6. Eigenschaftsorientierte Führungstheorien

Welche Eigenschaften sind entscheidend, damit Führungskräfte erfolgreich sind? Eigenschaftsorientierte Führungstheorien suchen die Erklärung für Erfolg und Misserfolg in der Führung bei den Eigenschaften der Führungspersonen.

Der Gedanke liegt nahe, dass Eigenschaften von Führungspersonen eine entscheidende Rolle spielen. Bekannte Führungspersonen wie Steve Jobs, Richard Branson oder Mahatma Gandhi, aber auch Adolf Hitler sind oft Persönlichkeiten, die sich dediziert von anderen Menschen abheben. Eigenschaftsorientierte Theorien der Führung untersuchen und thematisieren daher Persönlichkeitseigenschaften sowie soziale, physiologische oder kognitive überdauernde Eigenschaften, um erfolgreiche Führungskräfte von weniger erfolgreichen zu unterscheiden.

Derzeit sind eigenschaftsorientierte Führungstheorien in den Hintergrund geraten. Das mag mehr am Zeitgeist als an mangelnden oder entmutigenden Forschungsergebnissen liegen. Der Gedanke an Eigenschaften, die jemanden zur geeigneten Führungsperson machen, scheint dem Zeitgeist zu widersprechen, dass alle Menschen gleich geboren werden und sich Unterschiede nur durch ungleiche Chancen ergeben. Aber: Der Zeitgeist ändert sich und ist nicht in allen Ländern gleich (man blicke nur in die USA oder nach China), was also sagen die Fakten?

So gibt es einige Merkmale, die sich eher bedeutsam für die Karriere als für die Effektivität der Führungsperson gezeigt haben. Dazu gehören beispielsweise die Geschlechtseigenschaft männlich und hohe Körpergröße. Doch die Liste an Eigenschaften ist lang, die in der Forschung auftreten als relevant für den Erfolg einer Führungskraft im Sinne von Effektivität. Dabei haben sich einige Eigenschaften von Führungskräften als besonders bedeutsam herausgestellt (vgl. House, Shane & Herold, 1996; Robbins, 2003):

Fachkompetenz

Intelligenz

Emotionale Intelligenz

Persönlichkeitseigenschaften

Selbstbewusstsein

Motivation nach Macht

Manche der genannten Merkmale sind veränderbar, andere kaum. Gerade Intelligenz und Persönlichkeitsmerkmale hängen stärker von Vererbung als von Umwelteinflüssen ab (vgl. z.B. die Übersichten von Asendorpf, 2007, S. 343). Insofern kann man tatsächlich in einem gewissen Umfang von geborenen Führungspersönlichkeiten sprechen.

Praxistipps

Allerdings: Die Differenzierung von effektiven und ineffektiven Führungskräften gelang mit dem Fokus auf der Persönlichkeit des Führenden alleine nicht befriedigend. Dazu sind die Kontexte, in denen geführt wird, zu verschiedenartig. Letztendlich blieb daher trotz der Identifikation der genannten Merkmale viel am Erfolg von Führungskräften ungeklärt. Daher wandte sich die Forschung auch dem Verhalten der Führungskräfte zu.

Als Nächstes werden die verhaltensorientierten Führungstheorien und relevante Forschungsergebnisse dazu vorgestellt.