10. Skalierte Fragen

Auf skalierten Fragen können Befragte einem Objekt, das sie beurteilen, einen Wert auf einer vorgegebenen Skala zuordnen. Sie bewerten dabei immer nur jeweils ein Objekt auf jeder Frage.

Die Pole der Skala gehen dabei meist von “trifft überhaupt nicht zu” bis “trifft voll und ganz zu”. Zwischen den Polen befinden sich Möglichkeiten ein Objekt zu platzieren.

Die Intervalle zwischen den Extremen können bei kontinuierlichen Skalen durchgängig sein. Das hat den Vorteil, dass die Befragten nicht gezwungen sind, Kategorien anzukreuzen, die der Forscher vorgegeben hat.
Hierfür ist bei Onlinebefragungen gerne ein Schieberegler eingesetzt, auf Papierbögen wird meist ein Strich vorgegeben, den man an irgendeiner Stelle ankreuzen soll.
Ein Beispiel wäre eine Skala mit der Frage “Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie den Film Fluch der Karibik im Kino ansehen werden?” mit einem Schieberegler von 0 bis 100 Prozent.
Generell ist von der Verwendung dieser Skalen auf Papier eher abzuraten, da der Aufwand bei der Datenauswertung sehr hoch ist; Es müssen alle Markierungen auf den Strichen vermessen werden. Online sind solche Skalen dagegen sehr nützlich und können extrem genaue Messungen ermöglichen. Für die bessere Orientierung der Befragungsteilnehmer ist es sinnvoll, zur Orientierung Verankerungen auf die Skalen zu setzen (Bei einer Prozentskala beispielsweise in 20 oder 25 Prozent Schritten).

Bei diskreten Skalen werden unterschiedliche Anzahlen an Schritten zwischen den Polen vorgegeben, auf denen die Befragten bei jeder Frage einmal ankreuzen sollen. Diese Skalen werden in Forschung und Praxis sehr breit eingesetzt. Sie sind zudem die Basis für komplexere Skalen, wie etwa die Multi-Item Ratingskalen.
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Abbildung: Kontinuierliches Item und diskretes Item

Bekanntester Vertreter der diskreten Ratingskalen ist die Likert Skala, benannt nach Rensis Likert.
Eine Likert Skala hat typischerweise für jedes Item fünf Kategorien: “trifft nicht zu”, “trifft eher nicht zu”, “neutral”, “trifft etwas zu”, “trifft zu”.

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Abbildung: Skalierung nach Likert

Nachteil der Likert Skala ist insbesondere die verbale Verankerung. Es kann nicht davon ausgegangen werden, das die Abstände zwischen den Kategorien gleich sind. Das bedeutet, dass man streng genommen die Skala nicht als intervallskaliert behandeln dürfte, in der Auswertung vieles nicht berechnen darf und bei der Interpretation Schwierigkeiten bekommt.

 

Auf der Likert Skala basieren viele moderne Rating Skalen. Was hat sich geändert?

  • Insbesondere ist man dazu übergegangen, die Kategorien nicht mehr alle verbal zu verankern, sondern nur noch die Endpunkte verbal zu benennen.
  • Zudem sollte man die Skalen numerisch verankern, d.h. mit Zahlen über den Kategorien der Skala versehen.
    Bei einer fünfer-Skala wären das die Zahlen von eins bis fünf.
  • Bewährt hat sich auch eine grafische Verankerung der Skalen in Form eines Keils.
    In Anlehnung an seinen Schöpfer und langjährigen Protagonisten Peter Neumann wird dieser Keil oft Neumann’scher Donnerkeil genannt.
    Das veranschaulicht für die Befragten auch noch einmal visuell die Bedeutung der Kategorien.
  • Fünfer-Skalen sind gut aber häufig werden auch andere Anzahlen an Kategorien verwendet.

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Abbildung: Moderne Skala mit numerischer und grafischer Verankerung

Vor diesen zahlreichen Veränderungen stellen sich wichtige Fragen in der Anwendung. Folgendes Kapitel behandelt daher Praxistipps bei skalierten Fragen.