16. Richtig loben: Motivieren mit Lob und Anerkennung

Lob und Anerkennung sind wichtige Instrumente, um Mitarbeiter zu motivieren. Lob von der Führungskraft als positiver Reiz steigerte die Leistung in Experimenten in Unternehmen um über 20 Prozent (Stajkovic und Luthans, 2001). Wie aber richtig loben? Davon handelt dieses Kapitel.

Kritik äußern Menschen oft eher und häufiger als Lob. Viele Führungskräfte loben entsprechend kaum oder sogar fast gar nicht, selbst wenn sie mit der Leistung eines Mitarbeiters zufrieden sind. Diese Führungskräfte verfahren frei nach dem Motto: „Nicht getadelt ist gelobt genug!“ Damit verzichten Vorgesetzte sozusagen freiwillig auf dieses Motivationsinstrument.

Andere Menschen loben fast alles, beispielsweise als Eltern (oder auch Führungskräfte in bestimmten Kulturkreisen). Dadurch wird das Lob natürlich entwertet. Zusätzlich verliert allgegenwärtiges undifferenziertes Lob die Funktion, Verhalten gezielt zu steuern, weil es für nahezu jede Richtung des Verhaltens ausgesprochen wird. Solches Lob stiftet dann eher Verwirrung als gezielte Motivation.

Aber ist das so schlimm, auf welche Vorteile verzichtet man, wenn man nicht oder nicht richtig lobt? Der nächste Abschnitt zeigt die Vorteile von Lob als Führungsinstrument.

Vorteile von Lob als Führungsinstrument

Lob und Anerkennung haben einige Vorteile, auf die man nicht verzichten sollte, wenn man Mitarbeiter motivieren möchte.

  • Anerkennung ist ein positiver Anreiz, der Verhalten in einer Richtung verstärken kann, wenn er nach dem Verhalten erfolgt (Saks, 2006).
  • Darüber hinaus kann Verhalten sogar ausgelöst werden, von der Erwartung Lob und Anerkennung zu bekommen.
  • Positive Rückmeldung stärkt das Selbstvertrauen und das Gefühl, etwas bewegen zu können (Selbstwirksamkeit).
  • Lob und Anerkennung haben sehr geringe Kosten. Sie kosten „nur“ ein wenig Zeit (im Gegensatz zu materiellen Anreizen, die meist viel Geld kosten).
  • Bei richtigem Loben gibt es weniger Gewöhnung und Abnutzung der Wirkung als bei anderen Anreizen (wie etwa Geld).
  • Lob und Anerkennung untergraben nicht die intrinsische Motivation an einer Aufgabe (Deci, Koestner und Ryan, 1999).
  • Lob und Anerkennung sind eines der Führungsinstrumente, das auch Kollegen einsetzen können (Bakker et al., 2007). Selbst Mitarbeiter können ihre Vorgesetzten loben und damit deren Verhalten beeinflussen.
  • Lob lässt sich gut mit Feedback verbinden. So erfahren die Mitarbeiter aus der Rückmeldung genau, was sie gut gemacht haben, warum sie es gut gemacht haben und welche Auswirkungen das hatte. Durch diesen Informationsreichtum von Lob sind die Lerneffekte höher, als bei anderen Anreizen (wie etwa Geld auf das Konto am Ende des Monats).

Lob und Anerkennung haben also eine Menge Vorteile – wenn sie richtig eingesetzt werden. Um diesen richtigen Einsatz geht es im nächsten Abschnitt.

Richtig loben: Regeln für Lob und Anerkennung

Um richtig zu loben, sollte zuerst die Frage beantwortet werden, wann ein Lob überhaupt berechtigt ist. Ein Lob ist auch eine Botschaft zwischen den Zeilen, was man jemandem zutraut. Werden wenig anspruchsvolle Verhaltensweisen gelobt, dann ist die Botschaft: „Viel traue ich dir nicht zu!“ Welches Lob ist aber berechtigt? Hier gilt die Regel: Nur für die betreffende Person anspruchsvolle Verhaltensweisen und Ergebnisse loben. Ein Lob kann durchaus auch berechtigt sein, wenn ein Ergebnis nicht befriedigend ist. Hier kann man beispielsweise den Einsatz und die Anstrengung von Mitarbeitern loben und damit zeigen, dass man diese wahrnimmt und wertschätzt.

Positives Feedback sollte einige Regeln beachten, um optimal auf die Motivation zu wirken.

Beiträge und Verhalten aktiv ermutigen

Verhalten beschreibendes Lob

eigenes Gefühl mitteilen

positive Formulierung

möglichst zeitnah nach dem Verhalten

Praxistipps

Lob und Anerkennung helfen also nicht zuletzt Verhalten aufzubauen und gute Gewohnheiten zu festigen. Aber es gibt nicht nur gute Gewohnheiten, die uns und unsere Mitarbeiter beherrschen. Das nächste Kapitel zeigt die Macht der Gewohnheit und wie diese, Menschen und deren Motivation im Griff hat.