18. Soziale Normen in Teams

Dieses Kapitel behandelt folgende Fragen: Was genau sind soziale Normen und warum sind diese einflussreich für Teams? Wie können Führungskräfte mit Normen in Teams erfolgreich umgehen?

Soziale Normen regeln das Verhalten in Teams und sozialisieren die neuen Mitglieder. Die in einem Team ausgeprägten Normen schlagen auf das konkrete Verhalten und damit auf die Ergebnisse durch. Dabei ist einerseits zu denken an Arbeitsleistung aber auch an andere Aspekte wie Kreativität – mit dem entsprechenden Output an Ideen als Ergebnis (Gilson & Shalley, 2004), Lernen und Lerntransfer (Smith-Jentsch, Salas & Brannick, 2001), Kundenorientierung mit dem Ergebnis Kundenzufriedenheit (Schneider, Ehrhart, Mayer, Saltz & Niles-Jolly, 2005) oder Arbeitssicherheit mit Auswirkungen auf die Rate von Arbeitsunfällen (Zohar, 2000).

Eigenschaften von Normen in Teams

Bei Normen sind einige Eigenschaften zu beachten (vgl. Jackson, 1965), die auch die folgende Abbildung verdeutlicht:

Regelung von Verhalten

Regelung von Einstellungen und Meinungen

Toleranzbereich und Reaktionen

Herstellen von Konformität

Für Führungskräfte bedeutet dies, dass Normen in ihren Teams ein wichtiges sozialtechnisches Handlungsfeld sind, das nicht sich selbst überlassen werden sollte.

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Abbildung: Normen und Sozialisierung

Teams können sich bei Normen auch darin unterscheiden, ob sie vorwiegend mit Belohnung und Zustimmung oder überwiegend mit Sanktionen auf Abweichungen reagieren. Zudem findet sich, dass in manchen Teams verschiedene Mitglieder recht unterschiedlich behandelt werden. Bei einem Mitglied mit hohem Rang wird gewöhnlich eine größere Abweichung von der Norm toleriert als bei einem rangniederen Mitglied.

Leistungsnormen in Teams

Besonders interessant sind für die Praxis Leistungsnormen, die je nach Team unterschiedlichste Aspekte betreffen können und direkt mit der Produktivität zusammenhängen. Leistung kann natürlich je nach Team einen ganz anderen Fokus haben: So wird etwa bei einer Schulklasse die Leistungsnorm im Bereich der Schulnoten liegen, bei Anhängern von Sekten in der Akquise neuer Mitglieder.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Normen mit der Kohäsion im Wechselspiel stehen. Normen führen besonders innerhalb von Teams mit hoher Kohäsion zu Konformität, denn hier möchte man Mitglied sein und bleiben und passt sich daher besonders an. Das bedeutet, die Einstellungen und das Verhalten der Teammitglieder passen sich bei hoher Teamkohäsion besonders an die Normen an, die interindividuellen Unterschiede schwinden.

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Abbildung: Leistungsnormen, Kohäsion und Leistung

Je höher Leistungsnormen bei hoher Kohäsion angesiedelt sind, desto größer also auch die Teamleistung (Seashore, 1954). Die geringsten Leistungen wird man in Teams mit hoher Kohäsion und geringen Leistungsnormen finden. Wenn Leistungsnormen niedrig sind, ist für die Teamleistung sogar eine geringe Kohäsion besser als eine hohe Kohäsion.

Praxistipps

Teams sind nicht statisch, sondern entwickeln sich über Zeitphasen hinweg weiter. Diese Teamentwicklungsphasen hängen auf das engste mit der Teamleistung zusammen. Das nächste Kapitel zeigt, wie man mit einem Team schnell in die Leistungsphase kommt und das Team möglichst fest dort verankert.