1. Interpretation von Ergebnissen im Forschungsprozess

Dieses Kapitel zeigt, an welchen Stellen im Forschungsprozess die Bewertung und Interpretation von Ergebnissen eine Rolle spielt und gibt einen Überblick über die Gütekriterien zur Bewertung von Messungen, Messinstrumenten und Ergebnissen. Folgende Abbildung stellt den Forschungsprozess dar.

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Abbildung: Interpretation von Ergebnissen im Forschungsprozess

Phasen im Forschungsprozess

In der Praxis gilt es in vielen Situationen Ergebnisse zu bewerten und zu interpretieren, beispielsweise Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen und Kundenbefragungen. Orientiert man sich am Ablauf eines Forschungsprozesses, dann gibt es Phasen, an denen die Interpretation von Ergebnissen besonders relevant ist:

bei der Analyse der Ausgangsbedingungen

bei der Interpretation von eigenen Daten

bei der Kommunikation von Forschungsergebnissen

Was bedeuten die Ergebnisse tatsächlich für die Fragestellung, wie verlässlich sind die Daten und gibt es systematische Verzerrungen? Die zutreffende Bewertung und Interpretation von Ergebnissen ist vielleicht der anspruchsvollste Teil im gesamten Forschungsprozess. Mit diesem Schritt steht und fällt, ob auf die Ergebnisse richtig reagiert wird, und Maßnahmen erfolgreich sind.

Wissenschaftliche Gütekriterien zur Bewertung von Ergebnissen

Um Ergebnisse interpretieren zu können und Forschung planen zu können, gibt es Qualitätsindikatoren, sogenannte Gütekriterien.

Gütekriterien sind Qualitätsindikatoren für Messinstrumente, Messungen und Ergebnisse.

Folgende Tabelle zeigt die Gütekriterien im Überblick.

klassische GütekriterienNebengütekriterien
Die sogenannten klassischen Gütekriterien fokussieren rein auf die Entstehung der Ergebnisse und deren Qualität. Es sind im einzelnen:

  • Objektivität (Sind die Ergebnisse unabhängig von ungewollten Einflüssen durch die erhebenden Personen entstanden?)
  • Reliabilität (Wie genau ist die Messung?)
  • Validität (Wird wirklich das gemessen, was man messen möchte?)
Die klassischen Gütekriterien wurden schnell ergänzt mit Nebengütekriterien, die sich auf  Aspekte rund um die Qualität der Ergebnisse und die verwendeten Erhebungsmethoden konzentrieren.

  • Akzeptanz (Wird ein Verfahren, mit dem Daten erhoben werden, überhaupt akzeptiert – sei es in rechtlicher oder gesellschaftlicher Hinsicht oder auch von den Betroffenen und Entscheidern? Ist eine bestimmte Art von Daten akzeptiert – etwa genetische Profile von Mitarbeitern)?
  • Nützlichkeit (Kann aus Ergebnissen irgendetwas sinnvolles abgeleitet werden, werden Entscheidungen besser, wenn diese Ergebnisse verfügbar sind?)
  • Ökonomie (Welches Vorgehen ist am schnellsten und günstigsten, um die benötigten Ergebnisse in der benötigten Qualität zu liefern?)

Naturgemäß legt man in der wissenschaftlichen Forschung ein stärkeres Augenmerk auf die klassischen Gütekriterien, es geht sozusagen um die Wahrheit – in der Praxis bei Projekten, die Mitarbeiter oder Kunden erforschen, fokussiert man eher auf die Nebengütekriterien, es geht um Effizienz und Nützlichkeit.

Als nächstes folgt ein Kapitel zur Objektivität als Gütekriterium.