8. Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung

Wie beeinflussen Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung den Führungsstil?

Einflussreiche Forschungsprojekte zum Verhalten von Führungskräften wurden bereits in den 50er-Jahren an der Universität von Michigan und der Ohio State University durchgeführt. Bei Analysen zum Verhalten von Führungskräften werden seither regelmäßig zwei große Verhaltensbereiche genannt:

AufgabenorientierungMitarbeiterorientierung
Einerseits kümmern sich Führungskräfte unterschiedlich stark um die Erledigung von Aufgaben. So organisieren sie die Arbeit, strukturieren Verantwortlichkeiten, kontrollieren Arbeitsschritte, halten zum Einhalten von Terminen und Regeln an und planen die zukünftigen Ziele.Andererseits sind bei Führungskräften Verhaltensweisen zu sehen, die sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientieren. Beispielsweise erkundigen sich Führungskräfte nach dem Wohlbefinden von Mitarbeitern, sorgen für deren Zufriedenheit, schlichten bei Konflikten und kümmern sich um die persönlichen Karriereziele der Geführten.

Häufig ist daher von aufgabenorientierter Führung und mitarbeiterorientierter Führung die Rede.

Führungsstile im Managerial Grid

Tatsächlich kann man in der Praxis Führungskräfte beobachten, die im Schwerpunkt aufgabenorientiert sind und sich wenig mitarbeiterorientiert Verhalten. Auch finden sich Beispiele für Führungskräfte, die vor allem mitarbeiterorientiert sind und den Fortschritt bei der Arbeitsaufgabe nicht so stark berücksichtigen.

Doch eine Entweder-oder-Perspektive greift zu kurz. Beide Dimensionen – Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung – sind prinzipiell unabhängig voneinander. Anhand der beiden Dimensionen lassen sich zahlreiche Kombinationen bei individuellen Führungsstilen beobachten. Das zeigt die folgende Abbildung.

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Abbildung: Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung (vgl. Blake & Mouton, 1964)

Führungskräfte können also auf jeder Verhaltensdimension unabhängig von der jeweils anderen Dimension hohe, mittlere oder niedrige Werte im Verhalten zeigen. Blake und Mouton haben aus diesen Verhaltensdimensionen ein Gitter gebildet, das sie als Managerial Grid bezeichnen (Blake & Mouton, 1964).

Prägnante Führungsstile

Einige besonders prägnante Führungsstile werden hier kurz vorgestellt:

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Auf die Analyse des Führungsstils folgt häufig der Wunsch nach einer Veränderung des Führungsstils. In der Praxis wird das so genannte Grid-Training breit eingesetzt, um Führungskräfte auszubilden. Hierbei wird der individuelle Führungsstil analysiert. Darauf aufbauend werden entsprechend Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung geschult: die Fähigkeiten, Aufgaben zu strukturieren und zu organisieren, und die kommunikativen Fähigkeiten.

Praxistipps

Es versteht sich von selbst, dass nicht ein Führungsstil zu allen Situationen passt. Situative Theorien der Führung berücksichtigen das. Sie versuchen Bedingungen zu identifizieren, die den Erfolg von Führungsverhalten beeinflussen. Dieses Thema behandelt das nächste Kapitel.