8. Gute Entscheidungen treffen und herbeiführen

Wie kann man gute Entscheidungen treffen, was ist überhaupt eine gute Entscheidung und wann sollte man Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen?

Verhaltensorientierte Führungstheorien suchen die Erklärung für den Erfolg oder Misserfolg von Führungskräften in deren Verhalten. Damit schwenken sie die Perspektive hin zur Frage, was Führungskräfte tun. Als Leitgedanke dient das etwas optimistische Versprechen: Jeder kann Führung lernen! Die verhaltensorientierte Führungsforschung hat mehrere Verhaltensdimensionen diskutiert. Die folgenden Kapitel diskutieren diese Verhaltensdimensionen des Führungsverhaltens. Dieses Kapitel beginnt mit dem Thema Entscheidungsverhalten.

Was ist eine gute Entscheidung? Dazu der erste Abschnitt.

Kriterien zur Bewertung von Entscheidungen

Unzweifelhaft müssen in Unternehmen Entscheidungen getroffen werden. Auch keine Entscheidung zu treffen, ist eine Entscheidung – allerdings selten die beste.
Nicht selten entscheiden auch Führungskräfte auf herausragenden Positionen nicht. Stattdessen sitzen sie Entscheidungen aus, mit allen Konsequenzen für die verantworteten Bereiche. Sie gestalten dann wichtige Dinge nicht rechtzeitig proaktiv, die Situation erzwingt irgendwann eine Entscheidung, Organisationen sind dann fremdbestimmt statt aktive Gestalter. Nicht-Entscheiden ist also keine ernsthafte Option für erfolgreiche Führungskräfte, die ihren Auftrag ernst nehmen. Das bedeutet aber nicht, dass Führungskräfte alles selbst entscheiden müssen. Ganz im Gegenteil: Führungskräfte müssen sich darum kümmern, dass eine gute Entscheidung getroffen wird.

Was aber ist eine gute Entscheidung? Es gibt vier wichtige Kriterien zur Bewertung einer Entscheidung:

  • die Kosten der Entscheidung
  • die Geschwindigkeit der Entscheidung
  • die Akzeptanz der Lösung
  • die Qualität einer Lösung

Bei den ersten beiden Kriterien hat es Vorteile keine oder möglichst wenige Mitarbeiter einzubeziehen. Die Kosten für partizipative Entscheidungen sind naturgemäß höher. Personen müssen häufig extra anreisen, von sonstigen Arbeiten freigestellt werden und womöglich geschult werden, um gute Entscheidungen in Teams zu erreichen (etwa in Moderationstechniken, Präsentationstechniken, Zuhörertechniken etc.). Die Entscheidungsfindung dauert mit zunehmender Anzahl der beteiligten Personen wesentlich länger.
Allerdings haben partizipative Entscheidungen mehr Akzeptanz in bestimmten kulturellen Umfeldern, wenn sie denn einvernehmlich getroffen werden. Gelingt es dagegen nicht eine einvernehmliche Entscheidung herzustellen, besteht die Gefahr eines Konfliktes.

Zentral ist bei Entscheidungen unter anderem die Frage, wie viel Einfluss Führungskräfte dabei ihren Mitarbeitern zugestehen, also das Ausmaß an Partizipation. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen: Das Führungskontinuum

Eine bekannte verhaltensorientierte Theorie der Führung ist das Führungskontinuum von Tannenbaum und Schmidt (Tannenbaum & Schmidt, 1958), die das Entscheidungsverhalten von Führungskräften zwischen den Extrempolen „autoritär“ und „demokratisch“ aufspannen. Diese Betrachtung hat auch in der nachfolgenden Forschung nicht an Aktualität eingebüßt.

Wie viel Partizipation haben Mitarbeiter bei Entscheidungen? Die Stufen sind in folgender Abbildung darstellt.

partizipation_mitarbeiter_fuehrungskontinuum.png
Abbildung: Stufen der Partizipation

Entscheidungen befinden sich auf einem Spektrum der Partizipation von autoritär bis demokratisch:

autoritär

patriarchalisch

beratend

konsultativ

partizipativ

delegativ

demokratisch

In Deutschland ist stärkere Partizipation prinzipiell gut möglich, was nicht für jede Kultur in dem Ausmaß gilt. Wir sind erstens eine egalitäre Gesellschaft: Mitarbeiter sehen sich als Menschen mit ähnlichen Rechten wie die Führungskraft. Zweitens kommunizieren Deutsche relativ direkt und haben vergleichsweise geringe Angst, die eigene Meinung zu äußern. Aber nur weil Partizipation möglich ist, bedeutet das noch lange nicht, dass diese auch immer sinnvoll ist. Folgende Tipps helfen bei der Festlegung des Ausmaßes an Partizipation.

Praxistipps

Das nächste Kapitel stellt weitere verhaltensorientierte Modelle der Führung vor: die Aufgabenorientierung und die Mitarbeiterorientierung.