6. Synergie nutzen mit Teams

Holt ein Team wirklich das Beste aus einem Mitarbeiter heraus oder bremst es ihn eher? Wie kann man positive Synergie in Teams nutzen? Was können Führungskräfte unternehmen, um positive Synergieeffekte von Teamarbeit zu schaffen und negative Effekte zu verringern? Dazu dieses Kapitel. Es gibt eine Definition und zeigt Arten von Synergie. Danach zeigt es, wie man sie in der Teamarbeit schaffen und nutzen kann. …

Synergie kann auch negativ sein: Bei der Teamarbeit gilt es positive Synergie zu schaffen und zu nutzen
Synergie kann auch negativ sein: Bei der Teamarbeit gilt es positive Synergie zu schaffen und zu nutzen

Synergie: Definition

Was ist Synergie? Viele verbinden Synergie mit der Aussage „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile!“. Das ist so nicht richtig, da es nur eine Art von Synergie beschreibt – die positive Synergie. Es gibt aber auch negative Synergie, wie das Titelbild zeigt. Dann heben sich Wirkungen gegenseitig auf.

Folgende Definition für Synergie ist sinnvoll:

Synergie in einem System tritt ein, wenn die Wirkungen einzelner Elemente sich verändern durch die Anwesenheit anderer Elemente.

In einem Team sind die Elemente die Teammitglieder; die Wirkungen sind Qualität und Quantität der Leistung der einzelnen Personen in verschiedenen Bereichen.

Ein Beispiel: Fünf Mitarbeiter, die jeder für sich alleine eine bestimmte Arbeit verrichten, sollen diese Arbeit jetzt gemeinsam in einem Raum verrichten. Dabei tauschen sie sich über ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus. Jeder einzelnen lernt ein paar gute Dinge von den anderen und leistet in der Folge mehr, als vorher für sich alleine. Es tritt ein positiver Synergieeffekt ein.

Ein Synergieeffekt ist das Ausmaß der Veränderung der Wirkungen einzelner Elemente in einem System durch die Anwesenheit anderer Elemente.

Dann gibt es noch den Begriff Synergiepotenzial. Hier die Definition:

Synergiepotenzial in einem System ist die theoretisch als Maximalzustand erreichbare positive Veränderung der Wirkungen einzelner Elemente durch die Anwesenheit anderer Elemente.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen hat 50 Vertriebsmitarbeiter, die jeder für sich viel über Kunden und ihre Entscheidungen und Wünsche, die Wettbewerber und den Markt insgesamt wissen. Theoretisch könnten diese Mitarbeiter alle viel erfolgreicher verkaufen, wenn sie alle auf das gesamte über die verschiedenen Mitarbeiter verteilte Wissen zugreifen könnten. Praktisch wird es aber nie gelingen wichtige Informationen in einem Unternehmen vollständig verfügbar zu machen und zu teilen.

Synergieeffekte: Arten

Theoretisch können durch Teamarbeit unterschiedliche Synergieeffekte auf die Leistung des einzelnen Mitarbeiters eintreten, wie folgende Abbildung vereinfacht zeigt:

  • Positive Synergie – der Mitarbeiter ist im Team durchschnittlich produktiver als alleine.
  • Keine Synergie – der Mitarbeiter ist im Team durchschnittlich genauso produktiv wie einzeln.
  • Negative Synergie – der Mitarbeiter leistet im Team durchschnittlich weniger als für sich isoliert arbeitend.
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Unternehmen erhoffen sich durch den Einsatz von Teams oft ohne näheres Betrachten automatisch positive Synergie. Entsprechend werden aus Gewohnheit häufig Teams eingesetzt und je größer eine Herausforderung ist, desto mehr Personen werden „auf diese geworfen“.

Synergie in Teams: Arten
Synergie in Teams: Arten

Was ist davon aus wissenschaftlicher Sicht zu halten? In Teams gibt es sowohl Aspekte, die eine positive Synergie bewirken als auch Aspekte, die eine negative Synergie verursachen.

Synergie nutzen bei der Teamarbeit

Wie kann man Synergie bei der Teamarbeit nutzen? Zu positiver Synergie führen beispielsweise:

  • Aufteilung von Aufgaben in Teile, die den Kompetenzen einzelner Teammitglieder am besten entsprechen.
  • Lernprozesse durch Beobachten und Nachahmen von anderen im Team (Lernen am Modell).
  • Sozialisierung von einzelnen “Problemmitarbeitern” durch den Gruppendruck, sofern die Normen in der Gruppe sinnvoll sind.
    So kann die bloße Anwesenheit von anderen Menschen als Beobachter dazu führen, dass die Leistung steigt (Bond und Titus, 1983) – vorausgesetzt diese Beobachter reagieren positiv auf Leistung und die ausführende Person fühlt sich nicht gehemmt.
  • Eine zumindest theoretisch größere Informationsbasis – die aber praktisch meist nicht genutzt wird. So neigen Teams dazu sich über Informationen auszutauschen, die ohnehin jeder kennt, nicht aber über wenig geteiltes Wissen (Winquist und Larson, 1998).

Auf der anderen Seite gilt es Effekte zu reduzieren oder zu vermeiden, die zu negativer Synergie führen. Das sind unter anderem:

  • Koordinationsverluste, die schon bei einfachen motorischen Tätigkeiten entstehen (etwa dem Ziehen an einem Tau) und bei anspruchsvolleren Aufgaben (etwa dem Lösen von Problemen) noch weiter zunehmen (vgl. Zysno, 1998). Mit jedem weiteren Gruppenmitglied steigt die Komplexität des sozialen Systems und der Koordinierungsaufwand (Tschan, 2000).
  • Trittbrettfahrer, die sich hinter dem Team verstecken und auch die Motivation anderer Mitglieder untergraben.
  • Aktivierung von ungeeigneten Zielen und Motiven durch die Anwesenheit der anderen Teammitglieder. Etwa Motive im Bereich von Macht, Prestige oder sozialem Anschluss bis hin zu Sexualität auf Kosten der Leistungsmotivation.
  • Verzerrungen der Informationsverarbeitung durch die Anwesenheit anderer (unzureichende eigene Informationssuche und Verarbeitung, Anpassung der Botschaften an die Erwartungen der anderen Teammitglieder, Verschweigen von unerwünschten Informationen etc.).
  • Zunahme von Konflikten (Adolph, 2000). Zusätzlich zu den Konflikten zwischen einzelnen Personen kommen bei Teamarbeit Konflikte zwischen verschiedenen Teams, zwischen Team und einzelnen Personen und zwischen Teams und der Gesamtorganisation.

Von einer echten Überlegenheit von Teams kann nur dann gesprochen werden, wenn die einzelnen isoliert arbeitenden Personen zusammengerechnet weniger leisten als wenn sie in einem Team kooperieren. Wie im Text später wiederholt ersichtlich wird, ist positive Synergie aber die Ausnahme und nicht die Regel. Leistung in Teams ist keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht in großen Teams. Zwar sind Teams meist leistungsfähiger als eine einzelne Person, nicht aber leistungsfähiger als die gleiche Menge an einzelnen Personen, die isoliert arbeiten.

Praxistipps

Oft wird man Teamarbeit nicht vermeiden können oder wollen. Die Leistung von Teams kann systematisch erhöht werden. Davon handeln die nächsten Kapitel.