5. Synergie in Teams als Herausforderung

Holen Teams wirklich das Beste aus einem Mitarbeiter heraus oder bremsen sie eher? Was können Führungskräfte unternehmen, um positive Wirkungen von Teamarbeit zu fördern und negative Effekte zu verringern? Das ist der Fokus dieses Kapitels.

Arten von Synergie in Teams

Theoretisch können durch Teamarbeit unterschiedliche Effekte auf die Leistung des einzelnen Mitarbeiters eintreten, wie folgende Abbildung vereinfacht zeigt:

  • Positive Synergie – der Mitarbeiter ist im Team durchschnittlich produktiver als alleine.
  • Keine Synergie – der Mitarbeiter ist im Team durchschnittlich genauso produktiv wie einzeln.
  • Negative Synergie – der Mitarbeiter leistet im Team durchschnittlich weniger als für sich isoliert arbeitend.

Unternehmen erhoffen sich durch den Einsatz von Teams oft ohne näheres Betrachten automatisch positive Synergie. Entsprechend werden aus Gewohnheit häufig Teams eingesetzt und je größer eine Herausforderung ist, desto mehr Personen werden “auf diese geworfen”.

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Abbildung: Synergie in Teams

Was ist davon aus wissenschaftlicher Sicht zu halten? In Teams gibt es sowohl Aspekte, die eine positive Synergie bewirken als auch Aspekte, die eine negative Synergie verursachen.

Ursachen von Synergie in Teams

Zu positiver Synergie führen beispielsweise:

  • Aufteilung von Aufgaben in Teile, die den Kompetenzen einzelner Teammitglieder am besten entsprechen.
  • Lernprozesse durch Beobachten und Nachahmen von anderen im Team (Lernen am Modell).
  • Sozialisierung von einzelnen “Problemmitarbeitern” durch den Gruppendruck, sofern die Normen in der Gruppe sinnvoll sind.
    So kann die bloße Anwesenheit von anderen Menschen als Beobachter dazu führen, dass die Leistung steigt (Bond & Titus, 1983) – vorausgesetzt diese Beobachter reagieren positiv auf Leistung und die ausführende Person fühlt sich nicht gehemmt.
  • Eine zumindest theoretisch größere Informationsbasis – die aber praktisch meist nicht genutzt wird. So neigen Teams dazu sich über Informationen auszutauschen, die ohnehin jeder kennt, nicht aber über wenig geteiltes Wissen (Winquist & Larson, 1998).

Zu negativer Synergie führen unter anderem:

  • Koordinationsverluste, die schon bei einfachen motorischen Tätigkeiten entstehen (etwa dem Ziehen an einem Tau) und bei anspruchsvolleren Aufgaben (etwa dem Lösen von Problemen) noch weiter zunehmen (vgl. Zysno, 1998). Mit jedem weiteren Gruppenmitglied steigt die Komplexität des sozialen Systems und der Koordinierungsaufwand (Tschan, 2000).
  • Trittbrettfahrer, die sich hinter dem Team verstecken und auch die Motivation anderer Mitglieder untergraben.
  • Aktivierung von ungeeigneten Zielen und Motiven durch die Anwesenheit der anderen Teammitglieder. Etwa Motive im Bereich von Macht, Prestige oder sozialem Anschluss bis hin zu Sexualität auf Kosten der Leistungsmotivation.
  • Verzerrungen der Informationsverarbeitung durch die Anwesenheit anderer (unzureichende eigene Informationssuche und Verarbeitung, Anpassung der Botschaften an die Erwartungen der anderen Teammitglieder, Verschweigen von unerwünschten Informationen etc.).
  • Zunahme von Konflikten (Adolph, 2000). Zusätzlich zu den Konflikten zwischen einzelnen Personen kommen bei Teamarbeit Konflikte zwischen verschiedenen Teams, zwischen Team und einzelnen Personen und zwischen Teams und der Gesamtorganisation.

Von einer echten Überlegenheit von Teams kann nur dann gesprochen werden, wenn die einzelnen isoliert arbeitenden Personen zusammengerechnet weniger leisten als wenn sie in einem Team kooperieren. Wie im Text später widerholt ersichtlich wird, ist positive Synergie aber die Ausnahme und nicht die Regel. Leistung in Teams ist keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht in großen Teams. Zwar sind Teams meist leistungsfähiger als eine einzelne Person, nicht aber leistungsfähiger als die gleiche Menge an einzelnen Personen, die isoliert arbeiten.

Praxistipps

Oft wird man Teamarbeit nicht vermeiden können oder wollen. Die Leistung von Teams kann systematisch erhöht werden. Davon handeln die nächsten Kapitel.