17. Kohäsion und Zusammenhalt in Teams: Teamgeist

Was genau ist eigentlich Zusammenhalt in Teams und welche Auswirkungen hat dieser? Welche Maßnahmen können den Zusammenhalt in Teams beeinflussen?
Diese Fragen behandelt das folgende Kapitel.

Definition von Gruppenkohäsion

Was genau ist Gruppenkohäsion?

Die durchschnittliche Attraktivität der Gruppe für die Mitglieder
wird als Gruppenkohäsion bezeichnet (vgl. Festinger, 1950; Festinger, Back & Schachter, 1950). Das gilt auch für Teams als Sonderfall von sozialen Gruppen und entsprechend kann die Kohäsion in Teams hoch oder gering ausgeprägt sein. Die Attraktivität der Mitgliedschaft kann von unterschiedlichsten Faktoren positiv (z.B. gegenseitige Sympathie der Mitglieder) oder negativ (z.B. geringer Status der Gruppe) beeinflusst werden. Kohäsion kann also als die Summe der Anreize verstanden werden, die Mitglieder zu einem Team hinziehen.

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Abbildung: Kohäsion in Teams

Von der Kohäsion, der Attraktivität der Mitgliedschaft in einem Team, zu unterscheiden ist die Dependenz.

Dependenz bezeichnet die Abhängigkeit eines Einzelnen vom Verbleib in einer Arbeitsgruppe.
Etwa weil er vertraglich gebunden ist oder es an alternativen Tätigkeitsangeboten mangelt. So kann Dependenz auch bei niedriger Kohäsion einen Anstieg der Fluktuation ausbremsen. Es sind aber meist höhere Fehlzeiten und geringe Produktivität zu beobachten, weil die Mitglieder das Team nicht verlassen können aber auch nicht mitarbeiten wollen. Dependenz sollte daher von Führungskräften nicht als Ersatz für Kohäsion gesehen werden, eher als Problem, weil sie unmotivierte, innerlich gekündigte Personen im Team hält.

Auswirkungen von Kohäsion in Teams

Welche Effekte hat Kohäsion in einem Team? Hohe Kohäsion steigert die Zufriedenheit, führt zu mehr Partizipation im Team, fördert die Akzeptanz von Zielen der Gruppe und verringert Absentismus und Fluktuation in Teams (vgl. Cartwright, 1968). Darüber hinaus führt Kohäsion zu höherer Produktivität und Arbeitsleistung (Mullen & Copper, 1994), wenn die Normen im Team leistungsfreundlich sind. Bei Management-Teams zeigte sich sogar ein positiver Zusammenhang von Kohäsion mit finanzieller Performance (Michalisin, Karau & Tangpong, 2004). Zudem führt Kohäsion zu einer hohen Konformität und Standardisierung des Verhaltens der Teammitglieder.

Letztendlich läuft Führung von Teams sogar ins Leere, wenn die Kohäsion gering ist, da die Teams dann nicht auf die Führungsimpulse reagieren (Bass, Avolio, Jung & Berson, 2003). Das gleiche gilt für Wettbewerb zwischen Teams, der nur dann besonders leistungsfördernd wirken kann, wenn eine starke Identifikation mit den Teams gegeben ist. Daher ist es in der Regel sinnvoll, die Kohäsion in Teams zu erhöhen.

Praxistipps

Allerdings können Teams mit sehr hoher Kohäsion auch zum Problem werden, wenn sie die Ziele einer Organisation nicht teilen. Im Extremfall kann das bis zur Meuterei führen. Die Auswüchse in Form von Beleidigungen und Ungehorsam der französischen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 gegen den Trainer Raymond Domenech sind ein Beispiel dafür. Auch Bilder von Managern in Frankreich, die von ihrer Belegschaft gefangen genommen, geschlagen, entkleidet und gehetzt werden, zeigen das Risiko im Extremfall.

Neben der Kohäsion sind besonders die Normen in Teams relevant, allen voran die Leistungsnormen. Davon handelt das nächste Kapitel.