5. Der Papierfragebogen: Paper-Pencil

Bei der schriftlichen Befragung mit Papierfragebogen wird ein Fragebogen per Post zugestellt, oder der Befragte entnimmt ihn aus Zeitschriften, Warenverpackungen, etc. Im Idealfall schickt er ihn ausgefüllt wieder zurück.


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Abbildung: Papierfragebogen

 

Lange Zeit galten schriftliche Befragungen als einzige Alternative zu Face-to-Face-Interviews. Durch die Zunahme der Telefon-Umfragen jedoch hat diese den Face-to-Face-Interviews und schriftlichen Befragungen den Rang abgelaufen. Durch den Zuwachs der Online Erhebungen werden die Entwicklung und der Bedeutungsverlust zusätzlich beeinflusst.

Der klassische Papierfragebogen hat ebenfalls seine Vorteile und Nachteile.

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Abbildung:
Vorteile und Nachteile des Papierfragebogens 

Zunächst zu den Vorteilen der Befragung mit Paper-Pencil.

  • Vorteil sind hier vergleichsweise geringe Kosten im Vergleich zu mündlichen Befragungen.
  • Die glaubhafte Anonymität führt dazu, dass auch sensible Fragen, wie Einkommensverhältnisse, politische Überzeugungen, Hygiene- oder Sexualverhalten relativ wahrheitsgemäß beantwortet werden.
  • Soziale Erwünschtheit und Interviewereinfluss sind hier ebenfalls weitgehend ausgeräumt.
  • Die Standardisierung des Instrumentes und der geringe bis überhaupt nicht stattfindende Kontakt erhöhen die Objektivität.
  • Während dem Ausfüllen besteht Zeit, können Pausen eingelegt werden und es gibt wenig zeitliche Restriktionen, daher keinen Zeitdruck für die Interviewpartner.
  • Räumliche Entfernungen spielen keine große Rolle. Auch die Auswertung gestaltet sich durch die Strukturiertheit einfacher. Geographisch weit verstreute oder isolierte Personen können erreicht werden.

Es bestehen aber auch fundamentale Nachteile der Befragung mit klassischen Papierbögen. Nicht zuletzt deshalb haben sie eher exotischen Status erreicht, ähnlich wie Vinylplatten von CDs und CDs mittlerweile von Speicherchips verdrängt wurden.

  • Nachteile von Papierfragebögen sind vor allem, dass keine Rückfragen möglich sind. Das bedeutet der Fragebogen muss absolut verständlich und die Anweisungen ganz eindeutig sein.
  • Erfahrungsgemäß ist die Rücklaufquote geringer, da weniger sozialer Druck zur Teilnahme als bei einem Anruf oder persönlichem Gespräch besteht. Leider unterscheiden sich die Teilnehmer aus einer Stichprobe häufig von den Antwortverweigerern. Hier ist es daher wichtig, die Antworten der ersten Rückläufe mit denen, die erst nach Erinnerungsschreiben kommen, zu vergleichen. Das kann Hinweise auf Verzerrungen durch den Non-Response geben.
  • Die Situation in der Fragebögen ausgefüllt werden ist meist nicht kontrollierbar, zudem besteht das Problem, dass man nicht weiß, wer den Bogen ausgefüllt hat und ob der Bogen nur von einer Person alleine ausgefüllt wurde. Man kann ebenso wenig nachvollziehen, in welcher Stimmung die Fragen beantwortet werden. Wurde der Fragebogen zu Hause ausgefüllt, in der Absicht ernste Antworten zu geben, oder vor dem Fernseher mit dem Bier in der Hand? Auch kann man die Reihenfolge, in der Personen auf die Fragen antworten, hier nicht kontrollieren.
  • Ein Problem an das man selten denkt, ist die zunehmende fehlende Sprachkompetenz. Durch hohe Ausländeranteile in Bevölkerungen und bei Konsumenten wird das Verständnis des Fragebogens und der Fragen stark erschwert. Hier sind mündliche Interviews wegen der Möglichkeit erklären zu können überlegen.
  • Bis die Fragebögen zurückgeschickt und eingetippt werden, vergeht ziemlich viel Zeitbedarf im Vergleich zu Telefoninterviews oder Onlinebefragungen.

Mittlerweile überwiegen hier die Nachteile deutlich die Vorteile.

Hohe Non-Response-Raten von je nach Zielgruppe 80 oder sogar 95 Prozent werden allseits als typisches Merkmal von schriftlichen Befragungen angesehen und immer wieder als größter Nachteil dieser Methode genannt. Ein massiver Verlust an Repräsentativität und damit an Validität. Daher bezeichnen viele Forscher die postalische Befragung als einen Kompromiss, der häufig aus finanziellen Gründen geschlossen werden muss. Und tatsächlich wird die schriftliche und postalische Befragung vor allem im akademischen Bereich heute noch intensiv genutzt. Der geringe finanzielle und organisatorische Aufwand sind Hauptgründe hierfür.