12. Das Polaritätenprofil

In der Praxis aber auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen werden häufig so genannte Polaritätenprofile eingesetzt.

Polaritätenprofile haben folgende Eigenschaften:
Polaritätenprofile sind dadurch gekennzeichnet, dass zwei entgegengesetzte verbale Pole die Endpunkte einer Skala darstellen: zum Beispiel “eckig” versus “rund” oder “langweilig” versus “aufregend”.
Dazwischen sind meist fünf oder sieben Kategorien, auf denen die Befragten den beurteilten Meinungsgegenstand verorten sollen. Entsprechend reichen diese Skalen meist von zwei über null bis zwei (fünfer Skala) oder von drei über null bis drei (sechser Skala).
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Abbildung: Polaritätenprofil

Bei der Anwendung von Polaritätenprofilen ist zu beachten:
Polaritäten können denotativ (relativ konkret) sein: z.B. „billig – teuer“.
Polaritäten können konnotativ (relativ konkret) sein: z.B. „weiblich – männlich“.
Man sollte beide Arten nicht mischen, denn das verwirrt die Respondenten.
Bei der Dateneingabe wird natürlich die linke Hälfte der Profile jeweils mit negativem Vorzeichen versehen, um die Zahlen auseinander halten zu können.

Problematisch ist bei Polaritätenprofilen:

  • Wie soll die mittlere Kategorie zwischen den beiden Polen interpretiert werden?
    Bedeutet sie weder noch, sowohl als auch oder “keine Ahnung”.
  • Wird wirklich nur eine Dimension pro Frage gemessen – oder eher Äpfel Birnen gegenübergestellt?
    Zwar sind Worte wie “warm” und “kalt” logisch entgegengesetzt aber nicht psychologisch.
    Die bei den Befragten im Gedächtnis mit dem Begriffen assoziierten Kognitionen, Emotionen und Motive sind allerdings nicht entgegengesetzt voneinander.
    Bei “warm” könnte man zum Beispiel an nette Menschen oder eine Katze denken, bei “kalt” an Schnee oder blau.
    In so fern besteht die Gefahr, dass Inhalte als Gegenpole verwendet werden, die eigentlich nicht entgegengesetzt sind.
    Damit ist die Eindimensionalität der Skalen bei Polaritäten zweifelhaft.
  • Mangelnde Ökonomie: Der Befragte muss jeweils zwei Begriffe lesen, wo es einer auch schon täte.

Dies spricht insgesamt dafür, dass man das Polaritätenprofil, wenn möglich, nicht verwenden sollte.
Wesentlich zweckmäßiger erscheint es, in solchen Fällen nur einen Pol zu verankern und die Skala mit einer negativen Seite zu versehen.