4. Alltagspsychologie, Laienpsychologie und Küchenpsychologie

Wozu bracht es überhaupt Psychologen, kann man das nicht alles mit gesundem Menschenverstand selbst regeln und wissen? Reicht nicht Alltagspsychologie, um die Herausforderungen im Umgang mit anderen Menschen zu lösen? So haben doch beispielsweise viele Führungskräfte schon immer gewusst, dass bei Mitarbeitern gilt „Glückliche Kühe geben mehr Milch!“ und sich entsprechend verhalten – oder gilt hier doch eher „Diamanten entstehen nur unter hohem Druck!“? Vielleicht stimmt ja auch beides so nicht?
Dieses Kapitel zeigt die Bedeutung der Alltagspsychologie (oft auch Laienpsychologie, Populärpsychologie oder Küchenpsychologie genannt). Los geht es mit Funktionen. Es folgen Merkmale und die Definition, Beispiele und ein Blick auf die Risiken. Zum Schluss geht es um die Frage, warum Menschen so besonders hartnäckig an ihren Gewissheiten und Meinungen über Psychologie festhalten, auch wenn diese noch so falsch sind. Und es gibt die entscheidenden Tipps zum erfolgreichen Umgang mit Alltagspsychologie. …

Alltagspsychologie nutzen wir jeden Tag – welches Geschenk wird jemanden freuen?

Funktionen von Alltagspsychologie

Zunächst zu den Funktionen von Alltagspsychologie. Menschen sind soziale Wesen und darauf angewiesen, andere Menschen und ihr Verhalten interpretieren, verstehen und berechnen zu können. Wem können wir vertrauen? Wem sollten wir Geld leihen? Wen heiraten wir? Das sind typische Entscheidungen, die von jedem zu treffen sind. Es ist somit ganz normal, ja sogar überlebensnotwendig, in gewissem Sinne Psychologe zu sein. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, verwenden Menschen Theorien über das Erleben und Verhalten anderer Personen, im wahrsten Sinne des Wortes laienpsychologische Theorien. Alltagspsychologie erleichtert Entscheidungen im Umgang mit anderen Menschen.

Fazit: Wir alle sind Laienpsychologen, beobachten unsere Mitmenschen und entwickeln Erklärungen für deren Verhalten, versuchen deren Verhalten vorherzusagen und zu berechnen. Die Hauptfunktion von Alltagspsychologie ist also: Menschen nutzen sie als Entscheidungsgrundlage, im Umgang mit ihren Mitmenschen. Glaubt eine Frau zum Beispiel „Männer sind keine guten Psychologen, weil sie so wenig empathisch sind!“, dann wird sie das als Entscheidungsgrundlage nutzen, wenn es um die Auswahl eines Therapeuten geht. Alltagspsychologie in Form von Vorurteilen, wie dem obigen Beispiel reduziert auch Komplexität. Die Welt wird wunderbar einfach und man kann mit gutem Gefühl schnell und bequem Entscheidungen treffen.

Ein typisches Beispiel, wie Menschenbilder Komplexität reduzieren, ist die Einteilung von Menschen in vier Gruppen durch den General Kurt von Hammerstein-Equord:

„Ich unterscheide vier Arten. Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen. Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab. Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90 % aus und sind für Routineaufgaben geeignet. Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit. Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.“ (zitiert nach Poller, 2010, S. 432)

Für viele Menschen hören sich solche und ähnliche alltagspsychologischen Annahmen überzeugend an und sie übernehmen diese ohne weitere Prüfung, quatschen es voller Überzeugung nach, vermitteln es vielleicht sogar in einem Führungskräftetraining oder schreiben ein populärwissenschaftliches Buch mit dieser „tollen“ Empfehlung zur Auswahl von Führungskräften und weiteren ungemein praktischen „Expertentipps“. Aber ist diese Vorstellung tatsächlich zutreffend? Führen faule aber intelligente Top-Führungskräfte tatsächlich erfolgreicher als intelligente und leistungsorientierte? Sind Leistungsmotivation und Intelligenz überhaupt die wichtigsten Aspekte zur Auswahl von Führungskräften? Was sagen wissenschaftliche Studien dazu?
Menschen sind erstaunlich bereitwillig, psychologische Behauptungen ungeprüft zu übernehmen – und sei es der größte Blödsinn. Dafür halten sie umso hartnäckiger an ihren „Erkenntnissen“ fest, denn es ist schön die Welt zu verstehen, sie sich einfach zu machen.

Es gibt also ein interessantes Phänomen, das Psychologie von anderen Wissenschaften unterscheidet: Die gleichen Personen, die sich niemals anmaßen würden, zu erklären, wie ein Computer funktioniert („Sorry, da habe ich keine Ahnung, frag mal einen Informatiker!“), haben überhaupt keine Hemmung psychologische „Wahrheiten“ und Laienannahmen von selbsternannten Experten für das Verhalten von Kunden oder Mitarbeitern voller Überzeugung zu übernehmen und zu verbreiten. Sie lassen sich Psychologie, wenn man es hart formuliert, von ihrem Frisör erklären. Man kann dieses naive Übernehmen auch mit zwei getrennt arbeitenden Gruppen Studenten simulieren. Einer Gruppe gibt man das scheinbare Forschungsergebnis „Frauen sind wirkungsvollere Führungskräfte als Männer!“. Der anderen Gruppe gibt man das scheinbare Forschungsergebnis „Männer sind wirkungsvollere Führungskräfte als Männer!“. Beide Gruppen sollen Gründe sammeln, warum dieses Ergebnis so auftritt. In beiden Gruppen wird es dann meist viele Personen geben, die sagen „Ist doch sonnenklar, hätte man keine Forschung gebracht, um das zu zeigen!“ .

Als nächstes folgt die Definition von Alltagspsychologie und eine Übersicht über typische Merkmale.

Definition und Merkmale von Alltagspsychologie

Menschen nutzen als Alltagspsychologie, um Entscheidungen im Umgang mit ihren Mitmenschen zu treffen. Entsprechend lautet die Definition von Alltagspsychologie:

Alltagspsychologie sind alle Vorstellungen von Menschen über das Erleben und Verhalten ihrer Mitmenschen und dessen Ursachen, Konsequenzen sowie Möglichkeiten der Beeinflussung, die nicht aus der Wissenschaft kommen.

Daneben hat Alltagspsychologie eine Reihe von Merkmalen, die in der Regel zutreffen – aber nicht in jedem Einzellfall. Typische Merkmale von Alltagspsychologie sind:

  • Herkunft aus Überlieferung, Zeitgeist, Selbsthilfebüchern, Praxisgurus und unwissenschaftlichen Veröffentlichungen (z.B. Zeitungsartikel, populärwissenschaftliche Bücher)
  • auf den ersten oberflächlichen Blick plausibel
  • naives (ungeprüftes) und schnelles Übernehmen und Ausbreiten in sozialen Gruppen
  • geteilt von vielen Menschen (verbreitet)
  • meist wenig Nachdenken und Diskussion darüber (Gewohnheit und naive Anwendung)
  • innerer Widerspruch (verbreitete Vorstellungen miteinander häufig nicht kompatibel)
  • hartnäckiges Bestehen und Festhalten auch bei offenkundigem Scheitern

Diese impliziten Annahmen müssen nicht immer gänzlich falsch sein, sind aber bei empirischer Überprüfung in konkreten Situationen häufig nicht zutreffend, sie hängen stark von Rahmenbedingungen ab. Ein Beispiel zeigt folgender Schaukasten.

Beispiel: Fehlannahmen über Beförderung und Karriere

Alltagspsychologie führt also zu Fehleinschätzungen und falschen Verhalten im Umgang mit anderen Menschen. Wer Alltagspsychologie mit Wissenschaft ersetzt hat klare Vorteile im Wettbewerb, denn er entscheidet besser.

Die folgenden Beispiele für Alltagspsychologie in der Wirtschaft machen das Problem weiter deutlich.

Beispiele für Alltagspsychologie in der Wirtschaft

Auch Entscheider in der Wirtschaft sind als Laienpsychologen aktiv. Welche Motive haben Kunden, Mitarbeiter oder Investoren? Wie treffen Sie ihre Entscheidungen, welche Emotionen und Einstellungen bewegen sie?
So gibt es eine Menge an impliziten psychologischen Annahmen, die Führungskräfte als Grundlage für den Umgang mit Mitarbeitern anwenden. Typische Beispiele für Alltagspsychologie sind etwa folgende Überzeugungen und Vorstellungen:

  • Glückliche Kühe geben mehr Milch!
  • Diamanten entstehen nur unter hohem Druck! (bezogen auf Mitarbeiter)
  • Mehr Gehalt führt zu mehr Leistung!
  • Ohne Fleiß kein Preis: Wer sich reinhängt, macht Karriere!
  • Networker und Vitamin-B entscheiden über die Karriere!
  • Viele Köche verderben den Brei!
  • Multikulturelle Teams sind innovationsfähiger!
  • Vernunft ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um andere Menschen geht. Im Umgang mit Mitarbeitern muss man auf seine Intuition/innere Stimme/das innere Licht hören!
  • Frauen / Männer sind die besseren Führungskräfte!

Ganz ähnliche verbreitete Überzeugungen gibt es natürlich auch im Umgang mit Kunden.

  • Zufriedene Mitarbeiter führen zu zufriedenen Kunden!
  • Mehr Auswahl führt zu mehr Absatz!
  • Preissenkungen führen zu mehr Absatz!

Für die meisten Menschen hört sich zumindest einiges davon sehr vernünftig an. Aber welche verbreiteten Annahmen stimmen tatsächlich?

Der folgende Abschnitt zeigt die Risiken von Alltagspsychologie.

Risiken von Alltagspsychologie

Die Risiken von Alltagspsychologie liegen auf der Hand: Was wenn man stumpf die Empfehlungen von General Kurt von Hammerstein-Equord bei der Personalauswahl umsetzt, weil sie einem so überzeugend erscheinen?

  • Top-Führungspositionen: Personen mit geringer Leistungsmotivation aber hoher Intelligenz
  • mittlere Führungsebene: Personen mit hoher Leistungsmotivation und hoher Intelligenz
  • untere Ebenen: Personen mit niedriger Leistungsmotivation und niedriger Intelligenz
  • Nicht eingestellt bzw. entlassen würden: Personen mit hoher Leistungsmotivation aber geringerer Intelligenz

Ohne genaue empirisch-wissenschaftliche Überprüfung geht man eine ziemliche Wette ein, dass es schon gut laufen wird.

  • Was wenn noch ganz andere Eigenschaften für erfolgreiche Führung wichtig sind? So sind beispielsweise Extraversion, Offenheit für Veränderung, Verträglichkeit und emotionale Stabilität wesentliche Merkmale, die mit Führungserfolg zusammenhängen (Judge et al., 2002).
  • Was wenn Leistungsmotivation generell positiv für den Führungserfolg ist? Es sieht eher danach aus (vgl. Judge et al., 2002).
  • Was wenn die als Argument für die Auswahl der faulen angeführte Nervenstärke auf einer ganz anderen Persönlichkeitsdimension liegt und nichts mit Faulheit zu tun hat? Tatsächlich ist die genannte Nervenstärke in Form von emotionaler Stabilität dem Führungserfolg zuträglich (z.B. Judge et al., 2002). Nur: Nervenstärke ist dem Persönlichkeitsfaktor emotionale Stabilität zuzuordnen, der tatsächlich nichts mit Leistungsmotivation zu tun hat, welche eher auf dem Faktor Gewissenhaftigkeit liegt (Hurtz und Donovan, 2000). Es gibt also sowohl faule als auch fleißige Personen, die nervenstark sind.
  • Was wenn die Idee faule und dumme Personen als Basis (90 Prozent!) zu nutzen, schlechte Ergebnisse produziert? Es sieht danach aus, dass Leistungsmotivation (in Form von Gewissenhaftigkeit) die Leistung von Mitarbeitern durchaus steigert (Hurtz und Donovan, 2000) und mangelnde Intelligenz die Leistung eher gefährdet (z.B. Schmidt, 2002). Die Maßnahme hier nur dumme und faule Personen auszuwählen, dürfte also stark nach hinten losgehen.

Erst ein empirisch gestützter, wissenschaftlicher Blickwinkel zeigt also klar Risiken und Chancen auf und hilft mit zutreffenden Menschenbildern zu arbeiten. So kann viel Blödsinn verhindert werden – nur geht man in der Praxis selten so ran, man arbeitet fröhlich mit seinen lieb gewonnen Menschenbildern.

Besonders anschaulich wird die Unzulänglichkeit der laienpsychologischen Theorien dann, wenn zwei Theorien im deutlichen Widerspruch stehen.
Als Beispiel mag das Bild zweier Führungskräfte dienen.
Führungskraft X hat die Theorie: „Der Mensch ist von Natur aus faul. Ohne Anreize und Sanktionen von außen besteht keine Motivation, die Mitarbeiter werden nicht arbeiten. Mitarbeiter scheuen Verantwortung. Ich muss also als Führungskraft entscheiden, kontrollieren, honorieren und sanktionieren!“ Führungskraft Y hat dagegen die Theorie: „Menschen arbeiten gerne, sie sind von Haus aus motiviert und suchen Verantwortung. Ich muss den Mitarbeitern Freiraum geben, damit sie sich entfalten können und motiviert arbeiten!“

Wir alle kennen Personen, die mehr oder minder dem einen oder anderen Extrem zugehörig sind. Sicher sind aber beide Theorien nicht als Grundlage geeignet, um optimale Entscheidungen als Führungskraft zu treffen. Dennoch werden die betreffenden Personen ihre laienpsychologischen Überzeugungen wenn überhaupt nur sehr selten in Frage stellen und vielleicht auch mehr oder weniger ausreichend erfolgreich mit ihren Prinzipien führen. Führungskraft X wird beispielsweise häufig abhängige Mitarbeiter haben, die vor jeder Entscheidung nachfragen, was zu tun ist und tatsächlich nur tun, was explizit verlangt ist. Die Mitarbeiter hatten auch keine Chance sich bei dem Führungsstil zu entwickeln, zudem sind Personen mit hoher intrinsischer Motivation abgewandert. Somit wird sich Führungskraft X bestätigt fühlen, man spricht hier auch von sich selbst erfüllender Prophezeiung.

Dieses Phänomen, dass sich alltagspsychologische Annahmen oft selbst bestätigen, vertieft der nächste Abschnitt.

Warum man mit Alltagspsychologie (scheinbar) recht behält

Alltagspsychologische Überzeugungen halten sich oft hartnäckig bei den betroffenen Personen. Das hat mehrere Gründe.

Komplexität und Subtilität. Erleben ist komplex und nicht direkt beobachtbar. Wenn eine Maschine nicht optimal funktioniert, sieht man das meist sehr direkt und lässt sich gut visualisieren. In der Psychologie ist die Visualisierung meit abstrakter in Form von statistischen Tests. das ist für die meisten Menschen weniger anschaulich und eingängig. Obwohl alltagspsychologische Annahmen meist so nicht zutreffen, werden derartige Annahmen von jedem Menschen spontan bei seinen Entscheidungen ganz bewusst oder unbewusst verwendet und nur sehr selten in Frage gestellt. Da sich Gedanken nicht direkt beobachten lassen, und Verhalten sich auf verschiedenste Ursachen zurückführen lässt, werden auch noch so unzutreffende Laientheorien oftmals aufrecht erhalten.

Kompetenzillusion. Die selben Menschen, die auf die Frage, wie ein Mikroprozessor funktioniert, keine Antwort kennen und somit vernünftigerweise auch nichts sagen, zögern nicht, sofort das Verhalten von Mitmenschen spontan und mit größter Überzeugung zu „erklären“ und diese „Erklärungen“ jahrelang voller Überzeugung einzusetzen. dazu gehört auch der Hindsight Bias (z.B. Christensen-Szalanski und Willham, 1991). Dieser beschreibt, dass Menschen oft im Nachhinein, wenn ein Ergebnis da ist und die Ursachen klar sind, die Illusion haben „es schon immer gewusst zu haben“ nach dem Motto: „War doch klar, dass der Neue Markt kollabieren musste, er war vollkommen überbewertet!“. Dass die selben schlauen Personen es natürlich im Vornherein versäumt haben Put-Optionen auf den Markt zu kaufen und damit reich zu werden, versteht sich von selbst. Diesem Phänomen stehen auch Forschungsergebnisse der Wirtschaftspsychologie gegenüber. „Karriere hängt zu großen Teilen an irrationalen Faktoren wie Networking, Körpergröße und tiefen Stimmen? Hat doch schon meine Oma immer gewusst.“ – so oder so ähnlich sehen Reaktionen auf wirtschaftspsychologische Forschung oft aus. Interessant wird es, wenn man Menschen nicht ein Ergebnis präsentiert, sondern sie das Ergebnis im Vornherein schätzen lässt. Dann liegen sie meist weit neben dem empirischen Ergebnis.

Hypothesengestützte Wahrnehmung. Menschen nehmen das wahr, was sie erwarten andere Dinge blenden sie gerne aus. Das sieht man wunderbar mit Kippbildern, die verschiedene Dinge zeigen können – etwa einen Mann oder eine Ratte. Wer vorher eine Reihe von Bildern mit Menschen gesehen hat, wird eher einen Mann sehen – wer vorher eine Reihe von Bildern mit Tieren gesehen hat wird eher eine Ratte wahrnehmen. Was mit solchen Beispielen unterhaltsam gezeigt wird, hat ernste Auswirkungen auf alltagspsychologische Überzeugungen. Wer Annahmen wie z.B. Vorurteile gegenüber anderen Menschen hat, wird selektiv Informationen verarbeiten, die diese Annahmen unterstützen (entsprechend der Erwartungen) – gegenteilige Informationen werden ausgeblendet oder anders interpretiert. Auch das führt dazu, dass sich Überzeugungen udn Meinungen zur Psychologie von anderen subjektiv immer wieder zu bestätigen scheinen.

Der letzte Abschnitt gibt die entscheidenden Tipps zum erfolgreichen Umgang mit Alltagspsychologie.

Tipps zur Alltagspsychologie

Je besser unsere Entscheidungsgrundlage ist, desto erfolgreicher sind wir im Umgang mit anderen Menschen. Daher lohnt es sich an seinen inneren Bildern über Mitmenschen zu arbeiten. Alltagspsychologie hört sich also oberflächlich für viele Menschen zunächst überzeugend an. Sie basiert also häufig auf falschen Annahmen, die zu unguten Entscheidungen im Umgang mit anderen Menschen führen und Risiken eröffnen. Dagegen steht eine wissenschaftlich-skeptische Orientierung. Grundsätzlich sollte man fragen auf welcher Datengrundlage eine Annahme beruht. Selbst wenn es eine Grundlage gibt, sollte man genau hinsehen und kritisch fragen:

  • Ist es eine Überzeugung, die den betreffenden Menschen nutzt, weil sie ihr Weltbild und Ego bestätigt, zu ihren Werten und ihrer Ideologie passt, ihnen soziale Anerkennung verschafft?
  • Sind die betreffenden Personen „verliebt“ in ihre Überzeugung oder kritisch distanziert?
  • Handelt es sich nur um einen Einzelfall oder eine halbwegs brauchbare, repräsentative Stichprobe?
  • Wie wurden Daten erhoben? Rein subjektive Wahrnehmung, ein Pseudo-Test oder eine sauber konstruierte wissenschaftliche Methode?
  • Wie wurden die Daten ausgewertet? Saubere Statistik oder Milchmädchenrechnung?
  • Hat man die Daten zulässig interpretiert – beispielsweise eine reine Korrelation nicht als Ursache-Wirkungs-Zusammenhang hingestellt?

Solche und weitere Fragen und eine kritische Distanz zur eigenen lieb gewonnen Überzeugungen sind eine Grundvoraussetzung für wissenschaftliches Denken – und sie laufen dem zu wieder wie die meisten Menschen gerne über psychologische Dinge denken. Daher einige Tipps im folgenden Schaukasten.

Praxistipps

Einer der wichtigsten Gründe, dass ich Alltagspsychologie bestätigt ist vielleicht auch, dass sich Menschenbilder tatsächlich bewahrheiten, wenn lange genug Kontakt zwischen Personen besteht. Dazu mehr im nächsten Kapitel.