16. Persönlichkeit von Teamplayern: Geeignet für Teamarbeit?

Wer ist charakterlich geeignet für Teamarbeit? Welche Personen sind gute Teamplayer, welche möglichen Mitglieder gefährden das Team? Demografische Merkmale und Kompetenzen beschreiben nur einen Teil der relevanten Merkmale von Menschen in Teams. Was nutzen die fähigsten Mitarbeiter, wenn die Gruppe in Konflikt und Chaos versinkt, man gegeneinander statt miteinander arbeitet? Die Persönlichkeit, Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale entscheiden. Dazu das Wesentlichste in diesem Kapitel. Es stellt die Forschungsergebnisse vor und zeigt, worauf bei der Auswahl von Teammitgliedern zu achten ist, damit es rund läuft.  …

Persönlichkeit für Teamarbeit: Teamplayer haben bestimmte Persönlichkeitsmerkmale
Persönlichkeit für Teamarbeit: Teamplayer haben bestimmte Persönlichkeitsmerkmale

Persönlichkeitsmerkmalen in Teams: Einfluss

Auch die Persönlichkeit der Mitglieder hat eine erhebliche Bedeutung für die Teamleistung (Barrick et al., 1998; Kinlaw, 1991). Auf welche Persönlichkeitsmerkmale sollten Führungskräfte bei der Zusammenstellung von Teams achten?

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Folgende Abbildung fasst dazu die zentralen Erkenntnisse zusammen.

Persönlichkeit und Teamarbeit: Persönlichkeitsmerkmale bestimmen die Eignung als Teammitglied
Persönlichkeit und Teamarbeit: Persönlichkeitsmerkmale bestimmen die Eignung als Teammitglied

Bei der Teamarbeit haben alle der großen fünf Persönlichkeitsmerkmale (McCrae und Costa, 1989), den sogenannten Big-Five, einen positiven Einfluss.

Offenheit
Offenheit beschreibt die Neigung Veränderungen, Neues und Unbekanntes zu akzeptieren und auszuprobieren.

Entsprechende Eigenschaften wie Selbständigkeit, Offenheit und Flexibilität kommen den dynamischen Ansprüchen an moderne Teams entgegen (LePine, 2003) und hängen mit der Teamleistung positiv zusammen.

Gewissenhaftigkeit
Gewissenhaftigkeit beschreibt die Gründlichkeit, mit der Personen ihre Aufgaben erledigen.

Gewissenhaftigkeit hat schon bei einzelnen Mitarbeitern positiven Einfluss auf deren Arbeitsleistung (Hurtz und Donovan, 2000) und ist ebenso positiv mit der Leistung von Personen in Teams verknüpft. Teams sind um Aufgaben gebaut und das Persönlichkeitsmerkmal Gewissenhaftigkeit führt zu mehr Fokus auf die Arbeitsaufgabe (z.B. Ziele, Organisation, Disziplin, Selbstbeauftragung, Rollenverteilung und Planung).

Insbesondere große Unterschiede in diesem Merkmal führen zu Spannungen in Teams und zerstören die Leistungsfähigkeit (Barrick et al., 1998).

Extraversion
Extraversion beschreibt, wie sehr jemand den Kontakt mit anderen Menschen sucht und es genießt im Mittelpunkt zu stehen (der Gegenpol auf dieser Persönlichkeitsdimension ist Introversion).

Extraversion hilft Teammitgliedern mit anderen Personen in Kontakt zu treten, Diskussionen im Team anzustoßen, und beeinflusst wie attraktiv Teamarbeit für Menschen per se ist (Kristof-Brown, Barrick und Stevens, 2005). Allerdings hängt Extraversion häufig auch mit Dominanz zusammen, was dann zu Konflikten führt, sobald mehrere sehr dominante Personen im Team sind.

Forschungsergebnisse sprechen hier dafür, eher mittlere Ausprägungen bei den Mitgliedern als Ideal anzustreben (Barry und Stewart, 1997).

Verträglichkeit
Verträglichkeit und Geselligkeit beschreiben die Tendenz positive Beziehungen mit anderen Menschen zu schätzen, aufzubauen und zu pflegen.

Diese Merkmale kommen dem sozialen Klima und damit auch der Leistung in Teams entgegen (Graziano, Hair und Finch, 1997). Wissenschaftler erwarten, dass durch dieses Persönlichkeitsmerkmal die Kommunikation verbessert wird und die Risiken für dysfunktionale Konflikte sinken. Schon einzelne Mitglieder mit geringen Werten können hier das Team „verderben“ und die Leistungsbasis schädigen (Mohammed und Angell, 2003).

Emotionale Stabilität
Emotionale Stabilität bezeichnet die Tendenz, auch in schwierigen Situationen ruhig und gelassen zu bleiben.

Das Merkmal hilft ein harmonisches Klima im Team aufrecht zu erhalten, auch wenn kritische Ereignisse eintreten (Reilly, Lynn und Aronson, 2002).

Im nächsten Abschnitt geht es um die Stabilität von Persönlichkeitsmerkmalen und darum, ob es gut ist, wenn die Persönlichkeiten in Teams sich stark unterscheiden.

Stabilität und Verteilung von Persönlichkeitsmerkmalen in Teams

Wegen der Stabilität von Persönlichkeitsmerkmalen und des sehr hohen Anteils an angeborenen Eigenschaften kann man mit einigem Recht von einer geborenen Teampersönlichkeit sprechen (vgl. z.B. die Übersichten von Asendorpf, 2007, S. 343). Die folgende Tabelle zeigt, wie stark das jeweilige Persönlichkeitsmerkmal angeboren ist.

PersönlichkeitsmerkmalAngeboren in %
Offenheit45 %
Gewissenhaftigkeit40 %
Extraversion45 %
Verträglichkeit35 %
Emotionale Stabilität35 %

Neben den Durchschnittlichen Werten spielt insbesondere die Verteilung der Persönlichkeitsmerkmale in Teams eine wichtige Rolle. Große Unterschiede innerhalb der Persönlichkeitseigenschaften fördern Konflikt und sind ungünstig für die Zusammenarbeit und Leistung. So können etwa starke Unterschiede zwischen Teammitgliedern auf den Persönlichkeitsdimensionen Offenheit (diese hängt zusammen mit der Flexibilität von Personen) oder Perfektionismus die Teamleistung mindern.

Tipps zur Auswahl von Mitarbeitern für Teams

Was bedeuten diese Forschungsergebnisse für die Praxis? Wie kann man sicherstellen, dass neue Mitglieder wirklich geeignet sind für Teamarbeit.

Praxistipps

Der folgende Beitrag fasst die Erkenntnisse der vorangehenden Kapitel zu Eigenschaften von Teammitgliedern zusammen in eine Übersicht zum Thema Teamfähigkeit.