9. Nebengütekriterien in der Forschung

Neben den klassischen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität gibt es auch sogenannte Nebengütekriterien in der Forschung. Diese Nebengütekriterien berücksichtigen – anders als die klassischen Gütekriterien – das praktisch sinnvolle.

Praktische Marktforschung heißt praktische Marktforschung, mit allem, was dazu gehört. Natürlich gehören die Einschränkungen dazu … wie beschränkte Budgets, beschränkte Zeit etc. … Praktische Marktforschung ist daher ein Trade-off zwischen maximaler Qualität und vorhandenem Budget.Gerhild Abler – Sector Head Travel, Transport and Tourism, TNS Infratest

Die Nebengütekriterien Ökonomie, Akzeptanz und Nützlichkeit spielen insbesondere in der Praxis eine nicht unerhebliche Rolle.

  • Ökonomie beschreibt auf Ebene von Messinstrumenten, dass diese einfach, schnell und ressourcensparend durchgeführt und ausgewertet und interpretiert werden können. So ist etwa eine schriftliche Befragung zur Kundenzufriedenheit mit über 140 Fragen nicht ökonomisch. Ökonomischer wäre eine Befragung, die mit 20 Fragen auskommt und online durchgeführt werden kann.
    Auf der Ebene von ganzen Untersuchungen beschreibt Ökonomie das Kosten/Nutzen-Verhältnis. Steht der Aufwand einer Studie in sinnvollem Zusammenhang zum Nutzen oder kann eine andere weniger aufwändige Studie die gleiche oder fast gleiche Funktion erfüllen?
  • Akzeptanz wird ein zunehmend wichtiges Gütekriterium. Akzeptanz beschreibt die positive Aufnahme der Untersuchung bei der entsprechenden Zielgruppe. Wegen immer geringerer Teilnahmebereitschaft an Marktforschungsstudien und Befragungen sollte die Akzeptanz unbedingt beachtet werden. Das Gleiche gilt im Bereich der Personalforschung. Datenschutzbeauftragte, Betriebsräte und auch die teilnehmenden Mitarbeiter, achten immer genauer auf die eingesetzten Verfahren und die erhobenen Daten und Informationen.   Ohne Akzeptanz gibt es dann entweder überhaupt keine Erhebung oder die betroffenen Gruppen machen nicht mit bzw. überspringen viele Angaben und Fragen.
  • Nützlichkeit ist gerade für die Praxis und Anwendung ein zentrales Kriterium. Ein Testinstrument oder eine Datenerhebung sind nur sinnvoll, wenn sie Anknüpfungspunkte zur Intervention liefern, zeigen, was zu tun ist. Beispiel: Die bloße Messung von Vertrauen bei Mobilfunkkunden wäre für einen Mobilfunkanbieter wenig geeignet, um Maßnahmen abzuleiten. Durch eine gleichzeitige Messung von Vertrauen und den Treibern von Vertrauen können aber gute strategische Maßnahmen abgeleitet werden. Das gilt umso mehr, wenn diese Daten zusätzlich im Benchmark mit anderen Anbietern vorliegen.

Auch bei diesen Nebengütekriterien gibt es eine Hierarchie. In der Praxis ist natürlich Ökonomie das maßgebliche Kriterium. Leitfrage ist: Wie kann die benötigte Information am effizientesten und effektivsten beschafft werden? Nur ohne Nützlichkeit ist jede Investition sinnlos. In so fern ist Nützlichkeit eine Bedingungen für Ökonomie. Und ohne Akzeptanz bei den Teilnehmern gibt es keine oder verzerrte und Lückenhafte Daten und damit auch keine Nützlichkeit. Akzeptanz ist also eine Grundlage für die Nützlichkeit von Daten.

Praxistipps

Das letzte Kapitel fasst nochmals die wesentlichen Erkenntnisse zur Interpretation von Forschungsergebnissen zu Mitarbeitern und Kunden zusammen.