21. Teamentwicklung: Phasen nach Tuckman

Teams belieben nicht einfach wie sie sind, sie entwickeln sich – nicht immer zum Guten. Dafür zu sorgen, dass Teams sich in die richtige Richtung entwickeln, ist Kernaufgabe für jede Führungskraft und jedes Teammitglied. Genau darum geht es bei der Teamentwicklung.
Wie diese gelingt, das zeigt dieses Kapitel. Es beginnt mit Phasen der Teamentwicklung nach Tuckman und bringt das Modell auf den neuesten Stand der Forschung. Der nächste Abschnitt zeigt wie Führungskräfte erfolgreich mit diesen Teamentwicklungsphasen umgehen. Leser erfahren wie man ein Team in die gewünschte Phase bekommt und worauf in den einzelnen Phasen zu achten ist, damit Teamarbeit erfolgreich ist. …

Teamentwicklung: Eine notwendige Phase in der Entwicklung von Teams ist die Konfrontationsphase – sie klärt die Rangordnung (auch bei Tieren)
Teamentwicklung: Eine notwendige Phase in der Entwicklung von Teams ist die Konfrontationsphase – sie klärt die Rangordnung (auch bei Tieren)

Phasen der Teamentwicklung: Tuckman 2.0

Teams bleiben nicht von alleine so leistungsfähig wie sie sind, das zeigt eindrucksvoll der Blick auf Sportmannschaften und ihre Leistungen, etwa bei Fußballturnieren. Bei der Entwicklung von Teams lassen sich verschiedene Phasen unterscheiden (erweitert nach Tuckman, 1965), deren Verlauf folgende Abbildung darstellt.

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Teamentwicklung: Phasen der Teamentwicklung (erweitert nach Tuckman, 1965)

Wodurch sind die einzelnen Phasen der Teamentwicklung gekennzeichnet?

Vorphase
Als erste Phase kann dabei die Vorphase unterschieden werden. Hier ist das Team noch gar nicht geformt, es geht um die Organisation der Zusammenstellung und die Zuteilung und Gestaltung der Aufgabe(n) für das Team.

Formung
Sobald das Team zusammengestellt ist, beginnt die Phase der Formung. In diesem Stadium sind die Führungsstrukturen, Rangordnung, Normen und Rollen noch unklar. Teammitglieder begegnen sich vorsichtig und höflich und loten sich gegenseitig aus. Erwartungen und Motivation sind typischerweise hoch. Das Ausbilden von Erwartungen, Unsicherheit, die Suche nach Rollen und Ängste sind hier typische Merkmale. Die Phase endet damit, dass langsam ein Teamgefühl entsteht.

Konfrontationsphase
Die Konfrontationsphase beendet das vorsichtige Abtasten, die “Flitterwochen” sind vorbei. Persönliche Konflikte und Konfrontationen treten langsam auf, Führungspositionen und Normen sind noch nicht klar und es gibt Widerstand bei ihrer Herausbildung. Dabei formen sich Koalitionen, die Führungspositionen und Ziele beeinflussen wollen und der Eindruck von Stillstand herrscht vor. Oftmals tritt hier auch Frustration bei den Beteiligten auf, die sich auch in offenen Konflikten austragen kann. Die Motivation der Gruppenmitglieder fällt auf einen Tiefpunkt und steigt erst in den späteren Phasen wieder an. Diese Phase kann auch gleich die erste Phase sein, wenn Personen nicht freiwillig im Team sind oder bereits starke Konflikte wegen gemeinsamer Vergangenheit bestehen. Obwohl diese Phase selbst erst einmal negativ erscheint, ist sie ein notwendiger Schritt, um zu einem funktionierenden Team zu gelangen. Das Bild eines pubertierenden Jugendlichen, der diese Phase für sein Erwachsenwerden braucht, ist hier recht anschaulich. Die auftretenden Konflikte und Probleme sollten nicht unterdrückt werden, sondern als wertvoller Beitrag für die Entwicklung des Teams aufgegriffen werden, damit sie überwunden werden können. Ansonsten können Teams in dieser Phase verbleiben, was ähnlich katastrophale Auswirkungen hat, wie bei Erwachsenen, die in der Pubertät hängen geblieben sind. Auch später noch können Teams in diese Phase zurückfallen, wenn neue Mitglieder dazu kommen, Mitglieder das Team verlassen oder sich das Tätigkeitsfeld ändert.

Normierungsphase
Mit dem herauskristallisieren der Strukturen im Team beginnt die Normierungsphase. Die Standpunkte werden geklärt, Rangordnungen und Rollen bilden sich heraus und das Team bekommt seine spätere Form. Hier werden die sozialen Normen herausgebildet, die im Team gelten. Insgesamt nimmt die Zufriedenheit zu, die Auseinandersetzung mit Kritik wird offener, einseitige Schuldzuweisungen verschwinden und eine gemeinsame Identität als Team festigt sich als erster Schritt für eine höhere Kohäsion. Die Struktur bildet sich also bereits, die Motivation ist aber noch nicht voll da.

Leistungsphase
Die Normierung ist die Voraussetzung für die Leistungsphase. Das Team wendet sich jetzt zunehmend von internen Reibereien ab und kann sich (endlich) seiner eigentlichen Aufgabe widmen. Jetzt sind Rollen und Zuständigkeiten klar, die Kommunikation läuft flüssig, die Mitglieder sind engagiert und Konflikte werden funktional gelöst. Die Atmosphäre (Teamklima) ist emotional positiv und es besteht eine wachsende Kohäsion zwischen den Mitgliedern. Nicht selten wechseln sich Mitglieder in dieser Phase mit der Führungsrolle ab, je nachdem wessen Expertise gefragt ist.

Alterungsphase
Bisher ist die Produktivität des Teams über alle Phasen bis zur Leistungsphase kontinuierlich gestiegen. Allerdings bleibt die Leistung nicht automatisch auf demselben hohen Niveau. Nach anfänglichem Leistungszuwachs kommt es irgendwann zu einer Alterungsphase, in der die Teamleistung wieder abnimmt. Bei Projektgruppen im Bereich Forschung und Entwicklung hat sich beispielsweise ein Leistungsmaximum zwischen 1,5 und 5 Jahren Zusammenarbeit gezeigt (vgl. Katz & Allen, 1982; v. Rosenstiel, 2007). Gealterte Teams leiden zunehmend an einem Mangel an Innovation und Flexibilität. Eingeschliffene Einstellungen und Prozesse werden nicht mehr hinterfragt. Die Leistung nimmt offenbar auch durch eine wachsende Beschäftigung der Teams mit anderen Dingen als der Aufgabe ab. Die Mitglieder beginnen sich mit dem Team selbst und anderen Aktivitäten zu beschäftigen.

Auflösungsphase
Zumindest bei zeitlich begrenzten Projektteams steht am Ende eine Auflösungsphase. Hier ist die Aufgabe auch nicht mehr der zentrale Fokus des Teams. Der Arbeitsprozess wird abgewickelt und zwischenmenschliche Beziehungen werden für die Zeit nach dem Team definiert.

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Es versteht sich von selbst, dass Teams in den verschiedenen Phasen ganz unterschiedlich geführt werden sollten. Das beschreibt der nächste Abschnitt.

Teamentwicklung gestalten: Maßnahmen, Methoden, Führung

Führungskräfte können Teams in diesen Phasen begleiten und dabei unterstützen, dass sie diese erfolgreich durchlaufen sowie in den gewünschten Phasen bleiben (Wageman, 2001). Der Schaukasten zeigt hier die entscheidenden Methoden und Maßnahmen für die Teamentwicklung in den einzelnen Phasen.

Praxistipps

Das nächste Kapitel befasst sich mit dem Auffrischen gealterter Teams, um sie wieder zurück in die Leistungsphase zu bringen.