15. Praxistipps bei Fragebögen

Im Kontext von Frageformaten gibt es einige immer wieder kehrende Diskussionspunkte, auf die hier knapp eingegangen wird.

 

Soll eine Ausweichkategorie bei Fragen angeboten werden?

Häufig wird bei Fragen diskutiert, ob eine Ausweichkategorie gegeben werden sollte, z.B. als Antwortoption “keine Ahnung”.
In der Regel ist dies sinnvoll, denn mitunter können oder wollen Befragte eine Frage nicht beantworten. So kann klar erkannt werden, ob Personen eine Frage einfach übersehen haben oder ob die Personen aus anderen Ursachen nicht geantwortet hat.
Diese Option bietet eine gute Möglichkeit, die Qualität der Daten zu verbessern.
In so fern, ist es sinnvoll diese Kategorie anzubieten. Eine Ausnahme besteht, wenn Auswertungsverfahren (z.B. Strukturgleichungsmodelle) gerechnet werden sollen, die einen vollständigen Datensatz verlangen. Hier kann man entweder fehlende Werte schätzen (Imputieren) oder braucht einen vollständigen Datensatz von Anfang an, was durch die Ausweichkategorie untergraben wird.
Fazit: Man sollte eine Ausweichkategorie anbieten.

 

Sollen Antworten in Fragebögen erzwungen werden?

Bei Onlinebefragungen wird häufig eingestellt, dass eine Frage erst beantwortet werden muss, um zum nächsten Fragenblock weiter zu kommen. Wird eine Frage nicht beantwortet, legt die Software diese erneut dem Interviewpartner vor.
Das hat den Vorteil, dass Personen sich nicht einfach durchklicken können und nur die wirklich motivierten bis zum Ende teilnehmen.
Der Nachteil ist, dass sich Personen zum Antworten gezwungen fühlen und dies die Akzeptanz der Erhebung beeinträchtigt.
Ein sinnvoller Ausweg ist Ausweichkategorien (wie etwa “keine Ahnung”) zu verwenden. So kann eine Frage bewusst nicht beantwortet werden aber ein einfaches Überspringen wird unterbunden.
Fazit: Zusammen mit Ausweichkategorien sollten Antworten erzwungen werden. Das erhöht die Qualität der Teilnehmer, die den Fragebogentatsächlich beenden.
Werden keine Ausweichkategorien verwendet, sollte man auch keine Antwort erzwingen, denn so provoziert man Antworten, die nicht valide sind.

Sollen Fragen zufällig durchrotiert vorgegeben werden?

Vorangehende Fragen beeinflussen stets die Antworten auf nachfolgenden Fragen. Je näher die Fragen beieinander, desto stärker dieser so genannte Reihenstellungseffekt.
Damit dieser störende Effekt sich nicht systematisch auswirkt und kontrolliert wird, ist es sinnvoll die Fragen in ihrer Reihenfolge zu rotieren.

Auch antworten Personen am Anfang einer Befragung anders als am Ende. Anfangs ist die Motivation und Konzentration höher, die Einstellungauf das Frageformat und Thema nimmt aber im Laufe der Befragung zu. Auch hier hilft eine Randomisierung der Reihenfolge von Fragen systematische Verzerrungen zu verhindern.

Wichtig zu beachten bei der Rotierung ist aber, dass Fragen nur innerhalb eines logischen Fragenblocks (etwa innerhalb von Kundenvertrauen) rotiert werden niemals aber über logisch getrennte Inhaltsgebiete hinweg (etwa Fragen zu Kundenvertrauen, Kundenzufriedenheit und Persönlichkeit des Befragten mischen). Ansonsten werden die Befragten verwirrt, gestresst und produzieren hohe Mengen an Fehlangaben. Der Reihenstellungseffekt, den es zu reduzieren galt, wird dann sogar massiv erhöht, da Fragen auf ein Inhaltsgebiet immer im Kontext eines anderen Inhaltsgebietes vermischt abgefragt werden.

Die Praktische Umsetzung ist bei Onlinebefragungen sehr einfach, da die Software dies in aller Regel als Funktion beinhaltet. Bei mündlichen Interviews kann man die Fragen auf Kärtchen schreiben, die man vor jedem Interview neu mischt. Die Antworten werden hier auf ein separates Antwortblatt geschrieben. Bei Papierfragebögen besteht die Möglichkeit mehrere Versionen zu erstellen. Um den Bogen dennoch halbwegs effektiv eintippen zu können, wird man meist zwei Versionen mit genau umgekehrter Reihenfolge der Fragen haben.

Fazit: Wenn möglich, sollte man innerhalb logisch geschlossener Frageblocks rotieren; aber nur innerhalb dieser Blocks.