14. Vertrauen als Grundlage von Führung

Vertrauen ist ein wichtiger Baustein für erfolgreiche Führung. Dieses Kapitel zeigt, welche positiven Konsequenzen eine Vertrauenskultur für Führung hat, woran man ein Klima des Misstrauens erkennt und gibt Tipps, wie Führungskräfte Vertrauen als Grundlage von Führung aufbauen können.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter

Führung ist ein Prozess der sozialen Beeinflussung – und ohne Vertrauen bei den Mitarbeitern gelingt das nur schwer. Ohne Vertrauen gibt es keine gute Beziehung, ohne gute Beziehung wird es mit dem Beeinflussen schwer, denn Mitarbeiter verlassen sich nicht auf Aussagen, sichern sich ab und gehen nicht in Vorleistung. Wo kein Vertrauen besteht, ist man als Führungskraft daher schnell auf permanente Kontrolle und Druck von Außen angewiesen. Das ist aufwändig und teuer und funktioniert oftmals nicht mehr, da Aufgaben komplexer werden, Führungskräfte weniger Transparenz haben und weniger Macht über ihre oft hochqualifizierten Mitarbeiter.

Auch die Kommunikation mit den Mitarbeitern kann erst auf der Basis von Vertrauen glaubwürdig und effektiv sein, ansonsten wird das gezielte Beeinflussen sehr schwer. Daher wird die Anwesenheit oder Abwesenheit von Vertrauen zu einem zunehmend wichtigem Thema in der psychologischen Führungsforschung.

Vertrauen der Mitarbeiter ist die Erwartung, dass die Führungskraft berechenbar zum Vorteil der Mitarbeiter handelt. Mit dieser Gewissheit sind Mitarbeiter zunehmend bereit, eigene Risiken einzugehen, wie etwa persönliche Informationen preisgeben, auf einen Fehler oder ein Problem aufmerksam machen, einen Vorschlag mit Einsparpotenzial bei den Mitarbeitern zu machen oder einer versprochenen Förderung oder Karriereoption zu glauben. Deshalb ist Vertrauen ein sehr wesentlicher Aspekt für Teamarbeit. Nicht zuletzt ist die Gruppenkohäsion und Kooperation mit anderen direkt vom entgegengebrachten Vertrauen abhängig.

Im Überblick führt eine Vertrauenskultur also zu folgenden positiven Konsequenzen bei der Führung:

  • eine bessere Beziehung zu den Mitarbeitern und damit mehr Einflussmöglichkeit,
  • die Mitarbeiter gehen eher in Vorleistung,
  • geringerer Aufwand für Kontrolle sowie Belohnungen und Sanktionen als Anreize von Außen,
  • effektivere Kommunikation zu den Mitarbeitern, da diese stärker auf die Inhalte reagieren (Glaubwürdigkeit),
  • besserer Informationsfluss von den Mitarbeitern zu den Führungskräften,
  • mehr Vertrauen im Team und bessere Kooperation der Mitarbeiter.

Misstrauen und Führung

Trotz dieser Vorteile ist das Vertrauensklima zwischen Führungskräften und Mitarbeitern oftmals nicht besonders hoch ausgeprägt. Typische Symptome sind dann permanente Kontrollversuche der Führungskraft etwa durch Präsenzpflicht, autoritäres und kontrollierendes Entscheidungsverhalten der Vorgesetzten und andauernde Meetings und Nachfragen nach dem Stand von Projekten. Das durch so eine Überwachungskultur durch viel Aufwand, ineffiziente Prozesse und Demotivation auf allen Seiten entsteht, ist wenig verwunderlich. Führungskräfte aber auch Mitarbeiter sind also im ganz eigenen Interesse gefordert, eine gute Vertrauensbasis zu entwickeln. Im Folgenden die wesentlichen Tipps dazu.

Praxistipps

Welche Wirkungen kann Führungskompetenz bei den Geführten entfalten? Ansätze der transformationalen Führung zeigen, dass viel mehr möglich ist, als in den meisten Unternehmen geschieht. Dazu Informationen im nächsten Kapitel.