesehen werden, eher als Problem, weil sie unmotivierte, innerlich gekündigte Personen im Team hält.

Teamgeist und Zusammenhalt: Vorteile und Nachteile

Welche Effekte hat der Zusammenhalt in einem Team? Hohe Kohäsion hat eine Reihe positiver Wirkungen: Sie steigert die Zufriedenheit, führt zu mehr Partizipation im Team, fördert die Akzeptanz von Zielen der Gruppe und verringert Absentismus und Fluktuation in Teams (vgl. Cartwright, 1968). Darüber hinaus führt Kohäsion zu höherer Produktivität und Arbeitsleistung (Mullen und Copper, 1994), wenn die Normen im Team leistungsfreundlich sind. Bei Management-Teams zeigte sich sogar ein positiver Zusammenhang von Kohäsion mit finanzieller Performance (Michalisin, Karau und Tangpong, 2004). Zudem führt Kohäsion zu einer hohen Konformität und Standardisierung des Verhaltens der Teammitglieder.

Letztendlich läuft Führung von Teams sogar ins Leere, wenn die Kohäsion gering ist, da die Teams dann nicht auf die Führungsimpulse reagieren (Bass et al., 2003). Das gleiche gilt für Wettbewerb zwischen Teams, der nur dann besonders leistungsfördernd wirken kann, wenn eine starke Identifikation mit den Teams gegeben ist.

Daher ist es in der Regel sinnvoll, den Zusammenhalt von Teams zu erhöhen. Wie das geht, zeigt der nächste Abschnitt.

Kohäsion und Zusammenhalt von Teams fördern: Tipps

Wie kann man Zusammenhalt und Gruppenkohäsion fördern und den Teamgeist stärken? Hier die entscheidenden Tipps.

Praxistipps

Allerdings können Teams mit sehr hoher Kohäsion auch zum Problem werden, wenn sie die Ziele einer Organisation nicht teilen. Im Extremfall kann das bis zur Meuterei führen. Die Auswüchse in Form von Beleidigungen und Ungehorsam der französischen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 gegen den Trainer Raymond Domenech sind ein Beispiel dafür. Auch Bilder von Managern in Frankreich, die von ihrer Belegschaft gefangen genommen, geschlagen, entkleidet und gehetzt werden, zeigen das Risiko im Extremfall.

Neben der Kohäsion sind besonders die Normen in Teams relevant, allen voran die Leistungsnormen. Davon handelt das nächste Kapitel.