3. Wirtschaftspsychologie studieren: Insider-Tipps

Wirtschaftspsychologie ist unser Geschäft. Wir haben über viele Jahre Studienprogramme geleitet, Studierende ausgewählt und Studiengänge mitgestaltet – an öffentlichen und privaten Hochschulen und Universitäten. Hier unsere Erfahrungen rund um Wirtschaftspsychologie studieren. Dieses Kapitel gibt Insider-Informationen, die man sonst meist nicht bekommt, und hilft die richtigen Fragen zu stellen, bevor man sich für ein bestimmtes Studium der Wirtschaftspsychologie entscheidet.
Welches Studium bereitet am besten auf den Beruf als Wirtschaftspsychologe vor? Wie sichert man sich die besten Zukunftschancen? Öffentliche Hochschule oder privater Anbieter? Welche inhaltliche Ausrichtung? Reicht ein Bachelor oder sollte noch ein Master oben drauf? All das sollte gut überlegt sein. …

Wirtschaftspsychologie studieren ist unser Tagesgeschäft: Hier die Insider-Tipps aus jahrelanger Berufserfahrung

Öffentlicher Anbieter vs. privater Anbieter?

Anbieter sind grundverschieden und wohl der wesentlichste Unterschied liegt tatsächlich darin, ob diese öffentlich oder privat sind. Zwischen öffentlichen und privaten Anbietern mit Wirtschaftspsychologie Bachelor oder Wirtschaftspsychologie Master bestehen systematische Unterschiede. Das liegt daran, das öffentliche und private Hochschulen bzw. Universitäten grundlegend verschieden funktionieren, wie folgende Abbildung zeigt.

Wirtschaftspsychologie studieren: Öffentliche und private Hochschulen haben verschiedene Stärken

Natürlich ist es von Einzelfall zu Einzelfall anders und es sind nicht alle öffentlichen oder privaten Anbieter gleich, aber es gibt deutliche Tendenzen:

  • Da private Anbieter als Unternehmen auf dem Markt überleben müssen, sind sie meist kreativer und innovativer, was neue Konzepte anbelangt. Sie gehen voran, was berufsbegleitende Studiengänge anbelangt, Fernstudium und E-Learning. Sie waren auch die ersten, die Wirtschaftspsychologie als eigenständigen Studiengang gestartet haben. Davor gab es diese Ausrichtung nur als Schwerpunkt an universitären Diplomstudiengängen der Psychologie, nicht aber als eigenständigen Studiengang. Wer also besondere Ansprüche an den Ablauf eines Studiums hat, wie etwa berufsbegleitend zu studieren oder von zu Hause aus bzw. aus dem Ausland, der wird bei privaten Anbietern eher ein passendes Angebot finden.
  • Bei privaten Anbietern sind Studierende Kunden, ihre Zufriedenheit steht ganz oben. Das führt auf der einen Seite zu einer stärkeren Orientierung an guter Lehre im Vergleich zu staatlichen Anbietern. Es gibt meist mehr systematische Evaluation von Veranstaltungen und mehr didaktische Ausbildung für die Dozenten. Auf der anderen Seite möchte man die Kunden aber auch nicht verärgern oder verlieren. Teilweise führt das dann zu einer Inflation guter Noten und niedriger Standards – man möchte die Kunden nicht verärgern oder verlieren und hat somit eher Hemmungen z.B. „ein Viertel wegen schlechter Leistungen in Statistik rauszuprüfen“. Bei öffentlichen Anbietern gibt es diese Hemmung weniger, man wird in der Regel mit dem Ministerium Zielvereinbarungen nach Studienbeginnern abschließen – wenn später Studierende wieder „verschwinden“ ist das wenig schmerzhaft. Der Kunde ist hier also letztendlich das Ministerium.
  • Jedes Psychologie-Studium, auch Wirtschaftspsychologie ist ein hartes NC-Fach bei öffentlichen Universitäten und Hochschulen, man kommt nur mit Top-Noten in das Programm, einer von 20 oder mehr Bewerbern (oder noch weniger) bekommt einen Platz.
    Das führt dazu, dass sich tendenziell die leistungsfähigeren Studierenden dort sammeln (und dann dort weiter durch harte Prüfungen selektiert werden). Was natürlich beim einzelnen Studierenden nicht so sein muss (natürlich gibt es auch sehr leistungsstarke Studierende bei privaten Hochschulen), hat in der Gesamtheit doch wichtige Auswirkungen auf das Studium. Insgesamt gibt es im öffentlichen Bereich daher meist ein vergleichsweise leistungsorientiertes Umfeld mit höherem Standard. Wer fit ist und leistungsorientiert, wird sich also dort eher wohl fühlen.
  • Ein weiterer Unterschied: Es gibt keine Studiengebühren bei öffentlichen Anbietern, das verstärkt den Andrang und die Selektion der leistungsstärksten Studierenden nach Abschlussnote.
    Was viele nicht wissen: In Ländern mit schlechter öffentlicher Bildung hat sich der private Hochschul-Sektor oft eine Premium-Position erkämpft (etwa in den USA) – in Deutschland ist es eher umgekehrt. Wer in Studiengängen wie Medizin oder Psychologie nicht aufgenommen wird (weil Noten und Testergebnisse zu schlecht sind), geht hier zu Lande zu privaten Anbietern. Das sehen auch Arbeitgeber in der Regel so.
  • Private Anbieter stehen zudem unter stärkerem Kostendruck, sie sind letztlich Unternehmen und müssen betriebswirtschaftlich denken. Was bedeutet das für ein Studium? Man möchte Inhalte für möglichst viele Studiengänge als Plattform nutzen (das ist effizient). Daher packt man letztendlich eher nur so viel Wirtschaftspsychologie bzw. Psychologie in einen Studiengang, dass dieser gerade noch so akkreditiert wird – und füllt den Rest mit BWL, Sprachen und anderen Soft-Skill-Veranstaltungen, die von Studierenden aus vielen Studiengängen besucht werden. Eine weitere Auswirkung: Professoren sind teuer, geringer qualifizierte Lehrbeauftragte billig – ein privater Anbieter hat daher ein wirtschaftliches Interesse, nur so viele Professoren einzusetzen, wie gerade nötig ist.
  • Öffentliche Anbieter sind oft Universitäten und wollen den Studierenden eine gute Chance bieten, einen Platz in einem der stark nachgefragten staatlichen Master-Programme zu bekommen. Daher gibt es dort meist eine stärkere Grundlagen- und Forschungsorientierung und daraus entspringend tendenziell weniger Praxis-Ausrichtung.

Fazit: Es gibt erhebliche systematische Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Programmen im Bereich der Wirtschaftspsychologie. Man kann nicht pauschal sagen, so oder so ist es besser. Es stellt sich im Einzelfall die Frage, was jemand möchte und welches Angebot für ihn individuell passender ist.

Weiter zur nächsten wichtigen Frage, wenn man Wirtschaftspsychologie studieren möchte: Was ist genau drin im Studium?

Studiengang Wirtschaftspsychologie: Was ist drin in der Verpackung?

Wirtschaftspsychologie ist nicht gleich Wirtschaftspsychologie – zumindest was die Studienangebote angeht. Nicht nur, dass viele Inhalte oft BWL, Nebenfächer, Sprachen oder andere Soft-Skills sind – auch unter dem Label Wirtschaftspsychologie kann eine sehr unterschiedliche Ausrichtung zu finden sein. Oft hat das Studium einen Fokus auf Personalpsychologie, also Inhalte wie Personalauswahl, Führung, Personalentwicklung, Motivation und ähnliches. Andere Studiengänge richten sich auf Kunden und Marketing aus mit Inhalten wie Kommunikationspsychologie, Werbepsychologie, Marketingpsychologie, Preispsychologie und so weiter. Oft heißt die Verpackung nicht einmal Wirtschaftspsychologie, sondern gleich Personalpsychologie, Organisationspsychologie, Medienpsychologie oder Marketingpsychologie, Angewandte Psychologie und vieles mehr.

Es lohnt sich also zu wissen, was man möchte und genau hineinzusehen, was man bekommt.

Wirtschaftspsychologie Bachelor oder Master?

Reicht ein Bachelor in Wirtschaftspsychologie– und wenn ja welcher? Dazu dieser Abschnitt.

  • Ein Bachelor soll berufsqualifizierend sein – was aber ein Wirtschaftspsychologie Bachelor tatsächlich oft nicht ist. Wer nur einen Bachelor machen möchte, der sollte genau hinsehen, was drin ist im Curriculum. Oft ist gerade bei Universitäten sehr viel Grundlagen und wenig Anwendung im Programm. Man wird dann am Arbeitsmarkt mit Mitbewerbern konkurrieren, die ein Mehrfaches an Credit-Points in einschlägigen Inhalten absolviert haben. Konkret würde man sich beispielsweise also auf Stellen im Personalmanagement bewerben, hatte aber nur acht Semesterwochenstunden einschlägige Inhalte und seine Bachelorarbeit. Man tritt dann gegen Wettbewerber an, die ggf. einen Bachelor voll ausgerichtet in HR-Management besucht haben und fünf Mal mehr Creditpoints einschlägige Inhalte belegt haben.
    Fazit: Wer nur möglichst schnell berufsfähig sein und losarbeiten möchte, der sollte ggf. eher an einer privaten FH einen sehr praxisorientierten Bachelor absolvieren. Wer eine solide wissenschaftliche Ausbildung haben will und sich einfach für Psychologie interessiert, sollte an einer Universität (mit etwas Abschlag) öffentlichen Hochschule einen Bachelor belegen. Berufsfähigkeit kann man dann mit einem spezialisierten Master nachliefern – und man hält sich eine bessere Möglichkeit zu promovieren offen, falls man einen Doktortitel und mehr wissenschaftliche Expertise möchte.
  • Wer noch einen Wirtschaftspsychologie Master besuchen will und ggf. promovieren, muss anders herangehen: Doktoranden sollen wissenschaftlich arbeiten, forschen und veröffentlichen. Sie werden nach dieser Eignung von den Betreuern an den Lehrstühlen ausgewählt. Darauf bereitet ein Bachelor und Master an einer staatlichen Universität oder (mit etwas Abschlag) öffentlichen Hochschule am besten vor. Private Anbieter sind dafür meist wenig geeignet, die Absolventen haben schlechte Karten, ausgewählt zu werden – erstens weil sie weniger für Forschung qualifizert sind, zweitens weil die öffentlichen Anbieter ihre eigenen Studierenden aus dem Bachelor unterbringen wollen. Natürlich vermitteln Hochschulen bei der Rekrutierung von neuen Studierenden einen anderen Eindruck nach dem Motto „Natürlich können Sie mit unserem Bachelorabschluss/Masterabschluss bei einer staatlichen Universität einen Master/ein Promotionsprogramm besuchen!“. Formaljuristisch ist das so auch richtig – praktisch hat man schlechte Chancen. Es empfiehlt sich im Beratungsgespräch konkret zu fragen, welche Lehrstühle in Deutschland gerade ehemalige Studierende bei ihrer Promotion betreuen – oft keiner oder sehr wenige. Teilweise haben private Anbieter daher im Ausland eigene Promotionsprogramme aufgebaut, die aber wieder Geld kosten und von der Reputation fraglich sind.

Fazit: Wer nach einem Bachelor gleich losarbeiten möchte, ist ggf. an einer privaten Fachhochschule oft besser aufgehoben, da es in der Regel stärkeren Praxisbezug und BWL in der Auswahl der Inhalte gibt. Wer solide wissenschaftlich ausgebildet werden will, sich mehr für Grundlagen und Psychologie interessiert, sowie in Richtung Master oder Promotion an einer öffentlichen Universität/Hochschule denkt, wird sich für einen Bachelor bei einem öffentlichen Anbieter entscheiden.

Wirtschaftspsychologie studieren: Tipps

Diese fokussierte Aufstellung nach Insider-Kenntnissen macht eines klar: Es gibt nicht das richtige Studium an sich, es kommt darauf an, wer man ist, was man kann und wohin man möchte. Dazu gilt es, sich als erstes Klarheit zu verschaffen und sich selbst zu fragen:

  • Welche Studierenden mit welchem Leistungsstandard möchte ich mit mir im Programm haben, wie leistungsorientiert bin ich?
  • Kann und will ich mir Studiengebühren leisten?
  • Was ist drin im Curriculum, wie viel davon ist wirklich Psychologie?
  • Was interessiert mich mehr – Praxis oder Grundlagen?
  • Führt die inhaltliche Ausrichtung mich beruflich eher in Richtung Personal oder in Richtung Marketing und Kommunikation?
  • Welche Veranstaltung wird von hauptamtlichen Professoren unterrichtet, welche von Lehrbeauftragten mit geringerer Qualifikation?
  • Möchte ich nach dem Bachelor gleich losarbeiten?
  • Ist es mir wichtig, später einen Master bei einem öffentlichen Anbieter zu besuchen (etwa weil ich promovieren möchte und keine Lust auf Studiengebühren habe)?

Sobald man diese Fragen beantwortet hat, kann man mit dieser Struktur auf die verschiedenen Angebote blicken und eine gute Entscheidung treffen. Es lohnt sich, dass man genau hinsieht und kritisch nachfragt bei den Anbietern. Es führt kein Weg daran vorbei, sich jedes einzelne Programm genau anzusehen.

Warum braucht es eigentlich überhaupt Wirtschaftspsychologen, kann man das nicht alles mit gesundem Menschenverstand regeln? Dazu das nächste Kapitel.