8. Die Versuchspersonen als Problem für die Validität

Auf der Seite der Befragten kann es ebenfalls zu Fehlern kommen.

 

So können Befragte die Forschungsergebnisse manipulieren, indem sie Falschangaben machen. Dabei muss man nicht immer Böswilligkeit unterstellen. Gerade bei heiklen oder unangenehmen Fragen antworten Personen oft unehrlich, weil es ihnen peinlich wäre oder weil die wahrheitsgemäße Antwort nicht der Norm oder Moral entspräche. Dieses Phänomen der sozialen Erwünschtheit tritt besonders stark bei persönlichen, weniger bei postalischen Befragungen auf.

 

Der menschliche Drang zur Selbstachtung und Selbstdarstellung kann außerdem zu Übertreiben bzw. Untertreiben, Verdrängen, Ausweichen, Lügen und zu Anpassen der Aussagen führen.

 

Auch kann der Befragte etwa eine bestimmte Beantwortungs-Taktik verfolgen. So hat er vielleicht diese aus vorausgegangenen Fragen gelernt, oder er bemüht sich um Widerspruchsfreiheit mit vorausgegangenen Antworten. Die Wahl der „erstbesten“ Antwortvorgabe oder von Skalierungswerten, die im Mittelfeld liegen sowie der Abbruch der Beantwortung, wenn die gegebenen Antworten als ausreichend empfunden werden, gehören ebenfalls zu solchen Taktiken (vgl. Berekoven, 2006, S. 99).

 

Auch generelle Aversionen gegenüber Interviewer, telefonischen Auskünften, schriftlichem Ausfüllen seitens des Befragten können sich negativ auf die Befragungssituation und die Antwortqualität auswirken.

 

Unbeabsichtigte Verzerrungen können durch die Befragten entstehen, etwa durch menschliche Unzulänglichkeiten, insbesondere im kognitiven Bereich. Mangelndes oder mäßiges Verständnisvermögen, Erinnerungsvermögen, Urteilsvermögen, Konzentrationsvermögen, Verbalisierungsvermögen oder Vorstellungsvermögen können Gründe hierfür sein. So kann es vorkommen, dass Befragte etwa die Frage missverstehen und so etwas anderes darauf antworten. Oder sie wissen die Antwort tatsächlich nicht und raten.

 

Es kann auch passieren, dass durch die Situation  abgelenkt wird, oder evtl. die Länge der Befragung  ermüdet und die Aufmerksamkeit belastet.

 

Um solche Fehler zu reduzieren muss das Befragungsinstrument so konstruiert sein, dass es den Befragten nicht in die Situation bringt beabsichtigte oder unbeabsichtigte Falschangaben zu machen. Im persönlichen Gespräch oder im telefonischen Interview kann ein gut geschulter Interviewer Fehlerquellen umgehen, aufdecken und lösen. In der postalischen Befragung müssen allein die Vorgehensweise und das Instrument, der Fragebogen inklusive Begleitmaterial, gut durchdacht sein, um keine Ergebnisverzerrungen hervorzurufen. So können sich etwa uninteressante und unangenehme Befragungsthemen oder Überlängen sowie Zeitmangel oder störende Umstände negativ auf eine Befragungauswirken.