Die optimale Größe von Teams

Ein zentraler Aspekt bei Teams ist die optimale Anzahl der Teammitglieder. Die Teamgröße hat massive Auswirkungen auf das Verhalten in Teams – etwa Kommunikation, Konflikt, Innovation und Leistung. Wer hier die richtige Balance findet, kann sich eine Menge Ärger sparen. Was aber ist die ideale Teamgröße? Welche Vorteile haben kleine Teams welche Nachteile haben sie?
Dieser Beitrag zeigt das Wichtigste aus der Forschung für eine optimale Teamgröße. Er klärt die Auswirkungen der Mitgliederzahl und liefert dann die entscheidenden Tipps für die ideale Gruppengröße bei der Teamarbeit.

Autor: Diplompsychologe Professor Dr. Florian Becker

Teamgröße: Wie viele Mitglieder sind optimal?
Teamgröße: Wie viele Mitglieder sind optimal?

Teamgröße: Warum sie wichtig ist

Warum ist die Teamgröße wichtig? Bei der Anzahl an Personen in einem Team geht es also vereinfacht gesagt um die Entscheidung: „Viel bringt auch viel!“ vs. „Weniger ist mehr!“. Dazu zeigt die Forschung deutlich, dass mehr zumindest nicht so viel mehr bringt, wie erhofft. Und es geht dabei weit über Teamgröße und Teamleistung hinaus.

So zeigen Studien zu Teamarbeit eine bedeutende Leistungsabnahme der einzelnen Individuen, sobald sie in einer Gruppe arbeiten (vgl. Ringelmann, zitiert durch Kravitz und Martin, 1986). Und je mehr andere Personen im Team sind, desto stärker ist dieser Effekt. Nach dem Entdecker heißt dieses Phänomen bis heute Ringelmann-Effekt. Offenbar reicht die bloße Präsenz von anderen Personen aus für eine Reduzierung der Leistung bei produktiven Tätigkeiten. Das gilt nicht nur bei komplexen Aufgaben mit viel Abstimmungs- und Koordinationsaufwand. Es gilt schon bei additiven Aufgaben, bei denen die einzelnen Elemente nicht voneinander abhängen – zum Beispiel verwendete Ringelmann für seine Untersuchungen als Aufgabe Tauziehen. Dieses Phänomen hat vielfältige Gründe, unter anderem im Bereich Motivation (Shepperd, 1993). So viel zum Vergleich von Einzelarbeit und Teamarbeit.

Untersuchungen, die große mit kleinen Teams vergleichen, kommen ebenso zu eindeutigen Ergebnissen. Teamgröße hat Nachteile: Mit zunehmender Gruppengröße nimmt die Leistung des einzelnen weiter ab (z.B. Suzuki et al., 2018, Littlepage, 1991). Allerdings geschieht das nicht linear, wie bereits Ringelmann feststellte. Der Effekt ist wesentlich stärker, wenn statt drei vier Personen arbeiten als wenn statt acht neun Teammitglieder zu Gange sind. Die Abbildung verdeutlicht diesen Effekt der Gruppengröße.

Teamgröße und Teamleistung: Je mehr Mitglieder im Team, desto geringer die Leistung des Einzelnen
Teamgröße und Teamleistung: Je mehr Mitglieder im Team, desto geringer die Leistung des Einzelnen

Das bedeutet nicht, dass fünf Mitarbeiter in einem Team insgesamt weniger leisten als vier Mitarbeiter. Aber jeder einzelne von ihnen leistet mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger für sich alleine betrachtet als in einem Team mit vier Mitgliedern. Folgende Abbildung illustriert diesen Befund. Große Teams sind nur bei Aufgaben überlegen, deren einzelne Elemente sich nicht bedeutend gegenseitig bedingen – etwa dem Sammeln von Ideen. Geht es an die praktische Ableitung von koordinierten, zusammenhängende Maßnahmen, sind kleine Gruppen oder sogar einzelne Personen überlegen. Die Tabelle gibt eine Übersicht (vgl. Thomas und Fink, 1963; Shaw, 1981; Hoegl, 2005).

kleine Teams große Teams
  • bessere Kommunikation (Bray, Kerr und Atkin, 1978)
  • höhere Arbeitsgeschwindigkeit
  • mehr individuelle Leistung (Latane, Williams und Harkins, 1979)
  • besseres Problemlösen
  • höhere Leistung der Gesamtgruppe
  • stärkerer Zusammenhalt
  • mehr Wissen und verschiedene Expertisen
  • besseres Sammeln von Informationen
  • Entwicklung von vielfältigeren Ideen

Das optimale Team hat also in der Regel möglichst wenige Teammitglieder. Was liegt hinter diesen Ergebnissen? Was ist die Ursache für weniger Leistung der Teammitglieder in größeren Teams?

Teamgröße: Warum kleine Teams mehr leisten

Warum ist die ideale Teamgröße klein? Was sind die Ursachen dafür, dass kleine Teams große Vorteile haben? Studien zu Teamgröße zeigen: Prozessverluste nehmen mit der Gruppengröße zu. Zwar fügen zusätzliche Mitglieder Kapazität und Fähigkeiten hinzu. Dafür erhöhen diese aber auch den Koordinationsaufwand, erschweren die Kooperation und verringern Zufriedenheit und Zusammenhalt im Team (Gully, Devine und Whitney, 1995; Magjuka und Baldwin, 1991).

Vorteile kleiner Teams:

  • Schnellere und bessere Entscheidungen. Je mehr Teammitglieder beteiligt sind, desto schwieriger, langwieriger und qualitativ schlechter werden Entscheidungen.
  • Effektive Interaktion. Ebenso ist bei den normalen Arbeitsprozessen weniger Absprache, Kommunikation und Interaktion notwendig.
  • Geringer Konflikt. Die Wahrscheinlichkeit für Konflikte steigt mit der Anzahl der Teammitglieder (Amason und Sapienza, 1997).
  • Klare Rollenverteilung. Eine klare Verteilung von Rollen wird mit zunehmender Größe von Teams schwerer.
  • Mehr Zusammenhalt. Der Zusammenhalt im Team (Gruppenkohäsion) sinkt mit wachsender Personenzahl.
  • Weniger Trittbrettfahrerproblem. Verantwortung wird mit zunehmender Teamgröße nicht mehr wahrgenommen und kann schwerer zugeordnet werden. Trittbrettfahrer können sich dann leichter durchmogeln und die Moral untergraben.

Fazit: Die Gründe für Leistungsvorteile kleiner Teams sind klar. Negative Synergie explodiert also mit wachsender Teamgröße.

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Letztendlich kann ein zu viel an Mitgliedern dazu führen, dass sich das Team selbst blockiert. Darauf gehen auch die folgenden Tipps ein.

Ideale Anzahl der Teammitglieder: Tipps

Gibt es eine ideale Teamgröße? Manche Untersuchungen legen nahe, dass diese bei ca. vier bis fünf Personen liegt (Lee, Park und Park, 2003). Aber so einfach ist es nicht. Je nach Aufgabe gibt es kritische Kompetenzen und Expertisen, die einfach im Team sein müssen. Das kann als Untergrenze der Teamgröße gelten, damit keine extremen Kompetenzlücken entstehen. Aber alles, was über diese Untergrenze hinausgeht, scheint eher Nachteile als Vorteile zu bringen. Alle Tipps zur idealen Teamgröße zeigt der Schaukasten.

Praxistipps

Fazit: Der in der Praxis oftmals beliebte Ansatz, wichtigen Dingen möglichst viele Personen zuzuordnen, kann letztendlich sehr kontraproduktiv sein.
Die erhoffte positive Synergie auf die Arbeitsleistung, wenn mehrere Einzelpersonen in ein Team zusammengefasst werden, tritt häufig nicht ein – es droht sogar negative Synergie. Mehr bringt dann also weniger.

Der letzte Abschnitt gibt Literaturhinweise zur weiteren Vertiefung.

Größe von Teams: Literatur

Aktuelle Literatur-Tipps rund um Teamgröße.

Tipp
Tipp
Tipp

Im nächsten Kapitel geht es um die demografische Zusammensetzung von Teams.