4. Empirische Inhaltstheorien der Motivation

Welche Motive von Menschen lassen sich mit wissenschaftlichen Methoden finden? Spätere Inhaltstheorien der Motivation wurden nicht alleine aus rein theoretischen Überlegungen, sondern mit explorativen empirischen Studien entwickelt. Hier sind vor allem die Forschungsergebnisse und Motivationstheorien von David McClelland und von Frederick Herzberg entscheidend. Diese sind Thema in den folgenden Kapiteln.

Die Motivationstheorie von McClelland

Durch zahlreiche Studien gut abgesichert ist vor allem die Motivationstheorie von McClelland (McClelland, 1961). Der Fokus war hier nicht darauf gerichtet, vollständig alle Motive zu beschreiben, sondern besonders wichtige Motive zu identifizieren. McClelland unterscheidet drei zentrale Motivgruppen, bei denen Menschen sich stark unterscheiden. Diese sind Leistungsmotive, Machtmotive und soziale Anschlussmotive. Je nach Ausprägung dieser Motive zeigen Menschen eine sehr unterschiedliche Motivation und unterschiedliches Verhalten am Arbeitsplatz, wie folgende Abbildung zeigt.

Motive und Motivation nach McClelland
Leistungsmotive

Machtmotive

Soziale Anschlussmotive

Der Fortschritt einer Inhaltstheorie wie der von McClelland gegenüber einer wie der von Maslow ist evident. Die Theorie ist erstens wissenschaftlich gut gestützt. Zudem wird angenommen, dass Menschen nicht alle die gleichen Motive haben, sondern die einzelnen Motive ganz unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Die Motive nach McClelland, Motivation und Verhalten

Je nach Ausprägung der drei Motivbereiche, zeigen Personen ganz unterschiedliche Motivation und anderes Verhalten.

Menschen mit hoher Leistungsmotivation wählen Ziele, die anspruchsvoll aber erreichbar sind. Zu anspruchsvolle Ziele werden von Menschen mit hoher Leistungsmotivation ebenso abgelehnt, wie zu einfache Ziele. Wenn diese Bedingungen (anspruchsvolle aber realistische Ziele) geschaffen werden, sind Menschen mit hoher Leistungsmotivation optimal stimuliert. Personen mit hoher Leistungsmotivation sind daher beispielsweise als selbständige Unternehmer überproportional häufig und auch besonders erfolgreich (McClelland & Winter, 1969).

Bei Managern zeigt sich im Durchschnitt eine sehr niedrige soziale Anschlussmotivation (Winter, 2002). Scheinbar ist es hinderlich für die Karriere, wenn man zu viel Rücksicht auf die Beziehungen zu anderen Menschen nimmt. Studien zeigen bei Managern in Konzernen eine ausgeprägte Machtmotivation, die offenbar für einen Aufstieg förderlich ist. Zudem zeigt sich bei dieser Gruppe eine mittlere Leistungsmotivation (Winter, 2002).

Praxistipps

Eine weitere einflussreiche Inhaltstheorie der Motivation ist die Zwei-Faktoren-Theorie der Arbeitsmotivation. Das nächste Kapitel handelt von dieser ebenfalls empirisch gewonnenen Theorie.