5. Kann Werbung Bedürfnisse schaffen?

Eine kontroverse Diskussion ist die Frage, ob Werbung Bedürfnisse schaffen kann, die Menschen zuvor nicht gehabt haben.
Die Werbeindustrie bestreitet dies seit jeher und hat investiert, um diese Botschaft auch zu verbreiten, wie folgendes Beispiel aus vergangenen Zeiten zeigt.


beduerfnisse_schaffen.jpg
Abbildung: Lobbyismus der Werbeindustrie

 

Das Werbebeispiel der Lobbygruppe American Association of Advertising Agencies ist etwas entlarvend, da es der Industrie mittlerweile sehr gut gelungen ist, auch Frauen für Rasierklingen und Rasierschaum zu gewinnen.
Auch wissenschaftlich ist die Sachlage kontroverser als von der Werbeindustrie dargestellt. Bedürfnisse und konkrete Motive können im Marketing sehr wohl erzeugt werden. Ein einfaches Beispiel ist das Erzeugen und Verstärken von Durst durch salzige Nahrung, hohe Außentemperatur, sozialer Ansteckung  (Menschen essen und trinken mehr in der Gruppe als alleine) und viele weitere geeignete Stimuli.
Ähnlich wird durch das billige Anbieten von Tintendruckern erst das Bedürfnis geschaffen, fortwährend teure Patronen nach zu kaufen. Eine Strategie, die als Captive Product Pricing auch bei Rasierklingen, Wasserfiltern und vielen anderen Zubehörteilen angewendet wird.
Die Frage, ob nun Werbung alleine ähnliches bewirken kann, sollte vielleicht so beantwortet werden: Im Zusammenspiel mit anderen Marketingaktivitäten kann Werbung Bedürfnisse erzeugen und verstärken, besonders aber konkrete Motive verändern, die auf Bedürfnissen aufbauen.
Die Frage, ob Werbung Bedürfnisse erzeugen kann, ist vielleicht auch eher wenig zentral, da für das Verhalten und die Nachfrage entscheidend nicht die ungerichteten Bedürfnisse, sondern die konkreten Motive sind. Diese konkreten Motive können durch Werbung erzeugt, verändert und verstärkt werden. So gibt es bei Menschen sicherlich bereits angeboren das Bestreben attraktiv zu sein, da dies eine Voraussetzung ist, genetisch hochwertige Sexualpartner zu gewinnen. Werbung  kann auf dieser Basis das konkrete Motiv, sich als Frau Rasierzubehör zu kaufen und anzuwenden, platzieren und gegenüber anderen möglichen Motiven fördern.

Das nächste Kapitel listet weitere Vorwürfe an die Wirtschaftspsychologie auf.