21. Lob: Richtig loben für maximale Wirkung

Lob und Anerkennung sind wichtige Instrumente, um Mitarbeiter zu motivieren. Lob von der Führungskraft als positiver Reiz steigerte die Leistung in Experimenten in Unternehmen um über 20 Prozent (Stajkovic und Luthans, 2001). Wie aber richtig loben? Davon handelt dieses Kapitel. Es zeigt Beispiele und typische Fehler in der Praxis, zeigt die Vorteile dieses Führungsinstrumentes und gibt die entscheidenden Regeln und Tipps, für hohe Wirkung. …

Richtig loben: Lob ist ein wirksames Führungsinstrument – wenn man die Regeln kennt
Richtig loben: Lob ist ein wirksames Führungsinstrument – wenn man die Regeln kennt

Lob: Beispiele und Fehler in der Praxis

Um Missverständnissen vorzubeugen: Lob und Anerkennung bezieht sich in diesem Kapitel, so wie meist in der Umgangssprache verwendet, einfach auf positive Rückmeldung – nicht auf Anerkennung im Sinne von Akzeptanz und allgemeiner Wertschätzung oder Lob im Sinne von Lobpreisen und verehren (z.B. lobet den Herrn).

Hier einige typische Beispiele, wie Lob in der Praxis aussieht – und falsch angewendet wird.

Kritik äußern Menschen oft eher und häufiger als Lob. Viele Führungskräfte loben entsprechend kaum, selbst wenn sie mit der Leistung eines Mitarbeiters zufrieden sind. Diese Führungskräfte verfahren frei nach dem Motto: „Nicht getadelt ist gelobt genug!“ Damit verzichten diese Vorgesetzten sozusagen freiwillig auf dieses Motivationsinstrument.

Manche Menschen loben auch fast alles, beispielsweise als Eltern (oder auch Führungskräfte in bestimmten Kulturkreisen). Dadurch wird das Lob natürlich entwertet. Zusätzlich verliert allgegenwärtiges undifferenziertes Lob die Funktion, Verhalten gezielt zu steuern, weil es für nahezu jede Richtung des Verhaltens ausgesprochen wird. Solches Lob stiftet dann eher Verwirrung als gezielte Motivation.

Mitarbeiter wirksam motivieren: Mitarbeitermotivation mit der Macht der Psychologie

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Ihr Vorsprung bei Mitarbeitermotivation.

Andere Menschen loben sehr abstrakt nach dem Prinzip „Toll gemacht!“. So erhalten die Mitarbeiter natürlich reichlich wenig Information, was eigentlich so toll war und warum und können nicht viel daraus lernen.

In den Tipps am Schluss des Kapitels finden sich noch mehr Fehler beim Loben, die es zu vermeiden gilt.

Aber ist das so schlimm, auf welche Vorteile verzichtet man, wenn man nicht oder nicht richtig lobt? Der nächste Abschnitt zeigt die Vorteile von Lob als Führungsinstrument.

Mitarbeiter loben: Vorteile als Führungsinstrument

Was sind die Vorteile von Lob als Führungsinstrument? Positive Rückmeldung hat Vorteile, auf die man nicht verzichten sollte, wenn man Mitarbeiter motivieren möchte. Das sind einmal die direkten Wirkungen von Lob und Anerkennung:

  • Lob ist ein positiver Anreiz, der ein gewünschtes Verhalten verstärken kann, wenn er danach erfolgt (Saks, 2006).
  • Darüber hinaus kann gewünschtes Verhalten sogar ausgelöst werden, von der Erwartung Lob und Anerkennung zu bekommen.
  • Positive Rückmeldung stärkt das Selbstvertrauen und das Gefühl, etwas bewegen zu können (Selbstwirksamkeit).
  • Lob führt zu Lerneffekten, denn es lässt sich gut mit Feedback verbinden. So erfahren die Mitarbeiter aus der Rückmeldung genau, was sie gut gemacht haben, warum sie es gut gemacht haben und welche Auswirkungen das hatte. Durch diesen Informationsreichtum von Lob sind die Lerneffekte höher, als bei anderen Anreizen (wie etwa Geld, das am Ende des Monats auf dem Konto landet).

Neben den direkten Wirkungen gibt es noch weitere Vorteile von Lob und Anerkennung:

  • Lob hat sehr geringe Kosten. Es kostet „nur“ ein wenig Zeit (im Gegensatz zu materiellen Anreizen, die meist viel Geld kosten).
  • Bei richtigem Loben gibt es weniger Gewöhnung und Abnutzung der Wirkung als bei anderen Anreizen (wie etwa Geld).
  • Lob und Anerkennung untergraben nicht die intrinsische Motivation an einer Aufgabe (Deci, Koestner und Ryan, 1999).
  • Lob und Anerkennung sind eines der Führungsinstrumente, das auch Kollegen einsetzen können (Bakker et al., 2007). Selbst Mitarbeiter können ihre Vorgesetzten loben und damit deren Verhalten beeinflussen.

Lob und Anerkennung haben also eine Menge Vorteile – wenn sie richtig eingesetzt werden. Um diesen richtigen Einsatz geht es im nächsten Abschnitt.

Wirksam loben: Regeln für Lob und Anerkennung

Richtiges Lob ist wirksames Lob. Dieser Abschnitt zeigt, worauf es ankommt.

Um richtig zu loben, sollte zuerst die Frage beantwortet werden, wann ein Lob überhaupt berechtigt ist. Ein Lob ist auch eine Botschaft zwischen den Zeilen, was man jemandem zutraut. Werden wenig anspruchsvolle Leistungen gelobt, dann ist die Botschaft: „Viel traue ich dir nicht zu!“ Welches Lob ist aber berechtigt? Hier gilt die Regel: Nur für die betreffende Person anspruchsvolle Verhaltensweisen und Ergebnisse loben. Ein Lob kann durchaus auch berechtigt sein, wenn ein Ergebnis nicht befriedigend ist. Hier kann man beispielsweise den Einsatz und die Anstrengung von Mitarbeitern loben (das Verhalten) und damit zeigen, dass man diese wahrnimmt und wertschätzt.

Positives Feedback sollte einige Regeln beachten, um optimal auf die Motivation zu wirken.

Beiträge und Verhalten aktiv ermutigen
Ein Lob funktioniert natürlich nur, wenn vorher das betreffende Verhalten stattgefunden hat. Dazu können Führungskräfte beitragen – etwa indem Sie Mitarbeiter aktiv zu Beiträgen auffordern und einladen. Diese Kombination aus Auffordern des Verhaltens und anschließendem Lob hat sich als besonders wirksam herausgestellt (Nembhard und Edmondson, 2006).

Verhalten beschreibendes Lob
Nehmen wir an, eine Mitarbeiterin hat sich auf einen Termin beim Kunden sehr intensiv vorbereitet. Sie konnte mit dem umfangreichen Hintergrundwissen gut argumentieren und hat entscheidend dazu beigetragen, ein Projekt zu akquirieren. Möchte man die motivierenden Eigenschaften von Lob nutzen, dann sollte man hier konkretes Verhalten loben, nicht Eigenschaften. Lob in der Form wie beispielsweise „Toll!“ oder „Prima, das war wirklich clever!“ verzichtet auf viel Wirkung am konkreten Verhalten. Eigenschaften wie „clever“ lassen sich schwer ändern, konkretes Verhalten lässt sich aber leicht verändern. Gut sind daher konkret beschreibende Formulierungen wie „Sie haben sich wirklich umfangreich vorbereitet, alle relevanten Informationen recherchiert und viele Gedanken dazu gemacht! So konnten wir den Kunden für das Projekt gewinnen. Prima!“ Mitarbeiter lernen dadurch, was den Vorgesetzten wichtig ist und wie sie Leistungen bewerten.

eigenes Gefühl mitteilen
Ein Lob sollten nicht nur sachlich beschreibend sein, sondern auch Emotionen beinhalten, um zu wirken. Welche positiven Gefühle und Gedanken löst das Verhalten des Mitarbeiters aus? Damit wird das Lob zusätzlich glaubwürdiger und wirksamer. So könnte das oben angeführte beschreibende Lob entsprechend emotional erweitert werden mit „Das freut mich sehr. Für mich hat es sich wirklich gelohnt, mitzukommen!“

positive Formulierung
Positive Formulierungen sind überlegen. Negative Formulierungen beinhalten schnell eine versteckte Kritik und lenken die Gedanken in eine negative Richtung. Zudem sind negative Formulierungen schwerer zu verarbeiten. Die Aussage „Es gab beim Treffen mit den Kunden überhaupt keine Frage, die wir nicht gut beantworten konnten!“ sollte daher beispielsweise umformuliert werden in „Beim Treffen mit den Kunden konnten wir alle Fragen sehr gut beantworten!“

möglichst zeitnah nach dem Verhalten
Lob und Anerkennung sind letztendlich positive Konsequenzen für ein Verhalten. Nach den Forschungsergebnissen zur operanten Konditionierung wirken Konsequenzen umso stärker auf die zukünftige Motivation, je näher diese Konsequenzen zeitlich nach dem gewünschten Verhalten eintreten. Ein Lob sollte daher möglichst zeitnah nach dem betreffenden Verhalten erfolgen.

Die folgende Abbildung zeigt nochmal die Regeln für Lob und die Auswirkungen im Überblick.

Richtig loben: Lob ist ein wirksames Führungsinstrument

Man kann also viel richtig machen beim Lob. Und man kann auch viel falsch machen. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Richtig loben: Tipps für Lob

Die Tipps im Anschluss behandeln die wichtigste Fehler, die es zu vermeiden gilt.

Praxistipps

Lob und Anerkennung helfen also nicht zuletzt dabei, Verhalten aufzubauen und gute Gewohnheiten zu festigen. Aber es gibt nicht nur gute Gewohnheiten, die uns und unsere Mitarbeiter beherrschen. Das nächste Kapitel zeigt die Macht der Gewohnheit – und wie diese Mitarbeiter und deren Motivation im Griff hat.