20. Normen und Werte in Teams

Ein Fußballteam, das lieber feiert als zu trainieren? Ein OP-Team, das nicht auf Hygiene achtet? Wertvorstellungen und soziale Normen prägen das Verhalten von Teams, sie sozialisieren die Mitglieder – im Guten wie im Schlechten. In vielen Gruppen Teams sind Verhaltensweisen normal geworden, die nicht begrüßenswert sind. In anderen Teams ist ein wertschätzender Umgang, effiziente Zusammenarbeit und Leistung eine Selbstverständlichkeit. Werte und Normen sind daher ein zentrales Handlungsfeld für erfolgreiche Teamarbeit.
Wie man hier von Anfang an die richtigen Standards setzt, das zeigt dieses Kapitel. Der erste Abschnitt gibt eine Definition für Werte und Normen. Weiter geht es mit der Frage warum diese so einflussreich sind. Der zweite Abschnitt zeigt die Wirkung und Eigenschaften. Dann vertieft der Text im dritten Abschnitt die für Teamarbeit besonders wichtigen Leistungsnormen. Zum Schluss die wichtigsten Tipps in der Übersicht. …

Alles steril? Werte und Normen sind unerlässlich für erfolgreiche Teamarbeit
Alles steril? Werte und Normen sind unerlässlich für erfolgreiche Teamarbeit

Definition: Was sind Normen, was sind Werte?

Soziale Normen regeln das Verhalten in Teams und sozialisieren die neuen Mitglieder. Die Definition ist:

Soziale Normen sind bewusste und unbewusste kollektive Zielvorstellungen von Verhalten in Gruppen und größeren Organisationen.

Sehr ähnlich ist die Definition von Werten:

Wertvorstellungen sind bewusste Zielvorstellungen von Verhalten.

Damit beschreiben sowohl Werte als auch soziale Normen Zielvorstellungen und Wünsche an Verhalten. Ein Unterschied ist, dass Werte bewusst sind, Normen zusätzlich oft unbewusst wirken. Beispielsweise wie laut man miteinander spricht in einer Gruppe oder ob man andere ausreden lässt, ist oft unbewusst. Trotzdem wird sanktioniert, wer sich nicht daran hält. Normen können also bewusste Wertvorstellungen sein aber auch unbewusste Regeln. Ein weiterer Unterschied ist, dass jemand für sich alleine Wertvorstellungen haben kann. Soziale Normen sind immer kollektiv brauchen mehrere Personen.

Soziale Normen in Teams: Wirkung und Eigenschaften

Wer sich an die Normen hält, erfährt Zustimmung. Wer Normen verletzt, erhält Sanktionen. In einem Team ausgeprägte Normen schlagen damit auf das konkrete Verhalten und damit auf die Ergebnisse durch. Die Wirkung beschränkt sich nicht nur auf Arbeitsleistung. Auch an andere Verhaltensweisen wie Kreativität – mit dem entsprechenden Output an Ideen als Ergebnis (Gilson und Shalley, 2004), Lernen im Team und Lerntransfer (Smith-Jentsch, Salas und Brannick, 2001), Kundenorientierung mit dem Ergebnis Kundenzufriedenheit (Schneider et al., 2005) oder Arbeitssicherheit mit Auswirkungen auf die Rate von Arbeitsunfällen (Zohar, 2000). Es gibt keinen Bereich des Verhaltens in Teams, der nicht von sozialen Normen geprägt ist.

Bei sozialen Normen sind einige allgemeine Wirkungen zu beachten (vgl. Jackson, 1965), die auch die folgende Abbildung verdeutlicht:

Regelung von Verhalten
Normen können sämtliches Verhalten betreffen, das in einem Team stattfindet. Sie können vom äußeren Erscheinungsbild über die soziale Interaktion bis hin zur Verteilung von Ressourcen alles betreffen und regulieren. So wird man als Beispiel für Normen des äußeren Erscheinungsbildes bei Automobilkonzernen in den Arbeitsgruppen der Ingenieure meist eher legerere Kleidungsnormen vorfinden als bei den Betriebswirten. Auch bei der Verteilung von Ressourcen wie Gehalt wird man in Teams verschiedene Ansätze finden. In einer Abteilung wird eher das Prinzip der Leistung gelten, in anderen Abteilungen wird eher auf die Seniorität der Mitarbeiter geachtet werden und derjenige, der schon länger dabei ist, mehr erhalten – und sei es dadurch, dass der Vorgesetzte ihm vordergründig eine bessere Leistungsbeurteilung ausstellt, um der Norm gerecht zu werden.

Regelung von Einstellungen und Meinungen
Neben den beobachtbaren Verhaltensweisen wirkt sich der Uniformitätsdruck auch auf Einstellungen und Meinungen aus. Personen mit abweichender Einstellung werden ebenfalls sanktioniert, wenn dies im Verhalten sichtbar wird oder auch nur durch das Unterlassen von Verhaltensweisen vermutet wird.

Toleranzbereich und Reaktionen
Normen besitzen generell einen gewissen Toleranzbereich (vgl. Jackson, 1965). Wird die Norm erfüllt, wird das Teammitglied mit Zustimmung belohnt. Liegt ein Teammitglied allerdings über der Norm oder auch darunter wird er von den übrigen Teammitgliedern sanktioniert. Interessant ist hier besonders, dass auch derjenige sanktioniert wird, der mehr als die Norm leistet. Ein anschauliches Beispiel sind Schulklassen, wo der Leistungsstarke von den Mitschülern oftmals als Streber sanktioniert wird – ähnliches zeigt sich mitunter am Arbeitsplatz in den Teams.

Herstellen von Konformität
Normen führen langfristig zur Konformität des Verhaltens in Teams. Das hat für die Mitglieder den Vorteil der Berechenbarkeit und Verlässlichkeit bei der Zusammenarbeit.

Für Führungskräfte bedeutet dies, dass Normen in ihren Teams ein wichtiges sozialtechnisches Handlungsfeld sind, das nicht sich selbst überlassen werden sollte.

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Soziale Normen wirken: Sie sozialisieren Verhalten in Teams und Gruppen

Teams können sich bei Normen auch darin unterscheiden, ob sie vorwiegend mit Belohnung und Zustimmung oder überwiegend mit Sanktionen auf Abweichungen reagieren. Zudem findet sich, dass in manchen Teams verschiedene Mitglieder recht unterschiedlich behandelt werden. Bei einem Mitglied mit hohem Rang wird gewöhnlich eine größere Abweichung von der Norm toleriert als bei einem rangniederen Mitglied.

Leistungsnormen in Teams

Besonders interessant sind für die Praxis Leistungsnormen, die je nach Team unterschiedlichste Aspekte betreffen können und direkt mit der Produktivität zusammenhängen. Leistung kann natürlich je nach Team einen ganz anderen Fokus haben: So wird etwa bei einer Schulklasse die Leistungsnorm im Bereich der Schulnoten liegen, bei Anhängern von Sekten in der Akquise neuer Mitglieder.

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Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Normen mit der Kohäsion im Wechselspiel stehen. Normen führen besonders innerhalb von Teams mit hoher Kohäsion zu Konformität, denn hier möchte man Mitglied sein und bleiben und passt sich daher besonders an. Das bedeutet, die Einstellungen und das Verhalten der Teammitglieder passen sich bei hoher Teamkohäsion besonders an die Normen an, die interindividuellen Unterschiede schwinden.

Leistung in Teams: Leistungsnorm und Kohäsion
Leistung in Teams: Leistungsnorm und Kohäsion

Je höher Leistungsnormen bei hoher Kohäsion angesiedelt sind, desto größer also auch die Teamleistung (Seashore, 1954). Die geringsten Leistungen wird man in Teams mit hoher Kohäsion und geringen Leistungsnormen finden. Wenn Leistungsnormen niedrig sind, ist für die Teamleistung sogar eine geringe Kohäsion besser als eine hohe Kohäsion.

Der nächste Abschnitt liefert die entscheidenden Tipps.

Werte und Normen in Teams: Tipps

Aus den Forschungsergebnissen zu Werten und Normen lassen sich wichtige Erkenntnisse für die Praxis der Teamarbeit ableiten. Diese entscheidenden Tipps fasst der Schaukasten zusammen.

Praxistipps

Teams sind nicht statisch, sondern entwickeln sich über Zeitphasen hinweg weiter. Diese Teamentwicklungsphasen hängen auf das engste mit der Teamleistung zusammen. Das nächste Kapitel zeigt, wie man mit einem Team schnell in die Leistungsphase kommt und das Team möglichst fest dort verankert.