24. Vertrauen aufbauen, Misstrauen überwinden: Tipps und Psychologie

Vertrauen ist Erfolgsgrundlage für jede Beziehung. Ein Mangel wirkt sich aus wie eine versteckte Belastung. Eine Belastung, die auf jeder Kommunikation, jeder Entscheidung, jeder Interaktion liegt. Eine Belastung, die alles langsamer macht, aufwändiger macht, erstickt. Kaum jemand würde dem widersprechen. Nur, wenn es konkret wird, fehlt vielen die Orientierung. Wie soll man so einen „weichen“ Faktor messen und handhaben? Hier setzt dieser Beitrag an. Er liefert eine klare Definition und zeigt, wie man es systematisch aufbauen kann. Und er macht deutlich, dass die Kosten von Misstrauen sehr real sind – etwa nach einem Vertrauensbruch. Das Kapitel zeigt die Psychologie und Wissenschaft dahinter. Es macht deutlich, welche positiven Konsequenzen eine Vertrauenskultur für Führung hat, woran man ein Klima voller Misstrauen erkennt und gibt die entscheidenden Tipps, wie die besten Führungskräfte Vertrauen bei Mitarbeitern aufbauen. …

Vertrauen aufbauen: Mitarbeiter machen vieles nur, wenn sie der Führungskraft wirklich vertrauen

Vertrauen: Definition und Psychologie

Was ist Vertrauen? Hier die Definition. Es gibt eine Vielzahl von Konzeptionen zum Begriff Vertrauen, da es ein Begriff aus der Umgangssprache ist. Die Psychologie definiert Vertrauen folgendermaßen:

Vertrauen ist die Erwartung einer Person, dass andere Menschen berechenbar im Interesse dieser Person handeln.

Vertrauen ist also eine Erwartung für das zukünftige Verhalten anderer Menschen. Diese führt zur Bereitschaft sich in Situationen zu begeben, in denen man verletzlich ist – oder eben nicht, wenn man kein Vertrauen hat. Da es um die Erwartung von Verhalten anderer Menschen geht, ist auch klar, dass es eine Vielzahl von Bedingungen für Vertrauen gibt: etwa die wahrgenommene Kompetenz dieser anderen Personen, die Motive, die man bei ihnen annimmt oder vergangene Erfahrungen mit diesen Menschen.

Irrtümer und Fehlvorstellungen

Was bedeutet das für den Kontext der Mitarbeiterführung? Vertrauen der Mitarbeiter ist also die Erwartung, dass die Führungskraft berechenbar im Interesse der Mitarbeiter handelt. Mit dieser Gewissheit sind Mitarbeiter zunehmend bereit, eigene Risiken einzugehen, wie etwa persönliche Informationen preisgeben, auf einen Fehler oder ein Problem aufmerksam machen, einen Vorschlag mit Einsparpotenzial bei den Mitarbeitern zu machen oder einer versprochenen Beförderung oder Karriereoption zu glauben. Deshalb ist Vertrauen ein sehr wesentlicher Aspekt für Zusammenarbeit.

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Die Vorteile davon schildert der nächste Abschnitt.

Vertrauen und Beziehung: Führungskraft und Mitarbeiter

Vertrauen ist ein wichtiger Baustein für erfolgreiche Führung. Führung ist ein Prozess der sozialen Beeinflussung – und ohne Vertrauen bei den Mitarbeitern gelingt das nur schwer. Ohne Vertrauen gibt es keine gute Beziehung, ohne gute Beziehung wird es mit dem Beeinflussen schwer, denn Mitarbeiter verlassen sich nicht auf Aussagen, sichern sich ab und gehen nicht in Vorleistung. Wo kein Vertrauen besteht, ist man als Führungskraft daher schnell auf permanente Kontrolle und Druck von Außen angewiesen. Das ist aufwändig und teuer und funktioniert oftmals nicht mehr, da Aufgaben komplexer werden, Führungskräfte weniger Transparenz haben und weniger Macht über ihre oft hochqualifizierten Mitarbeiter.

Auch die Kommunikation mit den Mitarbeitern kann erst auf der Basis von Vertrauen glaubwürdig und effektiv sein, ansonsten wird das gezielte Beeinflussen sehr schwer. Daher wird die Anwesenheit oder Abwesenheit von Vertrauen zu einem zunehmend wichtigem Thema in der psychologischen Führungsforschung.

Im Überblick bietet eine Vertrauenskultur folgende Vorteile bei der Führung:

  • eine bessere Beziehung zu den Mitarbeitern und damit mehr Einflussmöglichkeit,
  • weniger Feindseligkeit und Konflikte im Team,
  • größere Akzeptanz von Veränderungen,
  • die Mitarbeiter gehen eher in Vorleistung,
  • geringerer Aufwand für Kontrolle,
  • weniger Notwendigkeit von unmittelbaren Belohnungen und Sanktionen als Anreize von Außen,
  • effektivere Kommunikation mit den Mitarbeitern, da diese stärker auf die Inhalte reagieren (Glaubwürdigkeit),
  • vor allem bessere Aufnahme von negativer Rückmeldung und Kritik, da man an die gute Ansicht glaubt,
  • besserer Informationsfluss von den Mitarbeitern zu den Führungskräften (auch die kritischen Informationen kommen dann an, bei denen die Mitarbeiter oft Nachteile befürchten),
  • mehr Vertrauen im Team und bessere Kooperation der Mitarbeiter,
  • stärkerer Zusammenhalt im Team.

Vertrauen ist also ein Schmiermittel, das Beziehungen einfacher und viel viel schneller macht. Misstrauen ist dagegen eine Belastung, die alles langsam macht und abwürgt, auf Kontrolle und Absicherung (z. B. Verträge) setzt. Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter!

Warum Kontrolle schlechter ist, zeigt der nächste Abschnitt. Er beschreibt, wie sich Misstrauen in der Führungskultur äußert.

Misstrauen, Vertrauensmissbrauch und Vertrauensbruch

Trotz der genannten Vorteile von Vertrauen ist das Vertrauensklima zwischen Führungskräften und Mitarbeitern oftmals nicht besonders hoch ausgeprägt. Das bringt Nachteile. Typische Symptome von Misstrauen und Vertrauensbruch sind dann

  • permanente Kontrollversuche der Führungskraft etwa durch Anwesenheitspflicht und den Drang in alle Emails eingebunden zu sein,
  • autoritäres und kontrollierendes Entscheidungsverhalten der Vorgesetzten ohne viel Eigenverantwortung und Entscheidungsspielraum für die Mitarbeiter und
  • andauernde Meetings zur Information und
  • ständiges Nachfragen nach dem Stand von Projekten.

Das durch so eine Überwachungskultur durch viel Aufwand, ineffiziente Prozesse und Demotivation auf allen Seiten entsteht, ist wenig verwunderlich.

Daher im Folgenden die wichtigsten Tipps für mehr Vertrauen am Arbeitsplatz.

Vertrauen aufbauen: Tipps

Wie kann man Vertrauen aufbauen? Führungskräfte aber auch Mitarbeiter sind also im ganz eigenen Interesse gefordert, eine gute Vertrauensbasis zu entwickeln. Im Folgenden die wesentlichen Tipps für mehr Vertrauen am Arbeitsplatz.

Praxistipps

Welche Wirkungen kann Führungskompetenz bei den Geführten entfalten? Ansätze der transformationalen Führung zeigen, dass viel mehr möglich ist, als in den meisten Unternehmen geschieht. Dazu Informationen im nächsten Kapitel.