3. Ziele von Führung: Führungsziele

Welche Führungsziele sollten Führungskräfte bei ihren Mitarbeitern verfolgen? Führung ist ein bewusster Prozess, der idealerweise klare Ziele hat. Sind Führungsziele aber unklar oder fehlen diese sogar, verschenken Führungskräfte ihr Potenzial. Führung läuft dann ins Leere, Erfolg ist dann bestenfalls Zufall. Es gibt also allen Grund, sich als Führungskraft regelmäßig über seine Ziele Gedanken zu machen und zu überlegen: Was ist zu tun?

Betriebswirtschaftliche Führungsziele

Wir sind es gewohnt, Wirtschaft als harte Welt der Zahlen zu betrachten: Produktivität, Absatzzahlen, Aktienkurse, BIP sind Begriffe aus dieser Welt. Häufig haben Führungskräfte auf dieser Ebene Ziele, schließlich arbeiten sie meist in gewinnorientierten Unternehmen, die nach betriebswirtschaftlichen Kennzahlen steuern.

Bei der Fokussierung auf Ziele wie Umsatz, Absatzzahlen, Fehlerraten oder Produktivitätskennwerte gerät leicht in Vergessenheit, dass hinter dieser harten Ebene der betriebswirtschaftlichen Führungsziele die mehr oder minder bewussten Entscheidungen von Menschen als Ursache liegen: die Bereitschaft eines Mitarbeiters, hoch motiviert zu arbeiten, einen Vorschlag für Verbesserungen und Innovation zu erarbeiten, die Entscheidung eine Weiterbildung zu besuchen oder eine Überstunde zu leisten etc. Ein häufiger Grund für erfolgloses Management liegt im Unvermögen, die Entscheidungen von Menschen als Ursache von betriebswirtschaftlichen Größen zu verstehen, vorherzusagen und beeinflussen zu können. Umgekehrt sind es die erfolgreichsten Unternehmen und Führungskräfte, die Entscheidungen ihrer Kunden, Mitarbeiter, Investoren und anderer Zielgruppen am besten verstehen, vorhersagen und beeinflussen können.

Führung als zielgerichtete Beeinflussung

Das führt zu folgender Erkenntnis: Versteht man Führung als Beeinflussung des Erlebens und Verhaltens von Menschen in Organisationen, dann ist also immer dort Führung gefragt, wo betriebswirtschaftliche Ziele von diesen Menschen abhängen. Führungsziele müssen betriebswirtschaftliche Ziele berücksichtigen, werden selbst aber immer im Erleben und Verhalten von Menschen liegen. Führungsziele liegen daher immer, wie nachfolgende Abbildung zeigt, im Bereich des Verhaltens oder des Erlebens von Mitarbeitern oder Gruppen in Organisationen. Dabei gibt es Verhaltensweisen, die aufgebaut und verstärkt werden (Ziele im positiven Sinne, diese nennt man in der Psychologie Annäherungsziele), aber auch Verhaltensweisen, die verhindert oder zumindest vermindert werden (Ziele im negativen Sinne, man spricht von Vermeidungszielen).

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Abbildung: Ziele von Führung

Die Ziele verschiedener Führungskräfte in Bezug auf die Mitarbeiter sind dabei oft gar nicht so unterschiedlich, wie nachfolgende Aufstellung zeigt. Unterschiede zwischen Führungskräften ergeben sich eher aus der Priorisierung von Zielen und daraus, ob die Ziele überhaupt bewusst verfolgt werden.

Führungsziele im Verhalten

Annäherungsziele im Verhalten der Mitarbeiter sind typischerweise:

  • eine höhere Arbeitsleistung,
  • das Mitwirken der Mitarbeiter an Innovationsprozessen wie z.B. dem Vorschlagswesen,
  • die Unterstützung von Veränderungsmaßnahmen und Verhaltensflexibilität,
  • die Entwicklung von Kompetenzen,
  • das (pünktliche) Erscheinen am Arbeitsplatz,
  • ein positives Sprechen über die Organisation im sozialen Umfeld,
  • das angemessene Repräsentieren der Organisation nach außen (äußeres Erscheinungsbild und Verhalten),
  • eine hohe Selbstständigkeit bei der Arbeit und
  • Organizational Citizenship Behavior (OCB). (Dies ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Verhaltensweisen, die nicht in der eigentlichen Tätigkeitsbeschreibung liegen aber wesentlich für das Wohlergehen der Organisation sind. Dazu gehört etwa ein positives Verhalten gegenüber den Kollegen.)

Führungskräfte müssen sich aber auch um die Schattenseiten des Verhaltens von Mitarbeitern kümmern, diese verhindern oder zumindest eindämmen. Typische Vermeidungsziele im Verhalten der Mitarbeiter sind:

  • Reduzieren von Fluktuation,
  • Eindämmen von arbeitsfremdem Verhalten (Cyberloafing auf Facebook, Youtube, Onlinespielen etc.),
  • Verhindern von Beziehungskonflikten ohne sachlichen Verbesserungsbeitrag,
  • Sensibilität für Mobbing, Beleidigung und sexuelle Belästigung,
  • Verringern von Vandalismus und Diebstahl,
  • Unterbinden der Verbreitung von Gerüchten,
  • Sicherheit vor Geheimnisverrat,
  • Sensibilisierung für die Verschwendung von Ressourcen,
  • Vorgehen gegen Diskriminierung und
  • Maßnahmen gegen Gesetzesverstöße, Vetternwirtschaft und Korruption.

Führungsziele im Erleben

Dazu sei kurz erwähnt, dass es natürlich zusätzlich eine Menge psychologische Annäherungsziele bei Mitarbeitern gibt. Diese “weichen” Ziele sind wichtig, da sie den “harten” Verhaltenszielen häufig vorgelagert sind. Dabei ist etwa zu denken an

  • Zufriedenheit,
  • Vertrauen,
  • Identifikation mit dem Unternehmen,
  • gute Laune am Arbeitsplatz und positives Teamklima,
  • Zusammenhalt von Teams oder
  • Arbeitsmotivation.

Es bestehen auch psychologische Vermeidungsziele, die es zu reduzieren gilt. Dazu gehören negative Emotionen und Motive, etwa empfundene Ungerechtigkeit, Stress- oder sogar Hassgefühle gegenüber Kollegen, Unternehmen und Führungspersonen.

Ziele von Führungskräften in der Praxis

Überraschend wenige Führungskräfte fragen sich allerdings regelmäßig, was ihre konkreten Ziele sind. Gefangen im Tagesgeschäft, fragen sich Führungskräfte häufig, wie etwas zu tun ist, selten, was zu tun ist. Klar ist auch, dass man nicht zu viele Ziele auf einmal angehen kann. Verzettelung in zu vielen unklaren und nicht priorisierten Zielen ist eine häufige Ursache für ausbleibenden Erfolg von Führungskräften. Eine klare Priorisierung von Zielen ist also zwingend notwendig für erfolgreiche Führung. Dabei ist es sinnvoll, wenige zentrale Ziele auszuwählen und konsequent zu verfolgen, aber andere nachgelagerte Ziele zu kennen und nicht aus den Augen zu verlieren. Hier ist wichtig, zu beobachten, ob bedenkliche Abweichungen entstehen, und dann frühzeitig einzugreifen.

Praxistipps
Um Führungsziele zu erreichen, braucht man Führungsinstrumente. Diese stellt das nächste Kapitel vor.