17. Teamfähigkeit: Wer ist wirklich teamfähig?

In fast jeder Stellenanzeige steht etwas von Teamfähigkeit. Alle reden davon – aber nur die wenigsten verstehen, was das wirklich ist. Wenn man die Verantwortlichen fragt, was sie genau darunter verstehen, dann wird es meist erst einmal still; sehr still. Dann, nach einer Weile, kommen die unterschiedlichsten Dinge, die Menschen damit verbinden: Ist kompromissfähig, kann Kritik ertragen, geht wertschätzend mit anderen um, stellt sich selbst nicht in dem Mittelpunkt … Bei der Frage „Wer ist teamfähig?“ gibt es also wenig Klarheit, obwohl sich alle einig sind, dass es wichtig ist. Hier setzt dieses Kapitel an. Es zeigt die Forschungsergebnisse zu Teamfähigkeit in der Übersicht, liefert eine Definition und gibt die entscheidenden Tipps zum Stärken der Teamfähigkeit und Beispiele für die Praxis. …

Teamfähigkeit: Teamfähig ist auch wer selbständig und zuverlässig seine Aufgabe und Rolle erledigt
Teamfähigkeit: Teamfähig ist auch wer selbständig und zuverlässig seine Aufgabe und Rolle erledigt

Teamfähigkeit: Definition

Was bedeutet Teamfähigkeit? Der Begriff ist eigentlich irreführend, da es sich weniger um eine Fähigkeit handelt. Der umgangssprachliche Begriff beschreibt viel mehr eine Eignung – eine Eignung für Teamarbeit bzw. zur Mitgliedschaft in einem bestimmten Team. Aus wissenschaftlicher Sicht ist folgende Definition für Teamfähigkeit sinnvoll:

Teamfähigkeit ist die Eignung einer Person, in einem Team Mitglied zu sein.

Dabei spielen insbesondere Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle. Die nächsten Abschnitte fassend daher gezielt die Forschungsergebnisse aus den vorangehenden Kapiteln dazu in der Übersicht zusammen.

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Der nächste Abschnitt geht auf die Bedeutung von Kompetenzen für die Teamfähigkeit ein.

Teamfähigkeit und Kompetenzen

Es gibt Fähigkeiten, die bei Teammitgliedern generell positive Effekte auf die Teamleistung haben und hoch ausgeprägt sein sollten. Das sind Kompetenzen, deren Bedeutung über die reine individuelle Leistung bei der Aufgabe hinaus geht, so genannte Teamkompetenzen. Eines der vorangehenden Kapitel hat den Forschungsstand dazu kompakt vorgestellt. Folgende Kompetenzen zahlen sich aus für die Teamleistung:

  • Intelligenz. Intelligente Personen können im Team effektiver kommunizieren, besser planen und organisieren. Bei Herausforderungen mit wenig Interaktionsbedarf (etwa komplexes Problemlösen) hängt der Erfolg des Teams an der Intelligenz des stärksten einzelnen Mitglieds (Bell, 2007).
  • Soziale und kommunikative Kompetenzen. Wegen der engen Kooperation und intensiven sozialen Interkation gerade in Teams soziale und kommunikative Fähigkeiten noch unerlässlicher als ohnehin bei Mitarbeitern.
  • Selbständigkeit. Die Vorstellung, dass Teams immer alles gemeinsam machen, ist absolut falsch. Teamarbeit bedeutet, dass jeder unabhängig seine Rolle und Funktion erfüllen muss – und zwar extrem zuverlässig und präzise. Das Bild eines Uhrwerks beschreibt das gut. In Teams spielen daher Selbständigkeit und Eigenverantwortung eine große Rolle. Teammitglieder müssen in der Lage sein, selbständig zu planen, Ziele und Wege festzulegen, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen.

Diese Kompetenzen erhöhen die Teamfähigkeit.

Teamfähigkeit ist nicht zuletzt eine Frage der Persönlichkeit – vielleicht ist es sogar zuerst eine Frage der Persönlichkeit.

Teamfähigkeit und Persönlichkeit

Persönlichkeit entscheidet – auch über die Eignung zur Teamarbeit. Das stellt eines der vorangehende Kapitel im Detail dar. Studien zeigen Zusammenhänge der Teamleistung mit allen der Big-Five Persönlichkeitsmerkmale (McCrae und Costa, 1989). Die Big-Five werden auch Fünf-Faktoren-Modell oder im englischen OCEAN Persönlichkeitsmodell genannt.

Hoch ausgeprägt sollten demnach sein die Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Veränderung (flexibel, kann die Rolle ändern), Gewissenhaftigkeit (erledigt Arbeit gründlich und pünktlich), Verträglichkeit (legt Wert auf gute Beziehungen zu den anderen im Team), und emotionale Stabilität (bleibt ruhig in kritischen Situationen). Eine mittlere Ausprägung ist beim Merkmal Extraversion (steht gerne im Mittelpunkt, ist Kontaktfreudig) empfehlenswert.

Im nächsten Abschnitt wird es jetzt etwas komplizierter. Man tut immer so als wäre Teamfähigkeit nur eien Sache der einzelnen Personen. Das stimmt nicht ganz. Es ist vielmehr eine Frage der Passung von individueller Person und spezifischem Team.

Teamfähigkeit hat auch mit dem Team zu tun

Die vorangehenden Abschnitte haben Eigenschaften vorgestellt, die generell mit der Teamfähigkeit von Personen zusammenhängen.

Warum hat die Teamfähigkeit einer Person darüber hinaus auch mit dem speziellen Team zu tun? Weil die Anforderungen an Personen je nach Team, den anderen Mitgliedern und der Aufgabe tatsächlich recht unterschiedlich sein können. So kann es gut sein, dass eine Person für ein Team geeignet ist, für ein anderes aber nicht. Es geht um die Passung.

Teamfähig sind vor allem Personen die den anderen im Team ähnlich sind von der Persönlichkeit. Große Unterschiede innerhalb der Persönlichkeitseigenschaften fördern Konflikt und sind ungünstig für die Zusammenarbeit und Leistung. So können etwa starke Unterschiede zwischen Teammitgliedern auf den Persönlichkeitsdimensionen Offenheit (diese hängt zusammen mit der Flexibilität von Personen) oder Perfektionismus (zu diesem Persönlichkeitsfaktor gehört auch Leistungsmotivation dazu) die Teamleistung mindern.

Teamfähig sind auch Personen, die ein Crossfunktionales Grundverständnis mitbringen. Das bedeutet, dass sie von den Fachbereichen und Rollen der anderen im Team genug verstehen um mit ihnen professionell sprechen zu können. Ansonsten droht Konflikt und Ineffizienz in der Kommunikation (Pelled, Eisenhardt und Xin, 1999).

Teamfähigkeit stärken: Tipps

Was bedeuten die wissenschaftlichen Befunde jetzt für die konkrete Praxis? Das zeigen die folgenden Tipps zum Umgang mit Teamfähigkeit.

Praxistipps

Der nächste große Themenbereich ist der Entwicklung und Pflege von Teams gewidmet.