5. Beziehungen der klassischen Gütekriterien

Dieses Kapitel zeigt: Die klassischen Gütekriterien sind nicht unabhängig voneinander, es bestehen Beziehungen. Folgende Abbildung in Anlehnung an Neumann (2003a) verdeutlicht die hierarchischen Beziehungen zwischen den klassischen Gütekriterien (vgl. Neumann, 2003a).

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Abbildung: Beziehungen zwischen den klassischen Gütekriterien

Die Beziehungen zwischen den klassischen Gütekriterien sind konkret:

  • Ohne Objektivität keine Reliabilität. Sind Messungen stark von den beteiligten Forschern abhängig, dann sind diese weniger genau. Ergebnisse streuen dann stärker, da die verschiedenen Personen bei Datenerhebung, Auswertung, und Dateninterpretation zusätzlich Varianz erzeugen. Diese störenden Einflüsse (Störvariablen) verringern also die Reliabilität.
  • Ohne Reliabilität keine Validität. Ist eine Messung nicht genau, dann kann auch das zu Messende Konstrukt nicht zuverlässig erhoben werden.
  • Ohne interne Validität keine externe Validität. Interne Validität und externe Validität lassen sich hierarchisch betrachten. Interne Validität ist eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für externe Validität. Ohne interne Validität sind Ergebnisse in Zweifel zu ziehen, können nicht generalisiert werden.

Soll also interne Validität “auf Teufel komm raus” maximiert werden, um die externe Validität zu sichern? Hier gibt es folgendes Dilemma: Maßnahmen, die interne Validität erhöhen, schaden oftmals der externen Validität. So ist die beste interne Validität z.B. bei einer Laborstudie noch lange keine Garantie für die Generalisierbarkeit im Feld. Zu realitätsfern sind dann oft die Bedingungen in den Laborversuchen. Häufig wird man abwägen müssen: Je standardisierter und klinischer eine Versuchsumgebung, desto höher zwar die interne Validität und die Kontrolle über störenden Einflüsse – aber desto klinischer die Versuchsbedingungen und desto geringer die Übertragbarkeit auf andere Situationen. Verzichtet man aber auf interne Validität sind Ergebnisse wertlos und auch nicht mehr übertragbar, denn das Risiko für Verzerrungen ist zu groß. Wie sieht die Lösung aus? Die Kunst ist eine möglichst realistische Versuchsumgebung zu haben, ohne auf Kontrolle der Versuchsbedingungen verzichten zu müssen. Genau das ist von einem guten Wirtschaftspsychologen zu erwarten.

Praxistipps

Das nächste Kapitel befasst sich mit dem Forscher als Problem für die Qualität von Forschungsergebnissen.