4. Arten von Gruppen und Teams

Welche Arten von Teams gibt es in der Praxis und wie blickt die Forschung auf Gruppen und Teams? Was kann man daraus für die Führung von Teams schließen?
Dazu das Wesentliche in diesem Kapitel. Es zeigt typische Teamarten in der Praxis und Gruppenarten aus Sicht der Psychologie und Soziologie. …

Arten von Gruppen und Teams: In Praxis und Wissenschaft treten Teams und Gruppen in verschiedenen Formen auf
Arten von Gruppen und Teams: In Praxis und Wissenschaft kategorisiert man Teams und Gruppen in verschiedene Arten

Arten von Teams in der Praxis

In Unternehmen gibt es unterschiedliche Arten von Teams, wie diese oberflächlich in Erscheinung treten. Die wichtigsten Teamarten sind:

Bereichsteams
Klassischerweise sind Unternehmen in Bereiche strukturiert und hier finden sich diesen zugeordnete Teams, beispielsweise in Bereichen wie Personal, Marketing, Finanzen, IT oder Einkauf.

Projektteams
Entlang der Unternehmensprozesse sind oft zusätzlich abteilungsübergreifende Projektteams anzutreffen. Besonders Matrixorganisationen sind von der Konzeption bereits so ausgelegt, dass die Mitglieder der einzelnen Abteilungen gleichzeitig in abteilungsübergreifenden Teams sind. So finden sich unterhalb der Vorstandsebene beispielsweise immer häufiger Teams, die sich mit dem Erleben und Verhalten der Kunden befassen. In diesen Customer-Experience-Teams sind beispielsweise die Leiter von verschiedenen Bereichen der Unternehmen, um gemeinsam auf die Herausforderungen bei den Kunden reagieren zu können. Auch temporäre Teams, die sich mit Innovation und Qualität befassen (Optimierungsteams), sind den Projektgruppen zuzuordnen.

virtuelle Teams
Eine Erscheinung des IT-Zeitalters sind virtuelle Teams. Verbunden durch moderne Kommunikationsmittel können diese Teams schnell entstehen, über große räumliche Entfernungen, Zeit und organisationale Grenzen hinweg zusammenarbeiten und sich kurzfristig wandeln oder auflösen. Gerade die zunehmende Internationalisierung fördert computerbasierte Interaktion. Mittlerweile sind der Großteil der qualifizierten Mitarbeiter zumindest teilweise auch in virtuelle Teamarbeit eingebunden (Kanawattanachai und Yoo, 2002). Dabei entstehen bizarre Situationen. Ein Teamleiter in München hat beispielsweise Mitarbeiter in Mexiko und China und versucht mit allen gleichzeitig eine Videokonferenz zu halten – zu (bisher) für viele undenkbaren Arbeitszeiten.

Es handelt sich hier um Typen von Teams, wie sie in der Praxis oft angetroffen werden. Prinzipiell können Kategorien wie „virtuell“ natürlich als Kontinuum verstanden werden, das auf alle Teams mehr oder minder stark zu trifft. So kann etwa ein Team in unterschiedlichem Ausmaß abteilungsübergreifend sein oder virtuell interagieren und an unterschiedlichsten Orten arbeiten (Apgar, 1997).

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Auch sonst können Teams in der Praxis sehr unterschiedlich gestaltet sein. Sie können sich beispielsweise in relativ stabilen Umgebungen bewegen oder in sehr dynamischen, ihre Aufgaben sind komplex oder eher einfach, die Zeit, die ein Team existiert, ist lang oder kurz, Mitgliedschaften sind stabil oder einem hohen Austausch unterworfen und die Mitglieder sind sich sehr ähnlich oder unterschiedlich. All diese Themen spielen eine bedeutende Rolle bei Aufbau, Führung und Pflege von Teams und werden in späteren Kapiteln intensiv diskutiert.

Der nächste Abschnitt zeigt wie Gruppen in der Psychologie differenziert werden.

Arten von Gruppen aus Sicht der Psychologie

Psychologie betrachtet und unterscheidet Arten von Gruppen nach weiteren Aspekten. Hier die wichtigsten Gruppenarten:

Primärgruppen vs. Sekundärgruppen
So lassen sich Gruppen nach der Anzahl der Mitglieder und der Intensität der Interaktion differenzieren. Man kann hier einerseits von Primärgruppen mit wenigen Mitgliedern und intensiver Interaktion sprechen. Die Sekundärgruppen befinden sich andererseits am gegenüberliegenden Pol dieser Dimensionen, haben wenig Interaktion und eher zahlreiche Mitglieder. Eine klassische Sekundärgruppe sind beispielsweise Bereichsleiter, die sich als Gruppe selten treffen aber in ihren Bereichen mit den Mitarbeitern jeweils eine Primärgruppe bilden.

Mitgliedsgruppen, Fremdgruppen und Bezugsgruppen
Aus der Perspektive der einzelnen Person können auch Mitgliedsgruppen und Fremdgruppen unterschieden werden. Mitgliedsgruppen gehört die Person selbst an. Fremdgruppen sind außen stehende Gruppen, denen die Person nicht angehört.

Eine wesentliche Art von Fremdgruppe sind Bezugsgruppen. Bezugsgruppen sind durch ihren starken Einfluss auf ein Individuum und seine Einstellungen definiert. Man muss nicht Mitglied in einer Bezugsgruppe sein, um von dieser beeinflusst zu werden. Kompromisslos streikende und verhandelnde Mitarbeiter eines anderen Unternehmens können bei Erfolg zur Bezugsgruppe für die Mitarbeiter werden. So mag ein erfolgreicher Streik von Lokomotivführern als Bezugsgruppe Piloten oder Erzieher in ganz anderen Unternehmen inspirieren, ebenfalls zu streiken. Auch im Marketingbereich sind vergleichbare Effekte bekannt. Zielgruppen neigen dazu, etwas zu kaufen, was wichtige Bezugspersonen oder Gruppen verwenden. So können beispielsweise Gruppen von Extremsportlern Einfluss auf Kaufentscheidungen von Personen ausüben, die selbst in ihrem Leben noch nie diesem Sport nachgegangen sind. Bezugsgruppen entsprechen dabei nicht immer in allen Bereichen der engen Definition von Gruppen und können auch eine sehr schwache Struktur und Interaktion aufweisen.

Autonome Gruppen
Auch das Ausmaß an Autonomie von Gruppen ist eine wichtige Perspektive zur Differenzierung. Teilautonome Gruppen sind vielerorts durch die Verflachung von Hierarchien entstanden. Diese Gruppen entscheiden sehr unabhängig über Arbeitsabläufe und Arbeitszeit, Verantwortungsbereiche einzelner Mitglieder und die Zusammenarbeit mit Zulieferern und Kunden. Im Extremfall entscheiden dann so genannte Autonome Gruppen sogar über ihre Mitglieder – etwa über Einstellung oder Entlassung und deren Bezahlung.

Formelle Gruppen vs. Informelle Gruppen
Besondere Aufmerksamkeit hat in der Forschung die Formalität von Gruppen gefunden. Damit ist gemeint, wie sehr Gruppen den von der Organisation geplanten Strukturen entsprechen. Formelle Gruppen sind in der Organisation vorgesehene Gruppen. Informelle Gruppen sind Gruppen nach obiger sozialwissenschaftlicher Definition, die nicht im Organisationsplan vorgesehen sind. Dennoch beeinflussen diese Gruppen das Verhalten der Mitarbeiter stark. Dabei ist an Arbeitsleistung und Informationsfluss aber auch an Dinge wie Mobbing zu denken. So reichen Informelle Gruppen vom Kollegenkreis, der sich beim Rauchen trifft, bis hin zu Seilschaften im Management, die sich Posten zuschieben und gegenseitig den Rücken frei halten.

Im Folgenden die zentralen Tipps zu Teams und Gruppen in Praxis und Forschung.

Praxistipps

Eine für die Praxis besonders wesentliche Art von Gruppen sind informelle Gruppen. Das vertieft das nächste Kapitel.