1. Teamarbeit in der Praxis: Teams im Trend

Teamarbeit in der Praxis kann sehr unterschiedlich aussehen. Wir alle kennen Teams, an die wir gerne zurückdenken und stolz sind, dabei gewesen zu sein. Und wir kennen die anderen Teams, an die wir uns lieber nicht erinnern. Woran aber liegt es, dass manche Teams über sich hinaus wachsen und Top-Leistungen vollbringen, andere aber scheitern? Und wie schaffen manche Teams, die schlecht starten, dann doch die Wende zum Guten? Vor allem: Wie können Führungskräfte Teams zum Erfolg führen? Steht und fällt der Erfolg von Teams doch nicht zuletzt mit guter Teamführung (Burke, Stagl, Klein, Goodwin, Salas & Halpin, 2006). Hier setzt dieser Text an.

Warum sollten sich Führungskräfte aber auch normale Mitarbeiter mit Teams und ihren Dynamiken intensiv beschäftigen? Letztendlich, weil man nicht mehr an diesem Thema vorbei kommt. Teams sind im Trend und haben eine zentrale Bedeutung in modernen Organisationen. Schon länger haben mehr als 80 Prozent der Unternehmen im Fortune 500 über die Hälfte ihrer Mitarbeiter in Teams beschäftigt (Strozniak, 2000). Unternehmen haben Teams entdeckt, um flacher und handlungsfähiger zu werden. Das Management hofft auf größere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Projektorganisationen an Veränderungen der Umwelt. Angeregt durch internationalen Wettbewerb und die Herausforderung interdisziplinär zu arbeiten, ersetzen flexible Teams starre hierarchische Strukturen, die an Funktionen orientiert waren und in dynamischen Umwelten oft nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Teams im Trend: Zunehmende Teamarbeit

Neue Organisationsformen mit flachen Strukturen und zunehmendem Abbau von Grenzen zwischen Abteilungen spiegeln diese Entwicklung wieder und fördern zusätzlich den Bedarf an effizienten Teams. Unternehmen war es durch Teamarbeit auch möglich, die Anzahl von Mitarbeitern je Führungskraft deutlich zu erhöhen (Leitungsspanne) und damit Führungskräfte abzubauen und Personalkosten zu senken.

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Abbildung: Veränderung zu flachen Organisationen mit Teams

Die zunehmende Verwendung von Teams hat aber auch weitere gute Gründe:

Projektarbeit

flache Hierarchien

Hoffnung auf Synergie

Zeitgeist

Wunsch der Mitarbeiter

Forschungsergebnisse

Tatsächlich hat sich in einigen Studien gezeigt, dass Teams in der Regel zu niedrigeren Fehlzeiten und einer geringeren Fluktuation führen (z.B. Heywood & Jirjahn, 2004). Auch Fallbeispiele aus der Praxis ermuntern zu mehr Teamarbeit. Hier ist allerdings Vorsicht angebracht: Unternehmen und verantwortliche Manager berichten lieber ihre Erfolge als ihre Misserfolge – und nur weil mit Teamarbeit weniger Führungskräfte mehr Mitarbeiter führen, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Mitarbeiter auch genauso produktiv oder sogar produktiver sind. In den wissenschaftlichen Befunden zeigt sich zudem eher eine Dominanz von Koordinations- und Motivationsverlusten als von positiven Effekten der Teamarbeit (vgl. Wegge, 2004, S. 72 ff).

Praxistipps

Gerade aber weil man um Teams in der Praxis nicht mehr herum kommt, ist zu klären, wann diese eher sinnlos eingesetzt werden, wie das zu vermeiden ist und unter welchen Bedingungen die Teamleistung maximal ist.

Herausforderungen bei Teamarbeit in der Praxis

Wichtige Fragen in der Praxis sind:

  • Wann sollten Teams und Gruppen eingesetzt werden, wann lieber nicht?
  • Wie können effiziente Teams aufgebaut werden?

Die folgenden Kapitel fassen dazu den Stand der wirtschaftspsychologischen Forschung anwendungsorientiert in vier Themenbereichen zusammen.

  • Der erste Themenbereich behandelt die Grundlagen effektiver Teamführung. Das beinhaltet Merkmale und Definitionen von Gruppen und Teams, Arten von Teams in der Praxis, den Kontext von Teams und die Herausforderung positive Synergie in Teams herzustellen.
  • Säulen der Teamleistung sind Inhalt des zweiten Themenbereiches. Dieser diskutiert Aspekte eines teamfreundlichen Umfeldes, Merkmale sinnvoller und motivierender Aufgaben für Teams, das Treffen guter Entscheidungen in Teams und die Zusammensetzung von Teams.
  • Es folgt die Zusammenstellung effektiver Teams als dritter Themenbereich. Inhalte sind hier die Größe von Teams sowie Forschungsergebnisse zur Zusammensetzung von Teams bei Demographie, Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen.
  • Abschließender Themenbereich ist die Entwicklung und Pflege von Teams. Das betrifft den Aufbau von Kohäsion und Zusammenhalt in Teams, soziale Normen in Teams, Phasen der Teamentwicklung und die Auffrischung von Teams, die nicht mehr gut funktionieren.

Es folgt der erste große Themenbereich: Die Grundlagen effektiver Teamführung.