4. Validität als Gütekriterium

Dieses Kapitel definiert Validität als Gütekriterium, stellt verschiedene Arten von Validität vor und liefert Tipps, wie Validität erhöht werden kann.

Validität ist das wichtigste der drei klassischen Gütekriterien und wird folgendermaßen definiert:.

Validität bezeichnet die Gültigkeit einer Messung, d.h. ob überhaupt das gemessen wurde, was gemessen werden sollte.

Es liegt auf der Hand, dass ohne Objektivität und Reliabilität auch nicht das gemessen werden kann, was man messen will. Störeinflüsse bei der Durchführung, Auswertung oder Interpretation von Ergebnissen gefährden die Validität der Messung oder gesamten Studie ebenso wie ungenaue Messinstrumente. In so fern sind Objektivität und Reliabilität als Voraussetzungen für Validität zu betrachten. Doch Validität geht über die bloße Gewährleistung von Objektivität und Reliabilität hinaus.

Inhaltsvalidität und Konstruktvalidität

Validität hängt an der inhaltlichen Deckung von zu messendem Konstrukt und verwendetem Testinstrument. Soll zum Beispiel Kundenvertrauen im Mobilfunkbereich gemessen werden, so sollten alle wesentlichen Treiber und Komponenten des Kundenvertrauens im Test enthalten sein. Auf der anderen Seite sollte nichts unwesentliches, was nichts mit Vertrauen zu tun hat, enthalten sein. Diese Repräsentativität für einen Inhaltsbereich bezeichnet man als Inhaltsvalidität. Folgende Abbildung (vgl. Neumann, 2003a) zeigt, dass Inhaltsvalidität maximal ist, wenn der Anteil an relevanten Determinanten des Konstruktes im Indikator (Messinstrument) maximal ist und der Anteil irrelevanter Determinanten im Indikator minimal ist. Je größer die Schnittmenge aus Indikator und zu messendem Konstrukt, desto größer die Inhaltsvalidität.

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Abbildung: Determinanten der Inhaltsvalidität (vgl. Neumann, 2003a)

Eng mit der Inhaltsvalidität verknüpft ist die Konstruktvalidität, die empirisch erfasst werden kann. Konstruktvalidität ist gegeben, wenn ein Testinstrument einerseits stark mit Tests korreliert, die das selbe theoretische Konstrukt (z.B. Vertrauen) messen sollen und andererseits niedrig mit Testinstrumenten korreliert, die etwas gänzlich anderes messen sollen.

Kriteriumsvalidität

Eine etwas andere Auffassung von Validität spiegelt sich im Begriff Kriteriumsvalidität wieder. Diese bezieht sich darauf, ob ein Test mit interessanten und theoretisch damit verknüpften Außenkriterien zusammenhängt. Insbesondere für die Anwendung ist dies eine entscheidende Frage zur Beurteilung der Qualität eines Instrumentes. Am Beispiel Kundenvertrauen im Mobilfunkbereich bedeutet Kriteriumsvalidität, dass ein entsprechendes Messinstrument mit Außenkriterien wie der Bereitschaft Kunde zu werden bei potenziellen Kunden, Kundenbindung bzw. Vertragsverlängerung bei Bestandskunden, Cross-Buying von anderen Angeboten (DSL und Handyzubehör) oder Weiterempfehlung an Freunde und Bekannte zusammenhängen sollte. Hat ein Test höhere Kriteriumsvalidität als bisher vorhandene Instrumente bezeichnet man dies als inkrementelle Validität.

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Abbildung: Arten der Kriteriumsvalidität

Kriterien können mit einem Testinstrument entweder zum selben Zeitpunkt erhoben werden (konkurrente Validität), in der Zukunft erhoben werden (prognostische Validität) oder in der Vergangenheit erfasst worden sein (retrospektive Validität). In der Regel wird man sich für die Prognosefähigkeit eines Test interessieren, beispielsweise, wie gut er Kundenbindung und Kaufverhalten vorhersagen kann. Konkurrente und retrospektive Berechnungen werden herangezogen, weil die Daten bereits verfügbar sind, um auf die Zukunft zu schließen.

Interne Validität und externe Validität

Betrachtet man Validität auf der Ebene ganzer Untersuchungen wird häufig in interne Validität und externe Validität unterschieden.

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Abbildung: Ebenen der Generalisierbarkeit

Interne Validität beschreibt, dass die Ergebnisse nicht durch Störende Einflüsse (Störvariablen) erklärbar sind und tatsächlich an der Manipulation der unabhängigen Variablen liegen. Externe Validität ist ein anderes Wort für Generalisierbarkeit und beschreibt, dass Ergebnisse einer Studie auch auf andere Situationen (vor allem das Feld), Personenpopulationen und Zeitpunkte übertragbar sind.

Praxistipps

Das nächste Kapitel stellt die Beziehungen der Gütekriterien untereinander vor.