6. Psychologie als empirische Wissenschaft

Was genau ist Psychologie als Wissenschaft?


Psychologie
ist definiert als die empirische Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen.

Psychologie als empirische Wissenschaft hat als Aufgaben menschliches Erleben und Verhalten zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und Konzepte für die Modifikation von Erleben und Verhalten zu entwickeln.
Im Einzelfall kann dies beispielsweise sein, zu beschreiben, wie Entscheidungsprozesse von Jugendlichen bei Kauf und Konsum ungesunder Nahrungsmittel aussehen, zu erklären warum dies so ist, auf dieser Grundlage vorherzusagen, welche Effekte Gesetzesänderungen haben würden und Strategien für eine Reduzierung des Anteils ungesunder Nahrungsmittel bei der Ernährung von Jugendlichen abzuleiten.

Die praktischen Psychologen können anhand der zur Erkenntnis eingesetzten Methoden grob in zwei zentrale Erkenntnisansätze aufgeteilt werden (vgl. v. Rosenstiel, 2007):

  • Empirische Psychologie beschreibt, erklärt und prognostiziert anhand von Theorien, die auf systematischer Beobachtung und Erfahrung beruhen, bzw. noch nicht falsifiziert werden konnten. Damit grenzt sie sich ab von psychologischen Ansätzen, die auf Grund von Intuition, Spekulation und introspektiver Plausibilität ‚Erklärungen’ anbieten. In der Wissenschaft wird Psychologie ganz überwiegend empirisch betrieben. Auch die Mehrheit der praktisch tätigen Wirtschaftspsychologen sind dem naturwissenschaftlich orientiertem Zweig hinzu zu zählen.

     

  • Neben dem empirisch-naturwissenschaftlich geprägten Forschungsstrang besteht auch schon länger ein geisteswissenschaftlich geprägter Zweig der Psychologie. Dieser Zweig orientiert sich nicht am beschreiben, erklären und vorhersagen mit allgemein gültigen Theorien, sondern möchte den einzelnen Menschen in seiner Einzigartigkeit verstehen und Erklärungen anbieten. Damit ist der Ansatz ebenfalls sehr fruchtbar für die Wirtschaftspsychologie, vor allem in der Praxis durch die zahlreichen qualitativen Verfahren. Ob der Zweig wirklich als Wissenschaft mit dem Ziel eines generalisierbaren Erkenntnissgewinns bezeichnet werden kann, ist zweifelhaft und wird von den Anhängern dieses Zweiges auch meist nicht angestrebt. Eher handelt es sich hierbei um eine nützliche Methodensammlung, um im Einzelfall in der Praxis nützliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Obgleich sich diese Strömungen im Menschenbild stark unterscheiden und in der Wissenschaft deutlich getrennt voneinander auftreten, wirkt die Angewandte Psychologie hier integrativ. Disziplinen wie die Wirtschaftspsychologie bedienen sich der Forschungsergebnisse aller Strömungen, um Theorien für angewandte Fragestellungen zu entwickeln. Erst recht in der Praxis werden brauchbare Konzepte verschiedener Forschungsstränge ohne Dünkel nutzbar gemacht und oftmals auch zum Vorteil des konkreten Projektes miteinander kombiniert.

Es bestehen weitere Ausdifferenzierungen der Psychologie in drei Strömungen, die das nächste Kapitel beschreibt. Dabei werden auch verschiedene Teilgebiete der Psychologie angeführt, die sich jeweils den drei Basisströmungen zuordnen lassen.