Führung: Vertrauen aufbauen, Misstrauen überwinden

Vertrauen ist Erfolgsgrundlage für jede Beziehung – das gilt besonders für die Mitarbeiterführung. Vertrauen sorgt dafür, dass Menschen Dir mit positiven Erwartungen begegnen. Und das verbessert ihr Verhalten und ihre Reaktionen Dir gegenüber radikal. Es ist wie ein Schmiermittel, das jede Kommunikation, jede Entscheidung, jede Interaktion fördert. Ein Mangel wirkt sich dagegen aus wie Sand im Getriebe, der alles aufwändig macht, bremst, verzögert, erstickt. In anderen Worten: Führung bedeutet am Ende Menschen zu bewegen, zu beeinflussen. Mit Vertrauen steigerst Du die Aufnahmebereitschaft Deiner Mitarbeiter dafür.
Deshalb hält nahezu jede Führungskraft Vertrauen für wichtig. Aber wenn es konkret wird, fehlt oft die Orientierung: Wie soll man so einen „weichen“ Faktor erfolgreich handhaben? Was ist die Psychologie und Wissenschaft dahinter? Nach welchen Regeln und Gesetzen funktioniert Vertrauen?
Hier setzt dieser Beitrag an. Er liefert eine klare Definition und zeigt, wie Du systematisch Vertrauen aufbauen kannst. Das Kapitel macht deutlich, dass die Kosten von Misstrauen sehr real sind – etwa nach einem Vertrauensbruch. Es macht deutlich, welche positiven Konsequenzen eine Vertrauenskultur für Führung und Zusammenarbeit hat. Und Du erfährst, wie Du ein Klima voller Misstrauen erkennst und änderst. Der Beitrag gibt Dir die entscheidenden Tipps, mit welchen Ansätzen und Methoden Du als Führungskraft bei Mitarbeitern Vertrauen gewinnen kannst. …

Vertrauen aufbauen: Vertrauen entsteht, wenn Du berechenbar im Interesse der anderen handelst

Vertrauen: Definition und Psychologie

Was ist Vertrauen? Hier die Definition. Es gibt eine Vielzahl von Konzeptionen zum Begriff Vertrauen, da es ein Begriff aus der Umgangssprache ist. Psychologie definiert Vertrauen folgendermaßen:

Vertrauen ist die Erwartung einer Person, dass andere Menschen berechenbar im Interesse dieser Person handeln.

Vertrauen ist also eine Erwartung für das zukünftige Verhalten anderer Menschen. Diese fördert die Bereitschaft, sich in Situationen zu begeben, in denen man verletzlich ist – oder eben nicht, wenn man kein Vertrauen hat. Da es um die Erwartung von Verhalten anderer Menschen geht, ist auch klar, dass es eine Vielzahl von Bedingungen für Vertrauen gibt: Etwa die wahrgenommene Kompetenz dieser anderen Personen, die Motive, die man bei ihnen annimmt oder vergangene Erfahrungen mit diesen Menschen.

Irrtümer und Fehlvorstellungen

Was bedeutet das für den Kontext der Mitarbeiterführung? Das Vertrauen Deiner Mitarbeiter ist also die Erwartung, dass Du als Führungskraft berechenbar in ihrem Interesse handelst. Mit dieser Gewissheit sind Deine Mitarbeiter zunehmend bereit, eigene Risiken einzugehen, wie etwa persönliche Informationen preisgeben, Dich frühzeitig auf einen Fehler oder ein Problem aufmerksam zu machen, einen Vorschlag mit Einsparpotenzial bei den Mitarbeitern zu machen oder einer versprochenen Beförderung oder Karriereoption zu glauben. Deshalb ist Vertrauen ein sehr wesentlicher Aspekt für Zusammenarbeit.

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Die konkreten Vorteile von Vertrauen schildert der nächste Abschnitt.

Vertrauen: Vorteile bei der Führung

Vertrauen ist ein wichtiger Baustein für Deine Führung. Es ist ein Schmiermittel, das Führung einfacher und viel viel schneller macht. Misstrauen ist dagegen eine Belastung, die alles langsam macht und abwürgt, auf Kontrolle und Absicherung (z.B. Verträge) setzt. Diese ganz konkreten Vorteile bei der Führung bietet Dir eine Vertrauenskultur:

  • eine bessere Beziehung mit Deinen Mitarbeitern und damit mehr Einflussmöglichkeit,
  • weniger Feindseligkeit und Konflikte im Team,
  • größere Akzeptanz bei Veränderungen,
  • Deine Mitarbeiter gehen eher in Vorleistung,
  • geringerer Aufwand für Kontrolle,
  • weniger Notwendigkeit von Druck (etwa unmittelbare Belohnungen und Sanktionen als Anreize von außen),
  • effektivere Kommunikation mit den Mitarbeitern, da diese stärker auf die Inhalte reagieren (Glaubwürdigkeit),
  • bessere Aufnahme von negativer Rückmeldung und Kritik, da Deine Mitarbeiter an Deine gute Ansicht glauben,
  • klarer und unverzerrter Informationsfluss von den Mitarbeitern zu Dir (auch die brisanten Informationen erreichen Dich dann, bei denen viele Mitarbeiter sonst Angst haben, diese zu äußern),
  • bessere Kooperation der Mitarbeiter durch mehr Vertrauen im gesamten Team untereinander,
  • stärkerer Zusammenhalt im Team durch die Vertrauenskultur.

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter! Es gibt nur wenig, mit dem Du das Verhalten Deiner Mitarbeiter so grundlegend beeinflusst. Führung ist ein Prozess der sozialen Beeinflussung – und ohne Vertrauen bei den Mitarbeitern gelingt Dir das nur schwer. Ohne Vertrauen gibt es keine gute Beziehung. Und ohne gute Beziehung wird es für Dich mit dem Beeinflussen schwer, denn Mitarbeiter verlassen sich dann nicht auf Deine Aussagen, sichern sich ab und gehen nicht in Vorleistung. Wo kein Vertrauen besteht, bist Du als Führungskraft daher schnell auf permanente Kontrolle und Druck von Außen angewiesen. Das ist aufwändig, menschlich oft unangenehm und teuer. Und es funktioniert oftmals nicht mehr, da Aufgaben komplexer werden, Führungskräfte weniger Transparenz haben und weniger Macht über ihre oft hoch qualifizierten Mitarbeiter. Daher ist die Anwesenheit oder Abwesenheit von Vertrauen zentral für Deinen Führungserfolg.

Der nächste Abschnitt beschreibt, wie sich Misstrauen in der Führungskultur äußert.

Misstrauen, Vertrauensmissbrauch und Vertrauensbruch

Deine Kommunikation mit den Mitarbeitern und Führung kann erst auf der Basis von Vertrauen glaubwürdig und effektiv sein. Trotz der genannten Vorteile von Vertrauen ist das Vertrauensklima zwischen Führungskräften und Mitarbeitern aber oftmals nicht besonders hoch ausgeprägt. Das bringt Nachteile.

Woran kannst Du erkennen, das ein Klima von Misstrauen besteht? Typische Symptome von Misstrauen und Vertrauensbruch sind dann

  • permanente Kontrollversuche der Führungskraft etwa durch Anwesenheitspflicht oder den Drang in alle Emails eingebunden zu sein,
  • autoritäres und kontrollierendes Entscheidungsverhalten der Vorgesetzten ohne viel Eigenverantwortung und Entscheidungsspielraum für die Mitarbeiter,
  • andauernde Meetings zur Information und
  • ständiges Nachfragen nach dem Stand von Projekten.

Das Ergebnis so einer Überwachungskultur ist offensichtlich. Es entsteht viel Aufwand, ineffiziente Prozesse und Demotivation auf allen Seiten.

Vertrauen ist also Alternativlos. Daher im Folgenden die wichtigsten Tipps für mehr Vertrauen am Arbeitsplatz.

Vertrauen aufbauen: Tipps für Führungskräfte

Das Kapitel hat klar die Vorteile einer Vertrauenskultur gezeigt. Zu Recht fragst Du Dich jetzt vielleicht: „O.k. Vertrauen ist wichtig und alternativlos, wenn ich wirksam führen möchte. Nur: Wie kann man Vertrauen aufbauen? Nach welchen Gesetzen funktioniert Vertrauen?“

Vorneweg: Vertrauen ist eine positive Erwartung Deiner Mitarbeiter an Dich. Und mit den vorangehenden Kapiteln hast Du Dir, wenn Du diese umsetzt, bereits ein sehr gutes Fundament für Vertrauen geschaffen:

  1. Du hast erstens Deine Führungspersönlichkeit entwickelt. Deine Mitarbeiter erleben Dich als jemanden, der kompetent ist, an den gemeinsamen Erfolg glaubt, Selbstsicherheit und die richtige Emotion ausstrahlt – und auch noch attraktiv ist. Das sind gute Anknüpfungspunkte für Vertrauen.
  2. Zudem hast Du Deine Wirkung als Vorbild perfektioniert. Deine Mitarbeiter sehen, wie Du konsistent nach den Ansprüchen und Regeln lebst, die Du auch von ihnen erwartest.
  3. Du kennst und berücksichtigst die Gesetze der Sympathie. Deine Mitarbeiter mögen Dich.

Auf dieser soliden Basis fällt es Dir jetzt leicht, mit weiteren ganz konkreten Maßnahmen die Vertrauenskultur bei Euch im Team weiter zu stärken.

Im Folgenden die wesentlichen Tipps für mehr Vertrauen am Arbeitsplatz.

Praxistipps

Der letzte Abschnitt gibt Literaturhinweise zur weiteren Vertiefung.

Vertrauen: Literatur

Hier ein paar aktuelle Literatur-Tipps zum Aufbau von Vertrauen.

Tipp
Vertrauen entscheidet: Die vergessene Basis der Führung (Haufe Fachbuch)
  • Heimsoeth, Antje (Autor)
  • 248 Seiten - 15.08.2019 (Veröffentlichungsdatum) - Haufe (Herausgeber)
Tipp
Vertrauen führt: Worauf es im Unternehmen wirklich ankommt
  • Sprenger, Reinhard K. (Autor)
  • 192 Seiten - 13.08.2007 (Veröffentlichungsdatum) - Campus Verlag (Herausgeber)
Tipp
Vertrauen und Führung: Vertrauen als Schlüssel zum Führungserfolg (Whitebooks)
  • Laufer, Hartmut (Autor)
  • 152 Seiten - 01.02.2007 (Veröffentlichungsdatum) - GABAL (Herausgeber)

Vertrauen ist eine wichtige Basis für erfolgreiche Kommunikation. Und genau darum, um erfolgreiche Kommunikation als Führungskraft, geht es in den nächsten Kapiteln.