11. Gute Entscheidungen treffen und herbeiführen

Führung ist Verantwortung für Entscheidungen. Man muss diese nicht selbst treffen aber dafür sorgen, das sie stattfinden. Wie kann man bei der Führung gute und richtige Entscheidungen treffen, was sind Kriterien für gutes Entscheiden und wann sollten Führungskräfte Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen, um möglichst sinnvolle Entscheidungen im wahrsten Sinne des Wortes herbeizuführen? Das zeigt dieses Kapitel. Es zeigt die Verantwortung der Führung für richtige Entscheidungen, definiert Kriterien für gute Entscheidungen, erklärt wie man richtig entscheidet, warum schlechte Entscheidungen häufig sind und zeigt wann man Mitarbeiter bei Entscheidungen einbeziehen sollte – und wann lieber nicht. Zusätzlich gibt es die Tipps für gute Entscheidungen. …

Gute Entscheidungen in der Führung: Nicht immer ist eine richtige Entscheidung auf den ersten Blick erkennbar – daher gibt es Kriterien zur Bewertung

Verantwortung: Entscheidungen bei der Führung

Führungskräfte sind verantwortlich für gute Entscheidungen – sei es zur Auswahl von Zielen, Strategien, Arbeitsabläufen oder im Bereich von Mitarbeitern. Welche Entscheidungen letztendlich zu treffen sind und wie wichtig diese Entscheidungen sind, das ist je nach Führungskraft verschieden – bei manchen ist es häufiger und mit mehr Tragweite im anderen seltener und mit weniger Tragweite. Folgende Abbildung zeigt, dass bei einigen Führungskräften das Treffen von Entscheidungen einen Hauptanteil an ihrer Tätigkeit ausmacht (typischerweise weiter oben in der Hierarchie), bei anderen Führungskräften überwiegt die operative Umsetzung.

teams_entscheidung_vs_umsetzung.png
Abbildung: Anteil von Entscheidungen bei der Tätigkeit verschiedener Führungskräfte

Unzweifelhaft müssen in Unternehmen Entscheidungen getroffen werden. Das bedeutet aber nicht, dass Führungskräfte alles selbst entscheiden müssen. Ganz im Gegenteil: Führungskräfte müssen sich darum kümmern, dass eine gute Entscheidung getroffen wird.

Nur: Was ist überhaupt eine gute Entscheidung? Dazu der nächste Abschnitt.

Bewertung: Kriterien für gute Entscheidungen

Welche Entscheidung ist richtig? Das ist natürlich im Einzelfall sehr unterschiedlich. Was hilft, die richtige Entscheidung zu finden, sind Kriterien für gute Entscheidungen.

Psychologie der Mitarbeiterführung (essentials)

Unser aktuelles Fachbuch zum Online-Text

  • praxiserprobte Tipps
  • wissenschaftlich fundierte Qualität
  • kompaktes Format

Einblicke, die Sie erfolgreich machen – und die wirkungslose Führungskräfte nicht kennen.

Es gibt fünf wichtige Kriterien zur Bewertung von Entscheidungen, die für alle Entscheidungen gelten:

Qualität der Lösung

Kosten der Entscheidung

Geschwindigkeit der Entscheidung

Akzeptanz der Lösung

Beitrag zur Entwicklung der Mitarbeiter

Je nachdem wie wichtig einem diese fünf Kriterien im Einzelfall sind, wird man Entscheidungen anders treffen und anders bewerten.

Gute Entscheidungen sind selten. Das liegt auch daran, wie Entscheidungen in der Praxis erfolgen. Der nächste Abschnitt zeigt die Gründe.

Warum schlechte Entscheidungen häufig sind

In der Theorie und der Management-Literatur geht man oft von rationalen, systematischen Entscheidungen nach klaren Kriterien aus. Ausgeklammert werden andere Einflüsse wie etwa Emotionen, Faulheit oder Gewohnheiten. Die Praxis sieht meist anders aus, als es die Literatur beschreibt und Theoretiker empfehlen. Führungskräfte planen typischerweise außerhalb von klar systematisierten Entscheidungsprozessen, arbeiten sich pragmatisch Schritt für Schritt voran und verlassen sich auf Intuition (Quinn, 1981). Entscheidungen sind in der Praxis geprägt von Emotionen, Gewohnheiten, spontanen Impulsen und persönlichen Interessen.

negative Emotionen

Hinauszögern und Ignorieren

falsche Gewohnheiten

persönliche Interessen

Zentral ist bei Entscheidungen unter anderem die Frage, wie viel Einfluss Führungskräfte dabei ihren Mitarbeitern zugestehen, also das Ausmaß an Partizipation. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Mitarbeiter einbeziehen oder nicht? Das Führungskontinuum

Führungskräfte treffen wichtige Entscheidungen selten ganz alleine, sondern sie beziehen ihre Mitarbeiter in verschiedenen Phasen der Entscheidungsfindung ein. Eine bekannte verhaltensorientierte Theorie der Führung ist das Führungskontinuum von Tannenbaum und Schmidt (Tannenbaum & Schmidt, 1958), die das Entscheidungsverhalten von Führungskräften zwischen den Extrempolen „autoritär“ und „demokratisch“ aufspannen. Diese Betrachtung hat auch in der nachfolgenden Forschung nicht an Aktualität eingebüßt.

Wie viel Partizipation haben Mitarbeiter bei Entscheidungen? Die Stufen sind in folgender Abbildung darstellt.

partizipation_mitarbeiter_fuehrungskontinuum.png
Abbildung: Stufen der Partizipation

Entscheidungen befinden sich auf einem Spektrum der Partizipation von autoritär bis demokratisch:

autoritär

patriarchalisch

beratend

konsultativ

partizipativ

delegativ

demokratisch

In Deutschland ist stärkere Partizipation prinzipiell gut möglich, was nicht für jede Kultur in dem Ausmaß gilt. Wir sind erstens eine egalitäre Gesellschaft: Mitarbeiter sehen sich als Menschen mit ähnlichen Rechten wie die Führungskraft. Zweitens kommunizieren Deutsche relativ direkt und haben vergleichsweise geringe Angst, die eigene Meinung zu äußern. Aber nur weil Partizipation möglich ist, bedeutet das noch lange nicht, dass diese auch immer sinnvoll ist. Folgende Tipps helfen bei der Festlegung des Ausmaßes an Partizipation.

Praxistipps

Das nächste Kapitel zeigt wie man Mitarbeiter erfolgreich in Entscheidungen einbindet.